Mi., 17.07.2019

Alte Beverunger Weserbrücke ist am Mittwoch abgerissen worden Wenn Brückenbögen fliegen

Der zweite Brückenbogen hängt am Kran und wird auf den Weserwiesen abgelegt. Dort wird er zum Transport zerlegt.

Der zweite Brückenbogen hängt am Kran und wird auf den Weserwiesen abgelegt. Dort wird er zum Transport zerlegt. Foto: Sylvia Rasche

Von Sylvia Rasche

Beverungen (WB). Fast 70 Jahre stand sie an ihrem Platz. Seit Mittwoch ist die alte Weserbrücke zwischen Beverungen und Lauenförde Geschichte. Mehrere dutzend Schaulustige verfolgten am Morgen interessiert die Arbeiten.

»Alleine die Kräne sind beeindruckend. Es ist gewaltig, was hier passiert«, sagt Udo Scheibner. Der technikinteressierte Lauenförder kommt häufig zur Brücke, um den Fortschritt der Bauarbeiten zu beobachten. »Heute würde es sich sogar lohnen, Eintritt zu nehmen«, lacht der Niedersachse.

Schaulustige verfolgen Abrissarbeiten

»Das sind in der Tat spektakuläre Arbeiten«, bestätigt Diplom-Ingenieur Wilhelm Schoppmeier vom Landesbetrieb Straßen NRW. »Man trägt nicht jeden Tag einen Langerschen Balken ab«, fügt er hinzu. Dieser sei eine Konstruktion, die seit dem 19. Jahrhundert patentiert ist. Am Vormittag werden die beiden charakteristischen Brückenbögen beseitigt. Zuerst ist der Teil auf Lauenförder Seite an der Reihe.

35 Tonnen schwerer Bogen

Gegen 11 Uhr schwebt der gut 35 Tonnen schwere Bogen von der Brücke auf die Straße, wo er in Einzelteile zerlegt und später abtransportiert werden wird. Der zweite Bogen auf Beverunger Seite wird neben der Brücke auf einem abgezäunten Stück der Weserwiesen abgelegt. Die Lasten können die Kräne übrigens problemlos bewältigen. Vier Geräte sind im Einsatz. »Einer der Kräne kann bis zu 500 Tonnen tragen, der größte sogar bis zu 750 Tonnen«, erklärt Gerd Kade, Bauüberwacher der Firma SSF-Ingenieure.

Staunender Radfahrer

Staunend verfolgt auch Radfahrer Burkhard bei der Hake, der eine Trainingsfahrt an der Weser absolviert, das Geschehen. »Ich bin zufällig hier vorbeigekommen. So was habe ich noch nie gesehene«, freut er sich über die Abwechslung und legt einen ungeplanten Stopp ein. Einen kleinen Spaziergang haben auch die Kinder der Regenbogengruppe der Kita »Die Brücke« unternommen und beobachten die fliegenden Brückenbögen gespannt.

Brücke trägt keine Lasten mehr

Inzwischen hat sich die Brücke von außen kaum sichtbar abgesenkt. »Sie würde jetzt keine Lasten mehr tragen«, erklärt Wilhelm Schoppmeier und zeigt ein Teilstück eines der Brückenstäbe, die in der 1950 eröffneten Brücke verbaut waren und nun entfernt worden sind. »Wenn nur ein einziger dieser Stäbe nicht mehr an seinem Platz ist, ist die Brücke nicht mehr stabil.«

Straßenbelag schon abgetragen

Der Straßenbelag ist schon seit einigen Tagen abgetragen . Es stehen nur noch die Balken des Flussfeldes, durch deren Zwischenräume der Blick auf die Weser frei wird – und auch die sollen bis zum späten Abend verschwunden sein. »Wir arbeiten in drei Etappen. Zuerst entfernen wir das Mittelstück, dann kommt der Lauenförder und als letztes der Beverunger Teil«, erklärt Gerd Kade.

Weser unter der Brücke gesperrt

Während all dieser Arbeiten war die Weser unter der Brücke übrigens gesperrt. »Es wäre viel zu gefährlich, hier Kanuten fahren zu lassen«, sagt Kade. Die DLRG-Ortsgruppe Brakel war vor Ort und machte die Wasserwanderer darauf aufmerksam. »Die haben alle sehr verständnisvoll reagiert und ihre Boote umgetragen«, berichtet Vorsitzender Horst Starke. Ein Paddler, der alleine unterwegs war, habe einen faltbaren Anhänger im Boot gehabt und sein Sportgerät damit die doch mehrere hundert Meter lange Strecke an Land transportiert, um hinter der Brücke die Fahrt nach Bad Karlshafen fortzusetzen.

Neue Brücke höher

Die gleich nebenan gebaute neue Brücke ist übrigens höher konstruiert als die bisherige und wird nach Fertigstellung der neuen Unterbauten quer verschoben , berichtet Wilhelm Schoppmeier. Wenn kein strenger Winter oder Hochwasser die Arbeiten stoppe, sei Ende Februar/Anfang März damit zu rechnen.

Das wird dann sicher wieder ein Termin mit vielen Schaulustigen.

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