KKW Würgassen: Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall soll 2027 fertig sein - Proteste werden erwartet
Atommülllager: Bürger werden am 18. März informiert

Beverungen/Würgassen (WB). Die Nachricht, dass ein neues großes Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus allen deutschen Kernkraftwerken auf dem Gelände des ehemaligen KKW Würgassen errichtet werden soll, hat nicht nur im Raum Beverungen/Würgassen eingeschlagen wie eine Bombe. Das Vorhaben hat sowohl Behörden, politische Amtsträger als auch die Bevölkerung überrascht. Viele sind auf den Barrikaden. Für das Logistikzentrum wird ein rund 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton neu errichtet.

Freitag, 06.03.2020, 20:08 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 20:14 Uhr
Vor dem Reaktorgebäude, neben der bestehenden Zwischenlagerhalle und dem Zaun (kleines Foto), wird die neue 325 Meter lange Logistikhalle gebaut. Das Betriebsgelände des Endlagers Konrad ist zu klein, um große Mengen Abfälle wie in Würgassen vorrätig zu halten.Foto: BGZ
Vor dem Reaktorgebäude, neben der bestehenden Zwischenlagerhalle und dem Zaun (kleines Foto), wird die neue 325 Meter lange Logistikhalle gebaut. Das Betriebsgelände des Endlagers Konrad ist zu klein, um große Mengen Abfälle wie in Würgassen vorrätig zu halten.

Würgassen: Atommülllager für 15.000 Container geplant

1/20
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ
  • Foto: Michael Robrecht, BGZ

Der Bau soll mit Inbetriebnahme des Atommüll-Endlagers Konrad bei Salzgitter 2027 abgeschlossen sein. „Es werden etwa 450 Millionen Euro investiert und rund 100 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen“, sagte der Chef der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung nuklearer Abfälle (BGZ), Dr. Ewold Seeba, in einem Pressegespräch am Freitag im „Forsthof“ in Würgassen.

Die Telefonhörer und Handys im Kreis Höxter glühten am Freitag. Viele fragen sich mit Blick auf die Stilllegung und die Demontage aller Atommeiler in Deutschland, welche Dimension so ein neues Zwischenlager für mehrere hundert Millionen Euro in Würgassen bekommen könnte. Erster Protest wurde am Freitag von verunsicherten Bürgern angekündigt. Landrat Friedhelm Spieker, Bürgermeister Hubertus Grimm und MdL Matthias Goeken waren erst vor dem Presseauftritt von Dr. Seeba kurz informiert worden.

Am Mittwoch, 18. März, um 18 Uhr wird es eine Bürgerversammlung zum neuen Lager in der Sporthalle in Würgassen mit dem BGZ-Vorstand geben. Weitere Informationsveranstaltungen sollen laut Ewold Seeba folgen. Die Verantwortlichen sehen in einer frühen Schaffung von Transparenz die Möglichkeit, mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu gewinnen. Es wird aber auch mit Protesten und Demos gegen das Zentrallager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll aus allen in den nächsten drei Jahrzehnten zurück zu bauenden deutschen Kernkraftwerken gerechnet.

Stark im Fokus steht neben Sicherheits- und Strahlungsfragen auch der An- und Abtransport des Mülls aus Atommeilern nach der vollzogenen Voll-Abschaltung ab 2022. Noch immer gibt es ein (zugewachsenes) und reaktivierbares Bahngleis vom KKW Würgassen zur Lauenförder Bahnstrecke.

Die beiden schon vorhandenen Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im ehemaligen Kernkraftwerk (10.000 Fässer) bleiben parallel zur neuen Halle weitere Jahre in Betrieb. Zum 1. Januar 2020 hatte die BGZ neben Würgassen auch die Betriebsführung bei anderen Zwischenlagern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle übernommen. Diese Hallen befinden sich an den Standorten Biblis (zwei Lager), Obrigheim, Unterweser und Stade. Die dort aufbewahrten Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung wie Schutzkleidung, Filter oder Anlagenteile, stammen aus Betrieb und Rückbau der Kernkraftwerke und sollen ab 2027 an das Endlager Konrad bei Salzgitter abgegeben werden. Konrad werde Realität, so die BGZ. Der Rückbau des Kernkraftwerkes Würgassen war nach 17 Jahren 2014 für beendet erklärt worden. Mit der Abschaltung der Atomkraftwerke Grafenrheinfeld 2015, Gundremmingen B Ende 2019 sind in Deutschland nur noch sechs KKW am Netz. Dann scheidet Philippsburg 2 aus, bis Ende 2021 sind Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C dran. Die drei letzten sind Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Am 31. Dezember 2022 ist Schluss.

20 Lkw-Transporte und zehn Zugfahrten

Die Abfälle befinden sich in speziellen Behältern, die wiederum in Transportcontainern ins Logistikzentrum gebracht werden. Diese Transporte erfolgen bevorzugt mit Güterzügen. Straßentransporte per Lkw sind aber nicht gänzlich zu vermeiden. Die BGZ rechnet mit weniger als 20 Lkw-Transporten und weniger als zehn Zugfahrten pro Tag von und zum Logistikzentrum. Leerfahrten sind eingerechnet. Die Transporte aus dem Logistikzentrum zum Endlager erfolgen fast ausschließlich mit Güterzügen. Die Transporte von schwach- und mittelradioaktiven Stoffen und deren Sicherheit sind gesetzlich geregelt. Diese Transporte sind Alltagsgeschäft in Deutschland: 500.000 solcher Versendungen finden jährlich statt.

 

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7314550?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851039%2F
Söder akzeptiert CDU-Beschluss für Kanzlerkandidat Laschet
«Mein Wort, das ich gegeben habe, gilt»: CSU-Chef Markus Söder akzeptiert das Votum des CDU-Vorstands für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten.
Nachrichten-Ticker