Bad Driburger Künstlerin schreibt Gedichte über die Kunstwerke andererDas Werk
Das Werk sprechen lassen

Bad Driburg -

Nicole Drude aus Bad Driburg ist Künstlerin. Sie mal Aquarelle und ist über Bad Driburg hinaus keine Unbekannte. Mittlerweile schreibt sie auch Gedichte über die Werke anderer Künstler

Donnerstag, 12.11.2020, 06:00 Uhr
An ihrem Lieblingsplatz. am Sekretär, verfasst Nicole Drude gerne ihre Texte. Hier werden auch die Künstler-Gedichte überarbeitet.
An ihrem Lieblingsplatz. am Sekretär, verfasst Nicole Drude gerne ihre Texte. Hier werden auch die Künstler-Gedichte überarbeitet. Foto: Ralf Brakemeier

Beinahe regungslos sitzt sie da, den Blick konsequent nach vorne gerichtet. Ganz unvermittelt greift sie dann zu Stift und Blatt und bringt erste Zeilen auf das Papier. Nicole Drude ist Künstlerin, vor allem durch ihre Aquarellmalerei ist sie weit über die Grenzen ihrer Heimatstadt Bad Driburg hinaus bekannt. Bildende Kunst fasziniert die 48-Jährige schon seit ihrer Kindheit. Heute sitzt sie gerne in Museen oder Galerien und lässt sich von den dort gezeigten Werken zu lyrischen Zeilen inspirieren. „Art vor Ort“ nennt sie dieses Projekt.

Ob im Marta in Herford oder im Jacob Pins-Forum in Höxter – Nicole Drude ist überall da, wo Kunst gezeigt wird. Dabei macht sie keinen Unterschied zwischen regionalen Künstlern und solchen mit nationalem oder gar internationalem Renommee. Den Schritt von der Kunstfreundin zur Künstlerin hat Drude denn auch auf Anregung des bekannten Künstlers Jonathan Meese getan. „Dabei hat weniger das Werk von Meese, als vielmehr seine Art, seine Energie, seine Entschlossenheit den Ausschlag gegeben“, verrät die Bad Driburgerin. Erst durch ihn habe sie ihre Liebe zur modernen Kunst entdeckt, sein Credo „Man muss es machen“ hat ihr die Motivation zu ersten eigenen Werken gegeben.

Drude besucht Ausstellungen und Verkaufsgalerien

Fast folgerichtig gehört auch Meese zu den etwa 40 Künstlerinnen und Künstlern, über deren Werk Drude ihre fragmentarischen Gedichte verfasst hat. Dabei geht Nicole Drude meist gleich vor: Ohne Wissen des Künstlers besucht sie eine Ausstellung, eine Vernissage oder eine Verkaufsgalerie und lässt die Bilder, Skulpturen oder Installationen auf sich wirken. Ausdrücklich verzichtet sie dabei darauf, sich explizit über den betreffenden Künstler zu informieren. Ihre Lyrik bezieht sich auf das Werk, nicht auf die Person. Anschließend lässt Drude die fertigen Zeilen den Künstlern zukommen. So seien bereits einige gute Kontakte entstanden. Die Steinheimer Künstlerin Petra Fleckenstein-Pfeifer, mit der sie kürzlich Werke zur Deutschen Einheit ausgestellt hat (das WB berichtete), hat Drude nach Erhalt des Gedichtes zur nächsten Vernissage eingeladen, wo die Bad Driburgerin dann ihre Lyrik zum Werk vorgetragen hat.

Mit ihren Gedichten will Nicole Drude über die Kunst reflektieren und die Künstler gleichzeitig in deren Schaffen motivieren. „Die Reaktionen sind eigentlich durchweg positiv“, freut sich die Bad Driburgerin. Auch zu Jonathan Meese hat sie so Kontakt bekommen. Kennengelernt hatte Drude den umstrittenen Künstler, der immer wieder mit provokanten Auftritten von sich reden macht, bei dessen Ausstellung in Willebadessen, als er das dortige Kloster in „Schloss Moosham“ verwandelte. Meese stand damals, 2002, noch am Beginn seiner steilen Karriere, die besondere Ausstrahlung und unerschrockene Selbstsicherheit umgaben ihn allerdings bereits. Auch wenn Nicole Drude erst Jahre später den Schritt vom Wort zur bildenden Kunst wagte – mit Texten beschäftigt sich die Künstlerin schon seit ihrer Kindheit (Tagebuch) bis in das junge Erwachsenenleben (Studium der Journalistik und Politikwissenschaften unter anderem in Hamburg), – nennt sie diese Ausstellung dennoch den Anstoß, selbst zu Pinsel und Farbe zu greifen. Nun also der Schritt zurück von der Malerin zur Rezipientin, auch wenn Nicole Drude ihrer Farbkunst natürlich weiter nachgeht.

Kunstformen Malen und Schreiben

Inzwischen haben sich die Kunstformen Schreiben und Malen bei Nicole Drude ineinander verwoben. „Ich schreibe Tagebuch schon seit ich zwölf bin. Aus diesen Tagebüchern stammen auch die meisten Anregungen und Titel zu meinen Bildern“, erklärt sie. Umgekehrt lässt sie die fremden Kunstwerke zu sich sprechen. Die Worte stellten sich nach einigen Minuten ganz automatisch ein. Bisher sei ihr noch zu jedem Kunstwerk etwas eingefallen. Ihr Ziel sei es, die Essenz des Werkes sichtbar zu machen, so Drude. Ihre Gedichte finden sich in den Sozialen Medien und haben auch schon den Sprung in verschiedene Print-Publikationen geschafft. Inspiration zum Malen und zum Schreiben findet die Künstlerin auch immer wieder bei Spaziergängen durch den Gräflichen Park in ihrer Heimatstadt. Nicole Drude: „Wenn die Künstler sich durch meine Zeilen wahrgenommen und geehrt fühlen – das ist für mich die größte Freude.“

 

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