Fr., 15.02.2019

Rembert Stiewe ersteigert die Glitterhouse-Villa in Beverungen für 112.000 Euro Das »OBS« ist gerettet

Der Glitterhouse-Garten (hier ein Foto von 2017) ist das Zuhause des OBS. Jedes Jahr über Pfingsten lockt das Musikfestival Fans aus ganz Deutschland und darüber hinaus an. Die Zukunft des Festivals ist seit gestern gesichert.

Der Glitterhouse-Garten (hier ein Foto von 2017) ist das Zuhause des OBS. Jedes Jahr über Pfingsten lockt das Musikfestival Fans aus ganz Deutschland und darüber hinaus an. Die Zukunft des Festivals ist seit gestern gesichert. Foto: Timo Gemmeke

Von Alexandra Rüther

Beverungen (WB). Die Zukunft des OBS, des Orange Blossom Special Festival in Beverungen, hat sich gestern morgen vor dem Amtsgericht Höxter entschieden. In der Zwangsversteigerung der Glitterhouse-Villa samt Grundstück, das die Heimat des OBS bildet, ging der Zuschlag an dessen Veranstalter und Glitterhouse-Urgestein Rembert Stiewe.

Aufgrund der Insolvenz des bisherigen Hausbesitzers hatte der Hauptgläubiger, die Nord LB, den Antrag auf Zwangsversteigerung gestellt. Ein Gutachter hatte den Verkehrswert des unbebauten Grundstücks auf 9000 Euro festgesetzt und den des bebauten Grundstücks auf 55.000 Euro, macht insgesamt 64.000 Euro. Die Beschreibung: »Laut Wertgutachten handelt es sich um ein zweigeschossiges Wohngebäude, Baujahr um 1920, auf einem gewerblich genutzten Grundstück nebst einem weiteren, unbebauten Grundstück in rückwärtiger Lage. Es liegt ein mäßiger Unterhaltungszustand vor, wobei insgesamt ein deutlicher Reparatur- und Renovierungsbedarf besteht.«

Rembert Stiewe weiß das natürlich. Er arbeitet seit 25 Jahren in dem Haus, in dem das Plattenlabel Glitterhouse Mieter ist, und kennt »jedes leckende Rohr«. Aber für ihn geht es gestern morgen ja auch nicht darum, ein Schnäppchen zu schlagen. Er will das OBS retten.

Mindestgebot: 32.000 Euro

Es ist nicht davon auszugehen, dass die anderen Bieter das wissen. Saal 2, es ist der kleinere im Höxteraner Amtsgericht, ist gut gefüllt, als Rechtspfleger Tuschen die 16 Anwesenden informiert und belehrt – auch über das Mindestgebot: Es liegt bei 32.000 Euro. Die werden auch geboten – von einem Herrn aus Helmarshausen, der aber kein weiteres Gebot abgibt. Dann tritt ein junger Mann namens Cizme aus Bad Karlshafen vor. Er bietet 50.000 Euro. Das erste Gebot von Rembert Stiewe liegt bei 64.000 Euro. Um kurz nach zehn betritt eine Dame aus Seeburg den Saal und bietet 80.000 Euro. Die Pausen zwischen den Geboten sind noch relativ lang, manche verlassen den Saal, beraten sich noch einmal vor der Tür.

Fünf Minuten vor Ende der Bietzeit wird es dann spannend. Cizme und Stiewe sind die einzigen verbliebenen Bieter und werfen sich gegenseitig die Bälle zu: 85.000 Cizme, 90.000 Stiewe. Dann wird die 100.000-Euro-Marke überschritten und ab 105.000 Euro geht es nur noch in tausender Schritten weiter. Das letzte Gebot von Cizme liegt bei 111.000 Euro. Dann steigt er aus. Und so erhält Rembert Stiewe bei 112.000 Euro den Zuschlag. Er ist neuer Besitzer der Glitterhouse-Villa.

»Plan A ist aufgegangen und das OBS langfristig gesichert«

Die Anspannung fällt sichtbar von ihm ab, er zittert. Auch Joern Heinecker, Glitterhouse-Geschäftsführer und extra aus Hamburg angereist, ist sehr erleichtert. »Uns war es natürlich sehr wichtig, dass hier kein Spekulant zum Zuge kam, der sonst was mit dem Grundstück angestellt hätte. Letztendlich ist es gut gelaufen«, sagt Heinecker. »Plan A ist aufgegangen und das OBS langfristig gesichert«, kann jetzt auch der frisch gebackene Hausbesitzer wieder sprechen. Das Haus ist jetzt lastenfrei und auch mit Tobias Autenbrink, Besitzer der beim Festival eingebundenen Schotterfläche, ist ein langfristiger Pachtvertrag geschlossen worden.

Hat man eigentlich darüber nachgedacht, im Vorfeld der Zwangsversteigerung offensiver mit der Sache umzugehen? Die OBS-Fans eventuell mit ins Boot zu holen? »Ja, wir haben darüber nachgedacht«, sagt Rembert Stiewe, »Demonstrationen, Bundestagsabgeordnete, die sagen, wie wichtig das Festival für die Region ist – ja, die Gedanken waren da«, sagt Stiewe. »Aber es hätte eben auch nach hinten losgehen können und letztendlich ist das ja der Frau aus Seeberg oder anderen egal.«

Aber diese Gedanken muss er sich ja nicht mehr machen. Er kann sich jetzt auf das 23. OBS freuen und auf den Moment am Freitag, 7. Juni, wenn er auf der Bühne im Glitterhouse-Garten steht und die berühmten Worte sagt: »Welt aus, OBS an!«

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