Verantwortliche im Kreis Höxter ziehen positive Bilanz – Start im Corona-Impfzentrum in Brakel am 1. Februar – Ärger in Holzminden
Bislang etwa 3000 Menschen geimpft

Kreis Höxter -

Im Landkreis Holzminden gibt es massiven Ärger, weil die Region zunächst keinen weiteren Corona-Impfstoff für die erste Dosis bekommen soll – der ländliche Raum werde benachteiligt, so Landrat Michael Schünemann. Auf NRW-Weserseite hingegen seien die bisherigen Impfziele umgesetzt worden.

Freitag, 15.01.2021, 06:21 Uhr aktualisiert: 15.01.2021, 07:24 Uhr
Die erste Corona-Impfung im Kreis, in einem Altenheim in Bad Driburg, fand kurz nach Weihnachten statt.
Die erste Corona-Impfung im Kreis, in einem Altenheim in Bad Driburg, fand kurz nach Weihnachten statt. Foto: Harald Iding

Außerdem soll das Impfzentrum in Brakel am 1. Februar um 14 Uhr öffnen. Das WB hat bei der Kassenärztlichen Vereinigung und beim Kreis Höxter nachgefragt.

„Nach drei Wochen stehen wir super da“, sagt Dr. Jens Grothues, Leiter des neuen Impfzentrums. Es habe insgesamt etwa 3000 Impfungen in Pflegeheimen im Kreisgebiet Höxter gegeben. „Auf die Zukunft haben wir natürlich selbst keinen Einfluss, aber die begrenzte Anzahl der uns zur Verfügung gestellten Dosen wird deutlich steigen – auch, wenn wir klein anfangen müssen“, betont er, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Nach drei Wochen stehen wir super da.

Dr. Jens Grothues, Leiter des Impfzentrums in Brakel

Matthias Kämpfer, Leiter des Krisenstabs, betont derweil: „Im Kreis Höxter sind bislang alle angeforderten Impfdosen zeitgerecht geliefert und auch verimpft worden. Die Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen läuft sehr gut.“ Die kassenärztliche Vereinigung habe mit einem durchdachten und transparenten Meldewesen einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen des Impfstarts geleistet. Das Land Nordrhein-Westfalen habe die Bereitstellung und den Transport des Impfstoffs an alle bisher berücksichtigten Pflegeheime pünktlich sichergestellt.

Matthias Kämpfer, Leiter des Krisenstabs (Archivbild).

Matthias Kämpfer, Leiter des Krisenstabs (Archivbild). Foto: Frank Spiegel

Bis auf zwei Einrichtungen sei die erste Impfung bereits in sämtlichen Pflegeheimen im Kreis Höxter vorgenommen worden. Während das HPZ in Warburg am kommenden Montag an der Reihe sei, habe man im Hesena-Seniorenheim in Borgentreich aus medizinischen Gründen bislang auf Impfungen verzichtet: „Dort sind seit dem 30. Dezember mehrere Infektionen erkannt worden – und es gibt noch keine Studien bezüglich einer Impfung in einer aufkommenden Welle. Hier muss man bedenken, dass die Impfung langsamer ist als die Erkrankung an sich“, erklärt Grothues.

Der Beverunger Mediziner erläutert zudem, dass am Montag die Belieferung der Krankenhäuser beginne. Mit einer strikten Priorisierung: „Auch in diesem Bereich werden zunächst lediglich besonders gefährdete Gruppen geimpft. Die Krankenhäuser müssen diese Personen konkret anmelden.“ Die Frage, ob man in der jüngsten Vergangenheit bei einer höheren Verfügbarkeit bereits mehr Personen hätte impfen können, beantwortet Grothues mit „ja“. Aber: „Das ist rein hypothetisch. Wir können zufrieden mit dem bislang Erreichten im Kreis Höxter sein.“

Nach WB-Informationen hat die niedersächsische Landesregierung ein Problem, an die Adressen der über 80-Jährigen mit Priorität eins zu gelangen, und muss nun mit einem Paketdienstleister zusammenarbeiten – anders laufe das im Kreis Höxter. „Das funktioniert bei uns über die Einwohnermeldeämter bestens“, so Grothues. Im Kreis Höxter würden bald etwa 10.000 Briefe bezüglich der ersten Impfung verschickt. Terminvereinbarungen wiederum seien dann ab dem 25. Januar per Telefon oder „bestmöglich über das Internet“ möglich. Wie man zu einem Termin kommt, will der Kreis Ende der nächsten Woche mitteilen. Nach Öffnung des Impfzentrums in Brakel soll es nach derzeitigen Planungen einen Tag für Pflegedienste geben. Geöffnet sei an allen Tagen von 14 bis 19 Uhr.

Notstand beim Nachbarn

Weil Niedersachsen insgesamt offenbar weniger Impfdosen hat als vergleichbare Bundesländer, droht jetzt der Landkreis Holzminden sogar zum Schlusslicht bei der Versorgung mit Impfstoff zu werden. Bei der Verteilung des Impfstoffs richtet sich Niedersachsen nach einem Verteilerschlüssel nach Einwohnerzahl – Hannover wird nach Angaben des Landkreises Holzminden alle zwei Tage mit neuem Impfstoff versorgt, Holzminden nur alle 25. „Das Vorgehen widerspricht der geplanten Impfstrategie und zeigt erneut, dass der ländliche Raum und dünn besiedelte Landkreise keine Berücksichtigung finden“, sagt Landrat Michael Schünemann.

Der grüne Landtagsabgeordnete Christian Meyer hat diese Kritik zum Anlass genommen, beim Sozialministerium gegen diese Benachteiligung des Ländlichen Raumes zu protestieren. „Es kann doch nicht sein, dass wir in Holzminden trotz hoher Corona-Zahlen als Letzte beim Impfen dran sind. Es muss eine Gleichbehandlung nach den Prioritäten geben – also zunächst die über 80-Jährigen und besondere Risikogruppen freiwillig zu impfen“, fordert der frühere Umweltminister. Meyer weiter: „Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Landesregierung ein Problem hat, an die Adressen der über 80-Jährigen aus Priorität eins zu kommen, um sie anzuschreiben. Dazu soll ein privater Paketdienstleister genutzt werden, der jedoch unvollständige und möglicherweise veraltete Daten hat. So werden viele Betroffene der Kategorie eins möglicherweise gar nicht informiert.“ Er fordert deshalb, die Adressen der kommunalen Meldeämter zu nutzen. Dafür sei aber eine Gleichbehandlung bei der Verteilung der Impfdosen nach sachlichen Kriterien eine Voraussetzung.

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