Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – Sekundarschüler erinnern und mahnen
„Es ist nicht egal, ob du wegschaust“

Beverungen (WB). Auch in diesem Jahr wurde der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus von den Schülerinnen und Schülern der Sekundarschule im Drei-Länder-Eck gestaltet. Unter der Leitung von Elke Stieghorst fand die Veranstaltung im Gewölbe unter dem Rathaus statt.

Mittwoch, 12.02.2020, 01:36 Uhr aktualisiert: 12.02.2020, 07:24 Uhr
Zusammen mit Elke Stieghorst (rechts) haben 46 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen sechs bis zehn die Gedenkveranstaltung seit November vergangenen Jahres vorbereitet. Foto: Sekundarschule im Drei-Länder-Eck
Zusammen mit Elke Stieghorst (rechts) haben 46 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen sechs bis zehn die Gedenkveranstaltung seit November vergangenen Jahres vorbereitet. Foto: Sekundarschule im Drei-Länder-Eck

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher waren anwesend, als die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die russischen Truppen vor 75 Jahren erinnerten und einen Bezug zur heutigen Zeit herstellten. Die Vorbereitungen der Gedenkveranstaltung begannen bereits Anfang November 2019 in vier Lerngruppen im Fach „Praktische Philosophie“. Die Begeisterung war sogar so groß, dass sich insgesamt 46 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen sechs bis zehn aktiv an der Durchführung beteiligten.

Verfolgung und Deportation

Unterstützt von Bildern auf der Leinwand schilderten sie die Verfolgung und Deportation von Kommunisten, Gewerkschaftlern, Behinderten und Menschen, die einen jüdischen Glauben besaßen. Eindrucksvoll informierten sie über die Abläufe in der „Todesfabrik“, in der noch 10.000 Gefangene in der letzten Nacht vor der Befreiung am 27. Januar 1945 ermordet wurden. Zehntausende transportfähige Überlebende wurden in den Westen geschickt, und etwa 7000 Häftlinge befanden sich bei der Befreiung noch in Auschwitz. Viele überlebten die Rettung nicht lange, da sie so geschwächt waren, dass ihnen niemand mehr helfen konnte.

Zum Gedenken sangen die Schülerinnen und Schüler das Lied „Die Moorsoldaten“, welches Häftlinge im Konzentrationslager Börgermoor im Emsland geschrieben hatten und das ihre Gefangenschaft beschreibt. Gemeinsam hielten sie im Anschluss daran eine Gedenkminute für die Opfer der NS-Herrschaft.

Im zweiten Teil mahnten die Jugendlichen an Ausgrenzung und Verfolgung, die heute (teilweise) stattfindet. Sham Ghazi, Schülerin aus der neunten Klasse, musste aus Syrien fliehen und teilte ihre Erinnerung an Bomben, Tod, Angst und Ruinen den Anwesenden in einem berührenden, selbst geschriebenen Gedicht mit.

Einen Bezug zur heutigen Zeit stellte Kimberly Mill, ebenfalls Schülerin der neunten Klasse, mit ihrem Gedeicht „Es ist Vergangenheit...“ her. Sie prangerte Ausgrenzung und Gewalt gegen Menschen mit anderer Herkunft, Hautfarbe, anderem Geschlecht oder sexueller Orientierung an. Zur Frage, was nun jeder Einzelne dagegen tun kann, antworteten die Schülerinnen und Schüler mit dem Refrain des selbst geschriebenen Liedes „Es ist nicht egal, ob du wegschaust“.

Ausgrenzung und Gewalt

Schülersprecher Hakirat Warraich bedankte sich am Ende bei allen Anwesenden für ihre Teilnahme und mahnte mit den Worten des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer: „Du bist nicht verantwortlich für das, was geschah, aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon“.

Bürgermeister Hubertus Grimm bedankte sich schließlich bei allen Aktiven herzlich für ihre aufrüttelnden Worte und die sehr gelungene Veranstaltung.

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