Heimische Betreiber appellieren an die Bevölkerung, sich wieder Filme anzusehen - Existenzgefahr
Corona-Schwund: Kinos brauchen Besucher

Holzminden/Bad Driburg/ Brakel (WB). Die Kinobetreiber der Region appellieren an die Menschen, wieder ins Kino zu gehen. Die Bilanz der Besucherzahlen seit Ausbruch des Corona-Virus im März sei bedenklich schlecht und bedrohten Betriebe.

Mittwoch, 07.10.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 19:45 Uhr
Die heimischen Kinos leiden Not. Auch bei guten Filmen sind die Sitzreihen mit den großen Hygieneabständen leer geblieben.
Die heimischen Kinos leiden Not. Auch bei guten Filmen sind die Sitzreihen mit den großen Hygieneabständen leer geblieben. Foto: dpa

Zunächst mussten die Kinos in Deutschland ganz geschlossen bleiben; in Nordrhein-Westfalen durfte ab Ende Mai wieder geöffnet werden, in Niedersachsen viel später. Allerdings habe es sich wirtschaftlich zu Anfang noch gar nicht gelohnt, den Kinobetrieb wieder aufzunehmen, berichtet Elina Wirth, Ehefrau des Driburger und Brakeler Kinobetreibers Thomas Wirth. „Im Mai mangelte es einfach an Filmen, da lohnte sich die Eröffnung gar nicht“, sagt die Bad Driburgerin. Mittlerweile starte jede Woche wieder ein neuer Film – zwar keine amerikanischen Blockbuster und Filmproduktionen von Marvel oder Star Wars – dafür gebe es aber genügend Filmmaterial aus Deutschland und Europa.

„Es ist schade, aber wenn keine US-Top-Produktion läuft, kommt niemand ins Kino. Dabei bieten auch kleinere Produktionen hochwertigen Inhalt“, sagt Stanislawa Grzibek, Betreiberin des Roxy-Kinos in Holzminden. Das Holzmindener Kino, das auch von vielen Höxteranern besucht wird, hat den Betrieb erst am 3. September wieder aufgenommen und ist enttäuscht über die geringen Besucherzahlen. Es habe etliche E-Mails und Anrufe mit Anfragen gegeben, wann denn wieder geöffnet werde. Aus diesem Grund entschloss sich Stanislawa Grzibek für eine Öffnung des Kinos, obwohl eine Schließung aus wirtschaftlicher Sicht für sie lukrativer gewesen wäre. „Wir möchten aber nicht in Vergessenheit geraten“, betont sie und fragt sich selbst, wo genau das Problem der fehlenden Besucher liegt. Fehlt den Menschen das attraktive Kinomaterial? Haben sie Angst, sich mit Covid 19 zu infizieren? Oder bleiben sie bloß aus Bequemlichkeit zuhause auf dem Sofa sitzen?

Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen in den Kinos gibt es genügend, so dass die Besucher keine Infektion fürchten müssen. Bislang habe es europaweit noch keine Ansteckung durch einen Kinobesuch gegeben, so die Kinobetreiberin. In Niedersachsen sind die Abstandsregelungen noch strenger als in NRW, denn dort muss jede zweite Reihe im Kino unbesetzt bleiben, um den Mindestabstand von 1,50 Meter wahren zu können. „Dadurch müssen wir mit einem Verlust von 70 Prozent rechnen, auch wenn ausreichend Besucher kämen“, erklärt die Betreiberin des Roxy-Kinos. In NRW sind die Beschränkungen schwächer, doch Elina Wirth achtet darauf, die Besucher schachbrettartig mit ausreichend Abstand zu positionieren. Die Mund-Nasen-Maske darf am Platz abgenommen werden und das Kontaktformular kann entweder ganz einfach vorab im Internet oder spontan an der Kasse ausgefüllt werden.

Dennoch, die Filmfans bleiben in Massen weg. Zwar bessert sich die Lage aktuell etwas durch das schlechte Wetter und die anstehenden Herbstferien, der Betrieb läuft aber weiterhin schleppend. Stanislawa Grzibek zählte sonst am Wochenende 300 bis 400 Besucher, jetzt seien es nur noch um die 150. In der Woche besuchten das Roxy rund 150 Menschen vor der Pandemie, aktuell sind es in Holzminden gerade einmal 20! Bei vier Sälen und zwei bis drei Vorstellungen am Tag sei der Normalbetrieb einfach nicht möglich. Viele Vorstellungen fielen aus, weil niemand sie sehen wollte.

In Brakel und Bad Driburg geht es den Betreibern ähnlich. 100 Besucher dürften zwar in den Saal eingelassen werden, so viele Besucher gab es aber noch gar nicht wieder. „Unsere Spitzenvorstellung an einem Sonntag hatte 52 Gäste“, sagt Elina Wirth. Im Schnitt besuchen zehn bis 15 Personen derzeit das Kino am Wochenende; viele Vorstellungen werden nur von zwei oder drei Einzelgästen besucht. „Seit Juli haben wir geöffnet, aber es läuft schlecht. Das wird kein gutes Jahr 2020 mehr“, erklärt Elina Wirth.

Damit Kinos im ländlichen Raum auch weiterhin erhalten bleiben, sollen die Menschen sich nun aufraffen und ins Kino gehen. Die Kinobetreiber appellieren an die Bevölkerung daran zu denken, dass Film und Kino ein Kulturgut seien, das unterstützt werden müsse, da sonst dieser Branche wirtschaftliche Engpässe und konkret Schließungen drohten.

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