Offener Brief an Kommunalpolitik vor dem Hintergrund der Corona-Krise
Graf will Schulterschluss mit Stadtrat

Bad Driburg (WB). Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff regt dringend den Schulterschluss des gräflichen Hauses mit dem Stadtrat an. Dies solle anstelle der in den vergangenen Monaten geäußerten Gedanken treten, anstatt des Gräflichen Parks in Bad Driburg einen neuen Kurpark beispielsweise auf dem Gelände der Eggelandklinik zu entwickeln.

Freitag, 27.03.2020, 23:56 Uhr aktualisiert: 29.03.2020, 08:32 Uhr
Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff möchte Bad Driburg weiterentwickeln Foto: Silvia Schonheim/Archiv
Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff möchte Bad Driburg weiterentwickeln Foto: Silvia Schonheim/Archiv

„Es ist die Zeit, zusammenzurücken und solidarisch zu sein. Vieles, was noch vor Wochen wichtig erschien, ist in rasender Geschwindigkeit banal geworden“, schreibt er in einem offenen Brief an die Kommunalpolitiker.

Zwischen diesen und dem gräflichen Haus war es zu Unstimmigkeiten gekommen. Es gibt unterschiedliche Auffassungen, was die Höhe der Dienstleistungsentschädigung betrifft, die die Stadt an den Gräflichen Park dafür zahlt, dass dieser für den Kurortstatus notwendige Einrichtungen wie etwa den Kurpark vorhält. Eine so genannte Preisprüfung hat durch zwei unterschiedliche Berechnungsmodi Kosten von 1,55 Millionen und 1,98 Millionen Euro ergeben. Die Stadt möchte nur die geringere Summe zahlen, Marcus Graf von Oeynhausen möchte die höhere Summe, weil die den tatsächlichen Kosten entspreche. Bürgermeister Burkhard Deppe hatte angekündigt, bei keiner Einigung einen eigenen Kurpark zu schaffen.

Mehr Miteinander

Die Welt habe sich auf einen Schlag verändert, schreibt der Graf jetzt an die Mitglieder des Rates. Die Gemeinschaft und das „Miteinander“ hätten eine ganz neue Bedeutung gewonnen: „Meine Familie stellt sich in der Betrachtung ihrer Heimat in Bad Driburg nach zwei Weltkriegen und vielen kleineren heute vernachlässigbaren Wirtschaftskrisen derzeit vielen Herausforderungen im Sinne des Gemeinwesens.“

Als einer der größten Arbeitgeber der Region Höxter, als traditionsreiches Familienunternehmen aber auch als Bürger von Bad Driburg sei sich seine Familie der sozialen Verantwortung und der wirtschaftlichen Entwicklung des Standortes Bad Driburg bewusster denn je.

Aktuell sei das Hotel geschlossen, der Brunnen laufe auf Hochtouren und das Unternehmen versuche, die vier Reha-Kliniken zu erhalten. Neben der Bewältigung des Status Quo denke die Unternehmensgruppe auch an zukünftige Möglichkeiten, um zur wirtschaftlichen Sicherung und Weiterentwicklung des Standortes Bad Driburg beizutragen. Dazu gehöre, dass derzeit versucht werde, Notfallkapazitäten für die Behandlung von Akut- und COVID19-Patienten aus der Region rechtlich genehmigt zu bekommen.

„Auch in der jetzigen Situation haben wir unsere Unterstützung an vielen Stellen, wie zum Beispiel beim Kreis Höxter, der Bezirksregierung Detmold und auch dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen angeboten und Vorbereitungen zur Übernahme von Patienten aus Akutkrankenhäusern sowie eine Erweiterung von Bettenkapazitäten eingeleitet“, berichtet Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff. Leider fehlten bisher die erforderlichen Rückmeldungen und Genehmigungen, um tätig werden zu können.

Neben den menschlichen und sozialen Konsequenzen seien auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht absehbar. Die Unternehmensgruppe zwinge sie gerade zu harten Einschnitten in einigen Geschäftsbereichen.

Hand in Hand

Das Heilbad Bad Driburg wird nach der Überzeugung von Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff „in naher Zukunft, so wie nach 1918 und 1945, eine Blüte mit einem erstarkten Gemeinwesen erleben können.“ Voraussetzung hierfür sei nicht eine Spaltung, sondern ein Arbeiten Hand in Hand, ein Ausschöpfen von allen nur möglichen Synergien – auch im Hinblick auf den Standortwettbewerb. Der Graf: „Die Corona-Krise zeigt aktuell, was erreicht werden kann, wenn persönliche Befindlichkeiten zum Wohle aller in der Gemeinschaft hinten an gestellt werden.“

Das gräfliche Haus werde den Kurpark selbstverständlich weiter in gewohnter Weise pflegen und fortentwickeln. „Die Pflanzzeit hat begonnen, der Park bleibt geöffnet. Das hohe Niveau wird unverändert erhalten – so wie es über die vergangenen fast 240 Jahre gewachsen ist.“

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