Fr., 03.01.2020

Dorfladen Dringenberg bietet gleich zu Beginn der Bon-Pflicht papierlose Alternative an – Unternehmer aus OWL entwickelt Alternative mit Smartphone „Zettel oder E-Bon?“

In Sekundenschnelle ist der Bon wie ausgedruckt auf dem Handy-Display zu sehen: Der E-Bon hat gleich zu Beginn der Bon-Pflicht Konjunktur. Gerd Klein rüstet in diesen Tagen die Kassen hunderter Kunden um.

In Sekundenschnelle ist der Bon wie ausgedruckt auf dem Handy-Display zu sehen: Der E-Bon hat gleich zu Beginn der Bon-Pflicht Konjunktur. Gerd Klein rüstet in diesen Tagen die Kassen hunderter Kunden um. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Bad Driburg-Dringenberg (WB). „Kassenzettel oder E-Bon?“ Diese Frage ist Sabrina Lange und Sonja Klein im Dorfladen Dringenberg gestern schon routiniert über die Lippen gegangen. Dabei hatte die Bon-Pflicht an diesem zweiten Tag im neuen Jahr gerade erst Premiere. Gleich zum Start der Verordnung wartet das Dorfladen-Team mit einer umweltfreundlichen Alternative auf – dem E-Bon. Daran hat ein Unternehmer aus Bad Driburg – ein Spezialist für Kassensysteme – mitgearbeitet.

Heidrun Becker zerknüllt in Dorfladen den Kassenzettel und lässt sich von Sonja Klein (rechts) und Sabrina Lange den E-Bon erklären. Foto: Sabine Robrecht

Diese papierlose Variante mussten die beiden Damen den Kunden natürlich erläutern. Das taten sie gern – und waren auch bei ersten Tests mit dem Handy behilflich.

QR-Code mit Smartphone abfotografieren

Heidrun Becker aus Gehrden schüttelt den Kopf, als sie nach dem Einkauf im Dorfladen den Pflicht-Kassenbon in Händen hält. Sie zerknüllt den Zettel noch vor dem Rausgehen am Verkaufstresen – und zückt ihr Handy, um sich von Sabrina Lange und Sonja Klein die innovative Alternative erläutern zu lassen: Für diesen elektronischen Bon, kurz „E-Bon“, hat das Dorfladen-Team die Kasse am Neujahrstag ausrüsten lassen. Bei vielen Smartphones reicht es, den auf dem Kundendisplay erscheinenden QR-Code abzufotografieren. Sofort erscheint auf dem Handy-Bildschirm der Bon. Er sieht aus wie gedruckt und ist in der Fotogalerie für späteres Nachsehen abgelegt.

Bei Heidrun Becker klappt das nicht. Die Gehrdenerin muss deshalb aber nicht beim umweltunfreundlichen Bon auf Thermopapier bleiben. Ein QR-Code-Scanner ist bei ihrem Handy die Lösung. Sabrina Lange hilft beim Herunterladen der dafür notwendigen App. Heidrun Becker geht danach lächelnd aus dem Dorfladen. Über die Papierflut der Bon-Pflicht muss sie sich dort zukünftig nicht mehr ärgern.

Tim Auge wird auch gleich hellhörig, als ihm Sonja Klein und Sabrina Lange den E-Bon vorstellen. „Umweltfreundlich, einfach, praktisch – das finde ich gut“, sagt der 24-Jährige. Und nimmt den (Pflicht-)Bon ebenfalls per Smartphone mit.

Digitale Lösung der Firma „simply pos“

Die digitale Lösung bietet das Dorfladen-Team den Kunden aus Überzeugung an: „Wir möchten so nachhaltig wie möglich arbeiten. Dazu passen nicht die vielen unnütz ausgedruckten Kassenbons, die nicht einmal im Altpapier entsorgt werden können“, betont Sabrina Lange.

Auch Unternehmer Gerd Klein, Inhaber der Bad Driburger Firma „simply pos“ für individuelle Kassensysteme, geht es gegen den Strich, dass der Gesetzgeber den ökologischen Fußabdruck der Bon-Pflicht in Kauf nimmt. Die Kassenzettel werden auf Thermopapier gedruckt. Der Verbrauch steigt durch die Bon-Pflicht immens. Deshalb hat Klein zusammen mit einem Mainzer Softwareentwickler den E-Bon hervorgebracht, der am Donnerstag im Dorfladen im Bad Driburger Ortsteil Dringenberg Premiere hatte.

600 Kassen zunächst umgerüstet

„Bei unseren Kunden ist die Nachfrage riesig. Wir werden bis Ende nächster Woche 600 Kassen umgerüstet haben“, sagt Gerd Klein. Der aus dem Bäckerhandwerk stammende Unternehmer ist seit sechseinhalb Jahren am Markt und hat, wie er bilanziert, von 2018 bis 2019 einen 100-prozentigen Umsatzzuwachs erzielt, „Tendenz steigend“. Großbäckereien und die Gastronomie gehören ebenso zu den Kunden von „simply pos“ wie Dorfläden und Direktvermarkter.

An den E-Bons haben auch einige Wochenmarktbeschicker Interesse, berichtet Unternehmer Klein. Viele seien es aber nicht – wegen des nach wie vor langsamen Internets. „Diese Verordnung ist ein Irrsinn“, schüttelt Gerd Klein den Kopf. Großkunden wie Bäckereien, die sonst zwei oder drei Paletten Kassenrollen im Jahr benötigt haben, „müssen jetzt mindestens das Zehnfache einplanen“, hat Gerd Klein ausgerechnet. Eine Palette umfasst 4500 Rollen mit je 50 Metern Thermopapier. Das sind nicht unerhebliche Mehrkosten – und eine erhebliche Umweltbelastung.

Deutliche Kosteneinsparungen dank E-Bon

Die papierlosen E-Bons bringen für die Händler also auch deutliche Kosteneinsparungen mit sich. „Ein großer Kunde hatte mich auf mögliche digitale Lösungen angesprochen. Daraufhin haben wir Gas gegeben.“ Der Dorfladen in Dringenberg ist gleich am Drücker – und stieß bei den ersten Kunden nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des größeren öffentlichen Bewusstseins für Fragen des Klimaschutzes auf einhellige Aufgeschlossenheit.

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