Streit um möglichen Kurpark auf Eggelandklinik-Gelände – Stadt Bad Driburg will weiter verhandeln – mit Kommentar
Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff droht mit Rückzug

Bad Driburg (WB). Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff hat die Stadt Bad Driburg davor gewarnt, einen eigenen Kurpark auf dem Gelände der Eggelandklinik zu schaffen. Zwei Kurparke in der Stadt seien dem Bürger nicht zuzumuten. Zwei konkurrierende Einrichtungen könnten nicht funktionieren.

Samstag, 16.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 12:47 Uhr
Der Park der ehemaligen Eggelandklinik entwickelt sich zunehmend zum Zankapfel zwischen Stadt und gräflichem Haus. Der Graf wirft der Stadt vor, dort einen zweiten Kurpark etablieren zu wollen und droht für diesen Fall seinen Rückzug aus der Kur-stadt an. Foto: Frank Spiegel/Archiv
Der Park der ehemaligen Eggelandklinik entwickelt sich zunehmend zum Zankapfel zwischen Stadt und gräflichem Haus. Der Graf wirft der Stadt vor, dort einen zweiten Kurpark etablieren zu wollen und droht für diesen Fall seinen Rückzug aus der Kur-stadt an. Foto: Frank Spiegel/Archiv

Für die gräfliche Familie bedeute eine solche Entscheidung den Rückzug vom Standort Bad Driburg. „Das ist keine Drohung, sondern die reine Vernunft“, sagte Oeynhausen-Sierstorpff, der nach eigenen Angaben größte Arbeitgeber der Stadt, am Rande der Bauausschusssitzung am Donnerstagabend. Er regte einen Schulterschluss zwischen dem Gräflichen Park und der Stadt an.

Streit dauert zwei Jahre an

Hintergrund ist  ein schon zwei Jahre dauernder Streit zwischen beiden über die Höhe der Dienstleistungsentschädigung, die die Stadt an den Grafen dafür zahlt, dass dieser für den Kurortestatus notwendige Einrichtungen wie den Kurpark vorhält. Eine so genannte Preisprüfung hat durch zwei unterschiedliche Berechnungsmodi Kosten von 1,55 Millionen und 1,98 Millionen Euro ergeben. Die Stadt möchte die geringere Summe zahlen, Marcus Graf von Oeynhausen möchte die höhere, weil die den tatsächlichen Kosten entspreche. Bürgermeister Burkhard Deppe hatte angekündigt, bei keiner Einigung einen eigenen Kurpark zu schaffen – beispielsweise auf dem Gelände der Eggelandklinik. Davon war im Bauausschuss am Donnerstag zwar keine Rede mehr, dennoch steht eine Einigung über die Kurparkentschädigung nach Informationen dieser Zeitung weiter aus.

Neues Stadtquartier

 Auf dem Gelände der Eggelandklinik soll ein neues Stadtquartier entstehen, ein städtebauliches Konzept dafür brachte der Ausschuss mit großer Mehrheit auf den Weg. Wie mehrfach berichtet, sind drei Wohnhöfe mit insgesamt rund 130 Wohn- und Kleingewerbeeinheiten geplant. Darüber hinaus soll der Altbau der Klinik in ein Kultur- und Bürgerzentrum umgebaut werden. Die neueren Bauten werden abgerissen. Das gewonnene Gelände soll in den Park integriert werden, der zu einem Aktiv- und Gesundheitspark ausgebaut werden soll. Zusammengehalten wird das Gelände von einem „blauen Band“ am Katzohlbach. Um Erschließungsstraßen zu bauen, hat die Stadt das ehemalige Café zur Post gekauft, das abgerissen werden soll. Auch Teile des Baumbestandes und die Chefarztvilla müssen den Bauvorhaben weichen. Daran gab es Kritik von den Grünen. Fraktionschefin Martina Denkner kündigte bis zur Ratssitzung am Montag eine Alternativplanung an.

„Wenn ich nicht spure, gibt es eben einen anderen Kurpark“

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff interpretiert die Pläne auf dem Areal der Eggelandklinik in einer Pressemitteilung dahingehend, dass mit dem neuen Areal „unverhohlen“ der Plan für einen städtischen Kurpark verfolgt werde. Seit fast zwei Jahren werde er in den Verhandlungen über die Beteiligung seines Unternehmens an den Kurbeiträgen „massiv mit dieser Wettbewerbskonstellation konfrontiert“. Plakativ bringt es der Chef der Unternehmensgruppe Oeynhausen-Sierstorpff, die neben dem Gräflichen Park auch ein Hotel, einen Mineralbrunnen und mehrere Reha-Kliniken betreibt, auf den Punkt: „Wenn ich nicht spure, gibt es eben einen anderen Kurpark.“

Der Politik in der Kurstadt wirft er Misswirtschaft vor. Allein die Driburg-Therme habe den Steuerzahler in den vergangenen 25 Jahren gut 40 Millionen gekostet. Die Stadt solle das Areal der Eggelandklinik in hochwertige Einzelgrundstücke verwandeln und verkaufen. „Mit einem Bodenrichtwert von 161 Euro pro Quadratmeter kann Bad Driburg bares Geld in die schwerst belasteten Kassen spülen.“ Stattdessen werde weiter an einem Projekt gearbeitet, das im Zuge der zu erwartenden Corona-Rezession „Geschichte sein müsste“.

