Kirchen-Chronist Karl Pape entdeckt hunderte Jahre alte Stadt-Dokumente
Zeitreise in das historische Dringenberg

Dringenberg (WB). Der Dringenberger Karl Pape hat einen besonderen Fund gemacht, der einen spannenden Einblick in die Geschichte des Burgdorfes bietet. Der Chronist der Kirchengemeinde hat durch Zufall Dokumente der historischen Stadt Dringenberg im Archiv der Pfarrgemeinde entdeckt – dazu gehören unter anderem Protokollbücher, Rechnungsbücher und Listen aus der Zeit von 1600 bis nach 1800. Die Protokolle aus dem Jahr 1808 hat er für ein Buch abgeschrieben.

Freitag, 17.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 05:01 Uhr
Karl Pape hat historische Dokumente entdeckt und Protokolle aus dem Jahr 1808 für ein Buch abgeschrieben. Foto: Dennis Pape
Karl Pape hat historische Dokumente entdeckt und Protokolle aus dem Jahr 1808 für ein Buch abgeschrieben. Foto: Dennis Pape

Unzählige Unterlagen

„Erst nach einer Weile ist mir bewusst geworden, welchen Schatz ich dort gefunden habe“, erzählt Karl Pape mit Blick auf die unzähligen Unterlagen, die sich zum Teil in einem, wie er sagt, desolaten Zustand befinden. Vieles sei schwer zu entziffern – auch angesichts der alten Schrift und Sprache. Ein Mysterium bleibt zunächst auch, wie die Dokumente der Stadt ihren Weg in das Archiv der Pfarrgemeinde fanden. Pape hat aber eine mögliche Erklärung parat: „In alten Unterlagen wird davon berichtet, dass die Schweden bei der Einnahme Dringenbergs im Jahr 1646 anlässlich der Belagerung der Burg auch die Türen der Kirche und Sakristei aufgebrochen haben. Dort soll Leutnant Andreas Küchenmeister – er muss ein Söldner gewesen sein – eine Truhe mit Dokumenten der Stadt und der Kirche gewaltsam geöffnet haben. Kirchen galten damals eigentlich als sicherster Aufbewahrungsort. Hier könnten die Unterlagen unbemerkt vermischt worden sein.“

Ortsstatistik von 1817

In diesem großen Fundus an bislang unbekannten Dokumenten hat Karl Pape unter anderem eine von Stadtsekretär, Küster und Schullehrer Franz Cuper am 25. März 1817 erstellte Ortsstatistik gefunden. Demnach lebten zu dieser Zeit in Dringenberg in 100 Gebäuden mit 123 Haushalten insgesamt 664 Personen. „Für das Heer sind 28 Personen im Aufgebot, für die Landwehr erstens 23 und zweitens 22 Personen“, schrieb Cuper. Er berichtete ebenfalls davon, dass lediglich ein Gebäude massiv gebaut war, die weiteren 99 aus Holz – 79 Dächer waren mit Stein, 21 mit Stroh bedeckt. „Bei den Haushalten hat Cuper auch Gärten, Wiesen und Äcker angegeben“, erläutert Pape. Der größte Landwirt war seinerzeit eine Frau – die 55-jährige Witwe Gehle mit 147 Morgen Ackerland und 60 Morgen Wiese.

Die Dokumente, die Karl Pape wiederum in seinem Buch mit dem Titel „Protocolle der Stadt Dringenberg“ publiziert hat, bieten weitere spannende Einblicke in eine längst vergangene Zeit. Sie datieren aus dem Jahr 1808 und wurden ebenfalls von Cuper verfasst. „Seine Schrift konnte ich etwas leichter lesen“, sagt der Dringenberger und schmunzelt. In den Protokollen geht es gleich zu Beginn um die Aufnahme von Neubürgern, die zunächst einen Eid leisten mussten. Das Bürgergeld für einen Auswärtigen betrug damals 20 Reichstaler, für eine „selbge Frauensperson“ 15 Reichstaler und für einen „Bürgersohn“ neun Mariengroschen nebst einem ledernen Feuer-Eimer. Unter den Neubürgern befanden sich Namen, die es auch heute noch – zum Teil leicht abgewandelt – in Dringenberg gibt: beispielsweise Bernhard, Parensen, Uhen, Lüken, Falken und Linnemann.

Diebstähle im Dorf

Berichtet wird im Buch auch von Gerichtsverfahren, Vereidigungen, Vermögensregelungen von Ehepaaren oder von Bürgerpatrouillen angesichts sich häufender Diebstähle in Dringenberg. Im Originaltext schrieb Sekretär Cuper dazu am 5. April 1808: „Wegen vielen in der Nachbarschaft erfolgten Diebereyen wurde von Magistrate resolvirt; Daß jeden Nachts sollte Patrouillirt werden, wo sodann die Patrouilirende, für vorfallende Diebereyen verantwortlich bleiben.“ Der bereits am 9. Januar 1808 vereidigte Schweinehirt und Nachtwächter in Personalunion, Henrich Hengst, war dieser Aufgabe augenscheinlich nicht alleine gewachsen. Immerhin sollte er laut Protokoll an 14 Stationen als Wächter nachts in Erscheinung treten – unter anderem auch bei Bürgermeister Uhen.

Für Karl Pape ist es eine echte Herzensangelegenheit, dass die historischen Dokumente für die Nachwelt erhalten bleiben – dafür setzt sich der Dringenberger bereits seit geraumer Zeit ein. „Hier kann man Geschichte unverfälscht erleben“, betont er. Mittlerweile habe sich ein Arbeitskreis mit Vertretern aus Kommunalpolitik, Kirchenvorstand, Generalvikariat sowie Kreis- und Stadtverwaltung gebildet. „Die Bücher sollen laut aktueller Planung im Kreisarchiv in Höxter eingelagert werden“, sagt Pape. Er ist weiterhin auf der Suche nach Personen, die die alten Schriften lesen können. Sie dürften sich ebenso bei ihm melden wie alle, die an seinem Buch über die Protokolle aus dem Jahr 1808 interessiert sind.

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