Via Nova Kunstfest Corvey beschäftigt sich mit „Odysseen“
Die Erde ist ein Sänger

Höxter -

Das Kunstfest Via Nova in Corvey findet an drei Wochenenden vom 27. August bis 26. September statt. Für die Ernennung zum Unesco-Welterbe haben auch die einzigartigen Wandmalereien im karolingischen Westwerk des ehemaligen Benediktinerklosters entscheidend beigetragen. Eines der Motive zitiert eine Szenerie aus Homers Odyssee: Odysseus im Kampf mit der Skylla. Was macht der antike Odysseus in einer christlichen Kirche, und wie kommt die Odyssee an den Weserstrand?

Donnerstag, 08.04.2021, 06:00 Uhr
Der Schauspieler Edgar Selge tritt im Spätsommer beim Kunstfest Via Nova in Corvey auf.
Der Schauspieler Edgar Selge tritt im Spätsommer beim Kunstfest Via Nova in Corvey auf. Foto: Christian Charisius

Dieser Frage werden beim Kunstfest unter anderen die Schauspieler Edgar Selge, Boris Aljinovic, Corinna Harfouch, Jens Harzer, Musiker, unter ihnen Carolin Widmann, Akademie für Alte Musik Berlin, Mitglieder der Berliner Philharmoniker, Autoren wie Navid Kermani, Ulrike Draesner, Christoph Ransmayr und die Wissenschaftler Harald Leppin, Jonas Grethlein und Konrad Paul Liessmann nachgehen. Es gibt eine Aufführung der Odyssee für Kinder und ihre Familien, einen Schnupperkursus Altgriechisch für Jugendliche, ein Kammerballett mit Mitgliedern des Royal Danish Ballet Kopenhagen als Uraufführung und einen Theaterabend „Odyssee over Europe“ des griechischen Regisseurs Karazisis Akillas, ebenfalls eine Arbeit speziell für das Kunstfest.

„Der Mythos Odyssee, der auf Unsicherheit, Gefahren, aber auch auf den zielgerichteten Weg in eine ferne, gewandelte Zukunft gegründet ist, bestimmt das Bildprogramm im Johannischor von Corvey. ‚Die Erde ist ein Sänger. Odysseen‘ ist eine Paraphrase (Umschreibung mit anderen Worten) des klassischen Textes – sie ermöglicht, elementaren gegenwärtigen Erfahrungen künstlerisch Ausdruck zu verleihen“, umschreibt die künstlerische Leiterin Brigitte Labs-Ehlert das Programm.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungsfolge (27. bis 29. August, 10. bis 12. September und 24. bis 26. September) mit literarischen Recherchen und Auftragsarbeiten, in inszenierten Lesungen, Musik-, Theater- und Ballettaufführungen sowie in Vorträgen stehen drei Aspekte:

Wer verstehen will, muss entdecken: So wie Odysseus wissbegierig die Meere bereist.

Den Weg nicht vergessen, die Form des Schicksals: So wie Odysseus nicht vergessen darf, er darf das Gedächtnis nicht verlieren.

Vergangenheit und Zukunft erzählen: Erinnerung zählt nur, wenn sie die Spur der Vergangenheit und den Plan der Zukunft zusammenhält – so wie in der transformierten Odysseus-Darstellung im Westwerk, so wie Odysseus bei Homer verändert in Ithaka ankommt.

Die Schriftsteller Navid Kermani, Esther Kinsky, Aris Fioretos wurden eingeladen, einen neuen Text zu einem der Aspekte zu schreiben. „Die Erde ist ein Sänger. Odysseen“ vereint verschiedene Künste und künstlerische Ausdrucksformen. Internationale Positionen aus Europa kommen zu Wort, ebenso außereuropäische Perspektiven. Die europäischen Stimmen kommen aus Griechenland, Italien, Österreich, Dänemark, Schweden und der Schweiz.

Außereuropäische Perspektiven zeigen die Zugvogelmusiker aus vielen Ländern auf, in der Lesung aus dem Werk des Nobelpreisträgers Derek Walcott (Karibik) wird eine schwarze Odyssee erzählt. Mit Michael Köhlmeier und Christoph Ransmayr sind zwei Stimmen zu hören, die über Herkunft und Aufbruch schreiben. Aneignungen und Verwandlungen des Odyssee-Stoffes sind in den Lesungen von Ilma Rakusa, Barbara Köhler, Stefano d’Arrigo zu hören. Ein literarisch-musikalischer Abend ist Erzählungen vom Warten gewidmet.

Vielstimmig sind die musikalischen Darbietungen, die von einer Laterna Magica-Performance, klassischer Neuer Musik, Renaissance- und Barockmusik über Jazz zu folkloristischer Avantgarde reichen.

Lesungen aus den homerischen Gesängen werden mit Literatur der Gegenwart verbunden, mit Theater, das von Verlusten und dem Verloren-Sein spricht, mit Oper und Figurenspiel der Taschenoper Lübeck für Familien. In den Vorträgen, Gesprächen und Führungen im Westwerk akzentuieren Wissenschaftler den Kulturtransfer von der Antike ins Christentum, beleuchten den vielgewandten Odysseus und betrachten Homers Erzählkunst.

Die Ausstellung „Seefarer“ von Ute Langanky widmet sich dem Meer als Urgewalt, als Ort unserer Herkunft und stellt eines der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts aus: Homers Odyssee der Cranach-Presse.

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