Deppe will dauerhafte Einigung

„Sollte die Stadt einen zweiten Kurpark samt Kultur- und Bürgerhaus und einem breit gefächerten Angebot zu Therapiezwecken realisieren, wird es keinen öffentlichen Zugang mehr zum Gräflichen Park geben und keinen Golfplatz und kein Thermalwasser“, kündigt Graf Marcus von Oeynhausen-Sierstorpff an.

Bürgermeister Burkhard Deppe sieht sich in Sachen Kurpark mit dem Grafen weiter am Verhandlungstisch. „Wir planen erst einmal keinen zweiten Kurpark auf dem Gelände der Eggelandklinik“, sagte Deppe. Das setze allerdings eine Einigung voraus, die die Stadt mit dem Grafen dauerhaft erreichen wolle. „Wir können und dürfen aber auch nicht mehr bezahlen, als die amtliche Preisprüfung der Bezirksregierung ergeben hat“, erklärte Deppe. Das sind 1,55 Millionen Euro jährlich.

Ein Kommentar von Marius Thöne

Die Situation ist verfahren. Das kann man nicht anders sagen. Dennoch sind die Türen nicht ganz verschlossen – und beide Seiten täten in diesem Streit gut daran, sie weiter zu öffnen. In den vergangenen beiden Jahren hat der Kurstandort Bad Driburg einen großen Imageschaden erlitten. Um den Streit nicht noch weiter eskalieren zu lassen, muss eine Lösung am Verhandlungstisch gefunden werden. Die eine Seite liebäugelt mit einem eigenen Kurpark, die andere schließt einen Weggang aus Bad Driburg nicht aus. V

on außen betrachtet, helfen diese Drohungen keinem weiter. Fest steht, der Gräfliche Park in Bad Driburg ist ein Kleinod, das in der Region seinesgleichen sucht. Das sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden, weder von der einen, noch von der anderen Seite. Leidtragende sind am Ende die Bürger und die Touristen. Wenn eintritt, was viele Experten sagen, dass Deutschlandreisen einen Boom nach der Corona-Krise erleben werden, kann es sich Bad Driburg nicht leisten, dieses Alleinstellungsmerkmal aufzugeben.

Kommentare

E. Hinz  schrieb: 16.05.2020 13:19
Blaues Band Katzohlbach
Sehr geehrter Herr Thöne, liebe Leser,

in diesem Artikel verweisen Sie auf das Schlüsselprojekt des blauen Bandes am Katzohlbach, dessen Planung im unteren, südlichen Teil bereits weit voran geschritten ist.

Richtig Sinn macht ein Band natürlich erst dann, wenn es auch lückenlos geknüpft wird. In seiner Endausprägung würde es eine grüne Verbindung vom Kurpark bis zum Aufstieg zur Iburg ermöglichen und zugleich in Richtung Josefsmühle/Siebenstern verbinden. Das hätte nicht nur touristischen Wert, sondern wäre auf für die Schulwege der Kinder eine interessante Option, genauso wie im Sommer als Weg zum Freibad.

Auch im westlichen, oberen Bereich an der Mühlenpforte sind die Wegführungen entlang des Baches schon immer vorhanden. Meines Wissens entspricht es auch der Beschlusslage der Stadt, auf eine durchgängige Wegführung hin zu arbeiten.

Im mittleren Bereich wurde im vergangenen Jahr der Lidl-Markt umgebaut. Nach Beschlusslage hätte bei dieser Gelegenheit eine Wegführung entlang des Baches entstehen müssen. Das wurde durch die Stadt offensichtlich nicht durchgesetzt. Hier im Artikel wird mit einem Schlüsselprojekt argumentiert, dessen vollständige Realisierung die Stadt nicht ernsthaft betreibt.

Ich würde mich über eine Hintergrundrecherche dazu freuen, was dort genau geplant ist, was schief gelaufen ist und was an Wegführung in diesem Bereich noch zu retten wäre.

Ich würde mich auch um Stellungnahmen anderer Leser freuen und ggf. um Korrektur meiner Annahmen.

E. Hinz

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