Fr., 07.12.2018

Zu Gast in der Weihnachtsbäckerei von André und Peggy Knipping Spekulatius ist Chef-Sache

Spekulatius macht André Knipping höchst persönlich. Die Holzformen dafür stammen aus den 1920er Jahren.

Spekulatius macht André Knipping höchst persönlich. Die Holzformen dafür stammen aus den 1920er Jahren. Foto: Alexandra Rüther

Von Alexandra Rüther

Beverungen-Amelunxen (WB). Die kleine Bäckerei in der Amalungstraße mitten in Amelunxen könnte auch einer historischen Filmkulisse entsprungen sein. »Ja, wir sind so richtig altmodisch – und stolz darauf«, sagen André und Peggy Knipping.

Ihre Bäckerei dürfte zu den kleinsten und ältesten im Kreis Höxter zählen. »Nachweislich gibt es uns seit 1892, aber wahrscheinlich wurde auch schon auf dem Hof meines Urgroßvaters gebacken«, erzählt André Knipping, der die Bäckerei seit 2007 in fünfter Generation führt.

Es ist zwölf Uhr mittags, als wir ihn in seiner Backstube besuchen. Er macht Spekulatius – nach einem alten Familienrezept, das aus den 1920er Jahren stammen muss, ebenso wie die Holzformen, in die er den Teig füllt. »Für mich stand es nie zur Debatte, einen anderen Beruf zu wählen«, sagt Knipping, der noch vier Geschwister hat. »Irgendwie war immer klar, dass ich derjenige bin, der den Betrieb übernimmt.« Seine Frau ist quasi nach und nach hinein gewachsen. Als ihre Schwiegereltern krank wurden, stand für sie fest: »Ich bleibe hier, denn so ein kleines Geschäft funktioniert nur als Familienbetrieb.«

Weil es ihr die 50er Jahre so angetan haben, passt sie perfekt ins Ambiente. Ihr Stil, ihre Kleider, die Ladeneinrichtung, die Backstube und die Qualität – dieses Gesamtpaket ist längst Markenzeichen geworden. »Wir verwenden keine Hilfsstoffe, die nicht natürlicher Art sind«, sagt André Knipping. Sauerteig, Weizen-Vorteig und viel Zeit braucht es schon. Vermehrt zum Einsatz kommen in letzter Zeit Roggen und Dinkel – vor allem bei Brot. Um Mitternacht beginnt der Dienst in der Backstube, um 6 Uhr kommen die ersten Kunden. Teilweise haben sie vorbestellt und kommen aus Holzminden, Paderborn oder Kassel. Sie sind über Facebook auf die Bäckerei aufmerksam geworden, viel läuft aber auch über Mund-zu-Mund-Propaganda. »Und deshalb können wir auch überleben.« Die Dorfgemeinschaft alleine reiche nicht mehr. »Uns findet man ja nicht einfach so. Wer zu uns kommt, der möchte auch zu uns«, sagt Peggy Knipping. »Dafür haben wir natürlich auch sehr treue und ganz tolle Kunden.« Zu denen gehört auch das neue Restaurant im Gasthof Kirchhoff. »Für einen Burger backen wir ein spezielles Vollkornbrötchen.« Das Rezept stammt – ebenso wie das für sein Spekulatius – aus seiner »Bibel«, eine unscheinbare rote Kladde, alt und abgegriffen, aber »Gold wert«.

Mittlerweile ist es halb eins, nach über zwölf Stunden eigentlich Feierabend, aber eine Lage Spekulatius muss noch in den Ofen. »Wir leben quasi 24 Stunden für die Bäckerei«, sagt Peggy Knipping. In der Vorweihnachtszeit wird auch sonntags gebacken. 22 Sorten Kekse sind im Programm. Trotzdem sind die beiden bester Stimmung. Geschlafen wird ein paar Stunden, wenn mal Zeit ist. »Es geht nur mit guter Laune«, sagt André Knipping. »Wir sind große Musical-Fans und manchmal tanzen wir sogar in der Backstube«. – Das wäre dann wiederum perfekt für die Filmkulisse...

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