Fr., 29.11.2019

Bund finanziert hauptamtlichen Koordinator mit 360.000 Euro Unterstützung fürs Ehrenamt

Bundesministerin Julia Klöckner überreichte Landrat Friedhelm Spieker im Beisein des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Landkreistages, Professor Dr. Hans-Günter Henneke (links), und des heimischen Bundestagsabgeordneten Christian Haase (rechts) den Förderbescheid in Höhe von 360.000 Euro für die Umsetzung des Modellprojekts »Hauptamt stärkt Ehrenamt« im Kreis Höxter.

Bundesministerin Julia Klöckner überreichte Landrat Friedhelm Spieker im Beisein des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Landkreistages, Professor Dr. Hans-Günter Henneke (links), und des heimischen Bundestagsabgeordneten Christian Haase (rechts) den Förderbescheid in Höhe von 360.000 Euro für die Umsetzung des Modellprojekts »Hauptamt stärkt Ehrenamt« im Kreis Höxter.

Von Marius Thöne

Höxter (WB). 27.000 Ehrenamtliche engagieren sich im Kreis Höxter in 1400 Vereinen. Sie sollen künftig besser unterstützt werden. Dazu wird Anfang 2020 beim Kreis eine Geschäftsstelle für das Ehrenamt eingerichtet. Der Bund fördert das Vorhaben mit 360.000 Euro.

Der Kreis Höxter ist einer von 18 ausgewählten Landkreisen, die an dem bundesweiten Modellprojekt »Hauptamt stärkt Ehrenamt« teilnehmen. Beim Startschuss in Berlin überreichte die Bundesministerin für die ländlichen Räume, Julia Klöckner, Landrat Friedhelm Spieker am Mittwoch den Förderbescheid. »Darin sehe ich eine außerordentliche Wertschätzung des Ehrenamtes im ländlichen Raum«, sagte Spieker.

Das gemeinsame Vorhaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des Deutschen Landkreistages hat das Ziel, zu erproben, wie auf Kreisebene erfolgsversprechende und nachhaltige Strukturen zur Stärkung und Begleitung des Ehrenamts aufgebaut sowie verbessert werden können. Etwa, indem den Verantwortlichen in Vereinen hauptamtliche Strukturen zur Seite gestellt werden, wenn es um die Bewältigung von Rechts- und Finanzfragen geht.

»Wirksames Konjunkturprogramm«

»Damit wollen wir es Bürgerinnen und Bürgern noch einfacher und attraktiver machen, für andere aktiv zu werden«, sagte Ministerin Klöckner. In der Stärkung des Ehrenamts sieht sie ein »wirksames Konjunkturprogramm zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse«.

Landrat Friedhelm Spieker hob das ausgeprägte bürgerschaftliche Engagement im Kreis Höxter hervor. »Mehr als 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bei uns im Kulturland setzen sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen ein«, sagte Spieker. Die Ehrenamtlichen bereicherten auf vielfältige Weise das kulturelle, sportliche und soziale Leben zwischen Warburg und Steinheim.

Hauptamtlicher Koordinator und eine Verwaltungskraft

Geplant ist, dass in der Geschäftsstelle Ehrenamt ein hauptamtlicher Koordinator und eine Verwaltungskraft arbeiten. Die Stellen sind noch nicht besetzt, aber ausgeschrieben. Über eine Projektlaufzeit von drei Jahren wird der Koordinator für die Ehrenamtlichen im gesamten Kreisgebiet ständiger Ansprechpartner sein und eine beratende Funktion übernehmen. Eine weitere Aufgabe wird es sein, analoge und digitale Strukturen aufzubauen und Austauschmöglichkeiten zu schaffen, um die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Einstimmig hatte der Kreistag bereits Anfang Oktober beschlossen, dass der Kreis Höxter den Eigenanteil für das Modellprojekt in Höhe von insgesamt 40.000 Euro bereitstellen wird. »Damit stehen für den Aufbau unterstützender Strukturen für das Ehrenamt über die Projektlaufzeit von drei Jahren insgesamt 400.000 Euro zur Verfügung«, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung.

Stimmen der Ehrenamtlichen

Christoph Missing , Vorsitzender der Blaskapelle Lüchtringen, begrüßt die neue Stelle eines Ehrenamtskoordinators beim Kreis Höxter. »Wir können schon jemanden gebrauchen, der uns beratend zur Seite steht«, spielt Missing beispielsweise auf die umstrittene Datenschutzgrundverordnung an. »Da muss man sich als Verein schon sehr intensiv mit auseinandersetzen«, so Missing. Zwar gebe es auch Unterstützung vom Kreismusikerbund – aber auch dort seien ausschließlich Ehrenamtliche tätig.

Herbert Müller , Geschäftsführer des Bezirksverbandes Warburg im Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften, hatte den Ehrenamtskoordinator bereits 2018 gefordert. »Ein Lotse, der den Ehrenamtlichen beim Umgang mit Behörden hilft«, umreißt der Borgentreicher eine wünschenswerte Funktion. Darüber hinaus solle die neue Agentur Bildungsangebote für Vereinsvertreter schaffen, um diese für ihre Vorstandsämter zu befähigen und ihnen mögliche finanzielle Fördermöglichkeiten aufzuzeigen. In Zeiten, in denen sich immer weniger Menschen bereit erklären würden, unentgeltlich mit anzupacken, sei ein Ehrenamtskoordinator unerlässlich.

Heinz Hartmann aus Steinheim ist Vorsitzender des Kreissängerbundes Höxter-Warburg. »Wir stehen diesem Vorschlag sehr positiv gegenüber und freuen uns, dass es dafür Geld vom Bund gibt«, sagt Hartmann. Er werde häufig von Vereinen angesprochen, wenn es um bürokratische Dinge gehe. Auch Hartmann nennt als Beispiel die Datenschutzgrundverordnung. »Wenn wir in solchen Fällen Hilfe bekommen könnten, wäre das richtig gut.«

Christian Rohe , Vorsitzender des Sportvereins Dringenberg, weist darauf hin, dass beim Amtsantritt des Koordinators auch klar sein müsse, was er leisten kann und soll. »Man muss aufpassen, dass diese Stelle mehr ist als Augenwischerei und der gute Ansatz nicht ins Leere läuft«, sagt Rohe. Er möchte, dass der Koordinator eine enge Bindung zur Politik hat, um Ideen voranzutreiben.

Kommentar von Marius Thöne

Wer mit Ehrenamtlichen ins Gespräch kommt, die sich als Vereinsvorstände engagieren, merkt schnell, dass ein Ehrenamtskoordinator bitter nötig ist. Vereinzelt wächst ihnen der Bürokratiewust über den Kopf. Die Datenschutzgrundverordnung ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Woher kriege ich eine Umzugsgenehmigung? Und wer nimmt ein Festzelt ab? Auch das sind Fragen, mit denen sich der Ehrenamtskoordinator befassen muss. Sein Kommen wird sehnlichst erwartet.

 

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