Bad Driburger Unternehmer Gerd Klein entwickelt digitalen Kassenzettel – dafür benötigen Verbraucher ein Handy
Papierloser Bon gefragt

Bad Driburg (WB). Die Bon-Pflicht hat schon bei ihrer Ankündigung mehr Kopfschütteln als Verständnis ausgelöst. Jetzt, da die Kunden tatsächlich für jeden Brötchen-Kauf den zentimeterlangen Kassenzettel in die Hand gedrückt bekommen, wird die Umweltbelastung augenfällig – und bringt die Menschen auf die Palme. Da kommt Gerd Klein (49) mit seiner digitalen Alternative gerade richtig: Der Bad Driburger Spezialist für individuelle Kassensysteme hat mit dem Softwareentwickler „Itrelations“ aus Mainz papierlose E-Bons (elektronische Bons) entwickelt.

Freitag, 03.01.2020, 10:39 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 10:42 Uhr
Der Dorfladen in Dringenberg bei Bad Driburg bietet E-Bons an. Sabrina Lange (rechts) erklärt Kundin Heidrun Becker, wie die papierlosen Bons auf das Handy gelangen. Foto: Sabine Robrecht
Der Dorfladen in Dringenberg bei Bad Driburg bietet E-Bons an. Sabrina Lange (rechts) erklärt Kundin Heidrun Becker, wie die papierlosen Bons auf das Handy gelangen. Foto: Sabine Robrecht

Idee schlägt ein wie eine Bombe

Diese innovative Idee schlägt ein wie eine Bombe: In Gerd Kleins Unternehmen „simply pos“ mit Hauptsitz in Bad Driburg und Büros in Dortmund und im Sauerland stehen die Telefone nicht still. Die Nachfrage ist riesig. „Wir werden bis nächste Woche bei unseren Bestandskunden etwa 600 Kassen umgestellt haben“, sagt der Firmenchef.

Zu diesen Geschäftspartnern gehören Großbäckereien in Dortmund und Köln, bei denen sich etwa 30.000 bis 40.000 Menschen am Tag die Klinke in die Hand geben. Die 600 umgerüsteten Kassen bringen, so Klein, eine Ersparnis von 360.000 Bons pro Tag mit sich. „Das entlastet die Umwelt.“ Allein im Bäckerhandwerk, auf das der Unternehmer sich neben der Gastronomie spezialisiert hat, bringt die Verordnung nach Kleins Berechnungen fünf Milliarden Kassenbons im Jahr mit sich. Sie werden alle auf Thermopapier gedruckt und hinterlassen den entsprechenden ökologischen Fußabdruck. „In Zeiten des Klimaschutzes, ist das nicht der richtige Weg“, macht Gerd Klein aus seiner kritischen Haltung keinen Hehl.

Gesetzgeber erlaubt digitale Bonausgabe

Immerhin erlaubt der Gesetzgeber sowohl die analoge als auch die digitale Bonausgabe. Auf diesen Zug ist der gebürtige Sauerländer mit seiner Firma „simply pos“ aufgesprungen. Und er ist, wie er glaubt, weit über Ostwestfalen-Lippe hinaus der einzige, der diese digitale Option bis jetzt ausschöpft. Die Nachfrage erstreckt sich vom Niederrhein bis nach Hamburg und Berlin.

Für die Kunden ist es ein Kinderspiel, die E-Bons zu nutzen: Sie können vom Kassen-Bildschirm einen QR-Code mit dem Smartphone abfotografieren und bekommen in Sekundenschnelle über das Internet ein Foto des Bons aufs Handy geschickt. Sollte das nicht funktionieren, kann auch ein herkömmlicher QR-Code-Scanner auf dem Handy den QR-Code von der Kasse aufnehmen und so ein Bon-Foto produzieren. Abgelegt werden die Bilder des Bons in jedem Fall auf dem Handy. Datenschutz-Bedenken zerstreut Gerd Klein: „Wir haben das System so aufgebaut, dass wir möglichst keine Daten von Kunden bekommen.“ Die Angaben auf dem Bon lägen, so der 49-Jährige, nur als Bild vor.

In Bäckereien haben nach Auskunft Kleins bislang nur etwa drei bis fünf Prozent der Kunden einen Bon mitgenommen. Dem entsprechend explodieren jetzt bei den Unternehmen der Verbrauch und die Kosten für Kassenzettelpapier. Die digitale Alternative will diese Entwicklung ausbremsen.

Kommentare

Sabine  schrieb: 08.01.2020 22:58
Nur mit Smartphone?
Dann könnte ich ja auch, wenn es sich nur um ein Foto vom Kassenbildschirm handelt, mit einem normalem "Handy" sozusagen aus der Bäckerei ausbongen, wenn ich kein Smartphone besitze. Auch wenn mein Handy keinen QR-Code übersetzt. Das fände ich OK und muss mir also nur wegen der Bonpflicht kein Smartphone anschaffen, um dann den Papierausdruck zu sparen.
1 Kommentare
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