Grüne: Permanentes wirtschaftliches Wachstum als Selbstzweck nicht akzeptabel
Gemeinwohlbilanz kann Kunden sichern

Willebadessen/Bad Driburg (WB). Sven Giegold, Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament, und Albrecht Binder von der Stiftung Gemeinwohlökonomie NRW aus Steinheim haben sich der Frage gestellt, was Politik und Gesellschaft konkret tun können, um dem Ziel einer sozialen und ökologischen Wirtschaft näher zu kommen. Auf Einladung der Grünen hatten sich Interessierte in Bad Driburg und Willebadessen getroffen, um Vorschläge und Ideen zu diskutieren.

Montag, 31.08.2020, 19:56 Uhr aktualisiert: 31.08.2020, 20:10 Uhr
Sven Giegold (vorne), Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament, und Albrecht Binder (Mitte) von der Stiftung Gemeinwohlökonomie NRW haben sich mit der Frage beschäftigt, was Politik und Gesellschaft tun können, um dem Ziel einer sozialen und ökologischen Wirtschaft näher zu kommen. Foto: Die Grünen
Sven Giegold (vorne), Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament, und Albrecht Binder (Mitte) von der Stiftung Gemeinwohlökonomie NRW haben sich mit der Frage beschäftigt, was Politik und Gesellschaft tun können, um dem Ziel einer sozialen und ökologischen Wirtschaft näher zu kommen. Foto: Die Grünen

„Wir haben nicht mehr viel Zeit, es handelt sich um ein Fenster von etwa zehn Jahren“, begründete Sven Giegold die Anstrengungen, die derzeit in Brüssel mit dem „Europäischen Green Deal“ unternommen werden. Dieser Plan sieht nach seinen Worten vor, die bisherigen Ziele zur CO 2 -Reduktion auf die aktuellen Erfordernisse des Klimawandels auszurichten. Das bedeute konkret eine Anpassung der Klimaschutzpläne europaweit auf 50 bis 55 Prozent CO2-Reduktion bis 2030.

„Deutschland keineswegs Vorreiter“

Bis 2023 sollen die Mitgliedsstaaten der EU ihre nationalen Klimapläne an dieses Ziel angleichen. Anders als vielfach behauptet, sei Deutschland hier keineswegs Vorreiter, sondern befinde sich europaweit etwa im letzten Drittel, sagte Giegold. Die Deckelung von erneuerbaren Energien statt eines Ausbaus sei hier nur ein wunder Punkt von mehreren.

Einen Ansatz auf kommunaler Ebene und für einzelne Unternehmen stellte Albrecht Binder mit dem Konzept der Gemeinwohlbilanz vor. Die Berücksichtigung von ökologischen und sozialen Standards, die dem Gemeinwohl dienen, wird im Rahmen dieser Bilanz messbar gemacht. Positive Effekte bringen Pluspunkte, negative Minuspunkte.

Fünf Unternehmen machen mit

Pluspunkte in der Gemeinwohlbilanz könnten steuerliche Vorteile für die entsprechenden Unternehmen bringen, so formulierte Albrecht Binder ein Ziel mit Steuerungswirkung. Aber schon jetzt könne das Zertifikat hilfreich für Unternehmen sein, um Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen. Qualifizierte Mitarbeiter seien rar im Kreis Höxter, sagte Binder.

Fünf Unternehmen aus dem Kreis Höxter haben sich im Rahmen des von der EU finanzierten Leader-Projektes „Gemeinwohlregion Kreis Höxter“ nach Gemeinwohlkriterien zertifizieren lassen. Dazu kommen drei Kommunen im Kreis Höxter, die in ihren Haushalten die Gemeinwohlbilanz berücksichtigen, erklärte Binder.

Wachstum als Selbstzweck

Giegold befürwortete zwar den Ansatz der Gemeinwohlbilanz, hob jedoch hervor, dass es zusätzlich von staatlicher Seite, EU-weit und national, geeigneter ordnungspolitischer Richtlinien bedürfe, um Gemeinwohlkriterien durchzusetzen. Die Regulierung allein über Steuern reiche nicht aus.

In der regen Diskussion wurden noch weitere Aspekte vertieft. Einig waren sich alle Beteiligten darin, dass ein permanentes wirtschaftliches Wachstum als Selbstzweck nicht akzeptabel ist, sondern dass Wirtschaft am Gemeinwohl orientiert sein muss. Die bereits angelaufenen Projekte im Kreis Höxter sollen möglichst weitergeführt werden. Diese würden von den Grünen im Kreis Höxter unterstützt, sagten die beiden Spitzenkandidatinnen Martina Denkner und Anne Rehrmann.

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