Do., 19.12.2019

Vorstand Rudolf Jäger verlässt Höxter – Nachfolger soll im Juli seine Arbeit aufnehmen Abschied von der Volksbank nach 52 Jahren

Rudolf Jäger neben einem Kunstwerk des Paderborner Künstlers Wilfried Hagebölling in der Volksbank Höxter.

Rudolf Jäger neben einem Kunstwerk des Paderborner Künstlers Wilfried Hagebölling in der Volksbank Höxter. Foto: Marius Thöne

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Rudolf Jäger war Lehrling, Leiter einer Kreditabteilung, Assistent des Vorstandsvorsitzenden, Generalbevollmächtigter und schließlich Vorstandsmitglied der Verbund-Volksbank OWL. 52 Jahre Karriere bei „seiner Bank“ liegen hinter dem 68-Jährigen. Ende Dezember tritt der Vorstand für den Kreis Höxter in den Ruhestand.

In Jägers Büro in der ersten Etage der Volksbank-Hauptstelle am Möllinger Platz stehen erste Umzugskartons bereit. In ihnen werden in den kommenden Tagen private Erinnerungsstücke und Dokumente verschwinden, die von einem ungewöhnlich langen Berufsleben erzählen. Es dauerte 52 Jahre.

Erste Station seiner Ausbildung war die Filiale in Salzkotten

Als Rudolf Jäger 1967 seine Bankausbildung bei der damaligen Volksbank Paderborn begann, war die Zinsverordnung gerade abgeschafft worden. Das war eine Art Buchpreisbindung für Kredite und Anlagen und regelte genau, wie hoch die Soll- und Habenzinsen sein durften. „Der Wert dazwischen war die Marge der Bank“, sagt Jäger. Die erste Station seiner Ausbildung war die Filiale in Salzkotten. Zwischen beiden Orten liegen gerade mal sechs Kilometer, aber es gab keinen direkten Bus. Jäger, der damals noch keinen Führerschein hatte, musste also zunächst nach Paderborn und wurde von dort aus von einem Kollegen mitgenommen.

Nach seiner Ausbildung wurde Jäger stellvertretender Leiter der Wertpapier- und Auslandsabteilung. „Der Handel mit Aktien war damals noch ein relativ kleines Geschäft“, blickt er zurück. Anschließend baute er bei der gerade fusionierten Volksbank in Bad Lippspringe eine Kreditabteilung auf. Jägers erste Berufsjahre fielen in eine Zeit einer starken Expansion der Bank. „Die Vorstände waren bei Filialeröffnungen gefragt“, berichtet der Banker aus Leidenschaft, der nach der Lehre berufsbegleitend in Montabaur studierte und Bank-Betriebswirt wurde.

Erste Kontakte zu großen Kunden der Bank geknüpft

1981 zog Jäger erstmals in die Vorstandsetage der Paderborner Bank. Der damalige Vorsitzende Bernhard Niewels machte ihn zu seinem Assistenten. „Niewels war ein sehr väterlicher Mann, dem ich sicher viel zu verdanken habe“, blickt Jäger auf einen seiner Förderer zurück. In dieser Zeit knüpfte er auch erste Kontakte zu großen Kunden der Bank. Als die Bank nach Niewels’ Ausscheiden zu Beginn der 1990er Jahre umstrukturiert wurde, übernahm Jäger den Aufbau der Firmenkundenabteilung – und knüpfte auch Kontakte zu Geschäftskunden im Höxteraner Bereich. Zwar war die Bank damals in Höxter noch nicht ansässig, wohl aber in Brakel, Bad Driburg und Warburg.

2002 fusionierten die Volksbanken Paderborn und Höxter-Beverungen zur neuen Volksbank Paderborn-Höxter. Als es 2011 um die Nachfolge von Hermann H. Doninger als Vorstand für Höxter ging kam Jäger, inzwischen für Freiberufler zuständig und Generalbevollmächtigter, ins Gespräch. „Über die Bestellung in den Vorstand der Bank habe ich mich sehr gefreut“, sagt er.

Amt in Höxter gerne angetreten

Das Amt in Höxter hat er darum gerne angetreten. „Ich schätze den Menschenschlag hier. Wir haben viele Unternehmen, die in ihrer Branche Marktführer sind“, sagt Jäger und nennt Namen wie FSB in Brakel, Brauns-Heitmann in Warburg oder Arntz-Optibelt und Reitz in Höxter. Auch Handwerk und Landwirtschaft seien gut aufgestellt. „Die wirtschaftliche Entwicklung ist gut, wenn auch nicht so prosperierend wie in den Kreisen Paderborn oder Gütersloh“, lobt Jäger sein Geschäftsgebiet.

Jäger hat länger gearbeitet, als es notwendig gewesen wäre. „Normalerweise ist für Vorstände spätestens mit 67 Jahren Schluss. Ich bin auf Wunsch des Aufsichtsrates als Generalbevollmächtigter mit Vorstandskompetenz aber noch ein Jahr länger geblieben.“ Im Ruhestand möchte der Kirchborchener mehr Zeit für seine Familie haben, insbesondere für die drei und acht Jahre alten Enkel, und sich wieder stärker dem Golfspiel widmen.

Banksektor hat sich verändert

Der Bankensektor habe sich in den vergangenen 50 Jahren stark verändert, dazu hätten neben der Niedrigzinsphase auch eine stärkere Regulatorik und die fortschreitende Digitalisierung beigetragen. 80 Prozent der Bankkunden würden ihre Geschäfte heute weitgehend online erledigen. Vor diesem Hintergrund seien die zuletzt eingerichteten Selbstbedienungsfilialen gemeinsam mit der Sparkasse eine „richtige Entscheidung“ gewesen. Bei seinem Dienstantritt 1967 habe es deutschlandweit 40.000 Bankfilialen gegeben, heute seien es noch genau die Hälfte.

Jäger will auch künftig im Kreis Höxter präsent bleiben und beispielsweise den Kulturball im Januar in Beverungen besuchen. Die Volksbank wird auch in Zukunft ein Vorstandsmitglied in Höxter haben. Jägers Nachfolger soll im Juli die Arbeit aufnehmen.

in einer älteren Fassung des Artikels hieß es, dass der neue Vorstand im Januar seine Arbeit aufnehmen würde. Das war leider nicht richtig. Wir bitten um Entschuldigung.

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