Sa., 18.05.2019

Nur die Vielfalt kann den Beverunger Stadtwald widerstandsfähig machen »Mischen, mischen, mischen!«

Zwischen Beverungen und Drenke, kurz vor der Elisenhöhe, hat »Friederike« zugeschlagen.

Zwischen Beverungen und Drenke, kurz vor der Elisenhöhe, hat »Friederike« zugeschlagen. Foto: Alexandra Rüther

Von Alexandra Rüther

Beverungen (WB). Die Auswirkungen des trockenen Sommers 2018 auf den Beverunger Stadtwald sind enorm – auch finanziell. So hat der Rat für die Forstwirtschaft jetzt 93.000 Euro überplanmäßig bereitgestellt. Außerdem werden dem Haushalt 735.000 Euro entnommen, um eine Instandhaltungsrückstellung für die Wiederaufforstung zu bilden.

Warum die Probleme nach dem Sturm Friederike im Januar 2018 sehr viel größer waren und noch sind als nach dem stärkeren Kyrill (auf den Tag genau elf Jahre zuvor), erklärten Stadtförster Mathias Wolff und Forstamtsleiter Roland Schockemöhle am Donnerstagabend in der Sitzung. »Das große Problem nach Friederike war die Dürre«, so Wolff. »Nach Kyrill kam der Regen und der Käfer hatte keine Chance«, sagte Wolff und hatte folgende Zahlen parat: Die durchschnittliche Niederschlagsmenge seit den 1960er Jahren betrage 780 Millimeter pro Jahr. In 2018 waren es nur 490 Millimeter. Davon fiel fast die Hälfte innerhalb von zwei Monaten, so dass in zehn Monaten lediglich 250 Millimeter Niederschlag verzeichnet wurden. »Ein Katastrophenjahr«, so der Förster.

In Beverungen müssen 70 Hektar aufgeforstet werden

Käferholz gebe es immer nach großen Sturmereignissen. »Derzeit erleben wir allerdings die stärkste Borkenkäfervermehrung seit 1947«, sagte Roland Schockemöhle. Mit 430.000 Kubikmeter befallener Fläche sei OWL ein Schadenschwerpunkt. In Beverungen müssen 70 Hektar aufgeforstet werden. Besonders betroffen sind die Flächen Lederseck, Selsberg und Brakeler Weg. »Hier mangelt es nicht an Nährstoffen, aber an Wasser.« Die Böden seien flachgründig und trocken. »Hier ist die Fichte absolut ungeeignet«, so Schockemöhle. Wenn Fichten genug Wasser haben, bilden sie Harz. Und der schützt vor dem Käfer. Die Fichten, die jetzt rot sind, sind tot. 41.000 Festmeter wurden bis jetzt eingeschlagen, der übliche jährliche Einschlag liege bei 6000 Festmeter im Schnitt.

Die Buche ist nach wie vor geeignet

Ziel der Wiederaufforstung: Der Wald müsse klimastabil werden, die Bäume standortgerecht ausgesucht und Laub- und Nadelholz ausgewogen gemischt werden. »Die Buche ist nach wie vor geeignet. Die Traubeneiche ist hervorragend geeignet. Auch die Douglasie empfehlen wir, sie ist klimaresistenter als die Fichte«, erklärte Schockemöhle.

Die Brachflächen könnten jetzt natürlich nicht alle auf einmal wieder bepflanzt werden. Zum einen wären die Investitionen viel zu hoch, zum anderen auch das Risiko. »Wir haben ja jetzt schon viele Jungpflanzen auf den Flächen. Sollte es dieses Jahr noch mal so trocken sein, haben die ein Problem.« Und zum dritten gebe es momentan überhaupt kein Pflanzmaterial. Fest steht: Auf den betroffenen Flächen wird es in den nächsten 20, 30 Jahren keine Einnahmen geben.

Käfer geht auch an Lärchen

»Das ist der Klimawandel, den wir hier spüren. Und wir sind noch nicht am Ende«, machte der Forstamtsleiter deutlich. Eine Borkenkäfer-Population falle ja nicht einfach wieder in sich zusammen. Es sei auch nicht gesagt, dass andere Nadelbäume vor ihm gefeit sind. »Der Käfer geht auch an Lärchen und es ist nicht auszuschließen, dass er auch Douglasien befällt.« Wie bei einem guten Aktien-Depot könne die Devise nur lauten: »Mischen, mischen, mischen.«

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