KKW Würgassen: Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall soll 2027 fertig sein - Proteste werden erwartet
Atommülllager: Bürger werden am 18. März informiert

Beverungen/Würgassen (WB). Die Nachricht, dass ein neues großes Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus allen deutschen Kernkraftwerken auf dem Gelände des ehemaligen KKW Würgassen errichtet werden soll, hat nicht nur im Raum Beverungen/Würgassen eingeschlagen wie eine Bombe. Das Vorhaben hat sowohl Behörden, politische Amtsträger als auch die Bevölkerung überrascht. Viele sind auf den Barrikaden. Für das Logistikzentrum wird ein rund 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton neu errichtet.

Freitag, 06.03.2020, 20:08 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 20:14 Uhr
Vor dem Reaktorgebäude, neben der bestehenden Zwischenlagerhalle und dem Zaun (kleines Foto), wird die neue 325 Meter lange Logistikhalle gebaut. Das Betriebsgelände des Endlagers Konrad ist zu klein, um große Mengen Abfälle wie in Würgassen vorrätig zu halten.Foto: BGZ
Vor dem Reaktorgebäude, neben der bestehenden Zwischenlagerhalle und dem Zaun (kleines Foto), wird die neue 325 Meter lange Logistikhalle gebaut. Das Betriebsgelände des Endlagers Konrad ist zu klein, um große Mengen Abfälle wie in Würgassen vorrätig zu halten.

Würgassen: Atommülllager für 15.000 Container geplant

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Der Bau soll mit Inbetriebnahme des Atommüll-Endlagers Konrad bei Salzgitter 2027 abgeschlossen sein. „Es werden etwa 450 Millionen Euro investiert und rund 100 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen“, sagte der Chef der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung nuklearer Abfälle (BGZ), Dr. Ewold Seeba, in einem Pressegespräch am Freitag im „Forsthof“ in Würgassen.

Die Telefonhörer und Handys im Kreis Höxter glühten am Freitag. Viele fragen sich mit Blick auf die Stilllegung und die Demontage aller Atommeiler in Deutschland, welche Dimension so ein neues Zwischenlager für mehrere hundert Millionen Euro in Würgassen bekommen könnte. Erster Protest wurde am Freitag von verunsicherten Bürgern angekündigt. Landrat Friedhelm Spieker, Bürgermeister Hubertus Grimm und MdL Matthias Goeken waren erst vor dem Presseauftritt von Dr. Seeba kurz informiert worden.

Am Mittwoch, 18. März, um 18 Uhr wird es eine Bürgerversammlung zum neuen Lager in der Sporthalle in Würgassen mit dem BGZ-Vorstand geben. Weitere Informationsveranstaltungen sollen laut Ewold Seeba folgen. Die Verantwortlichen sehen in einer frühen Schaffung von Transparenz die Möglichkeit, mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu gewinnen. Es wird aber auch mit Protesten und Demos gegen das Zentrallager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll aus allen in den nächsten drei Jahrzehnten zurück zu bauenden deutschen Kernkraftwerken gerechnet.

Stark im Fokus steht neben Sicherheits- und Strahlungsfragen auch der An- und Abtransport des Mülls aus Atommeilern nach der vollzogenen Voll-Abschaltung ab 2022. Noch immer gibt es ein (zugewachsenes) und reaktivierbares Bahngleis vom KKW Würgassen zur Lauenförder Bahnstrecke.

Die beiden schon vorhandenen Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im ehemaligen Kernkraftwerk (10.000 Fässer) bleiben parallel zur neuen Halle weitere Jahre in Betrieb. Zum 1. Januar 2020 hatte die BGZ neben Würgassen auch die Betriebsführung bei anderen Zwischenlagern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle übernommen. Diese Hallen befinden sich an den Standorten Biblis (zwei Lager), Obrigheim, Unterweser und Stade. Die dort aufbewahrten Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung wie Schutzkleidung, Filter oder Anlagenteile, stammen aus Betrieb und Rückbau der Kernkraftwerke und sollen ab 2027 an das Endlager Konrad bei Salzgitter abgegeben werden. Konrad werde Realität, so die BGZ. Der Rückbau des Kernkraftwerkes Würgassen war nach 17 Jahren 2014 für beendet erklärt worden. Mit der Abschaltung der Atomkraftwerke Grafenrheinfeld 2015, Gundremmingen B Ende 2019 sind in Deutschland nur noch sechs KKW am Netz. Dann scheidet Philippsburg 2 aus, bis Ende 2021 sind Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C dran. Die drei letzten sind Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Am 31. Dezember 2022 ist Schluss.

20 Lkw-Transporte und zehn Zugfahrten

Die Abfälle befinden sich in speziellen Behältern, die wiederum in Transportcontainern ins Logistikzentrum gebracht werden. Diese Transporte erfolgen bevorzugt mit Güterzügen. Straßentransporte per Lkw sind aber nicht gänzlich zu vermeiden. Die BGZ rechnet mit weniger als 20 Lkw-Transporten und weniger als zehn Zugfahrten pro Tag von und zum Logistikzentrum. Leerfahrten sind eingerechnet. Die Transporte aus dem Logistikzentrum zum Endlager erfolgen fast ausschließlich mit Güterzügen. Die Transporte von schwach- und mittelradioaktiven Stoffen und deren Sicherheit sind gesetzlich geregelt. Diese Transporte sind Alltagsgeschäft in Deutschland: 500.000 solcher Versendungen finden jährlich statt.

 

 

Kommentare

Martin Koeller  schrieb: 11.03.2020 15:30
Strom ist doch eine Selbstverständlichkeit
Warum kein Zwischenlager in Würgassen?
Sollen sich doch andere mit den Hinterlassenschaften des Atomzeitalters rumschlagen...
...und Strom aus Braunkohle schon gar nicht, der arme Wald und dann noch so dreckig.
Womit wollen die Weltverbesserer denn in Zukunft ihre Elektromobile aufladen?
Ich selber wohne und arbeite im unmittelbaren Bereich um die geplante Anlage und meiner Meinung
nach ist der Standort gut gewählt. Es gibt eine vorhandene Infrastruktur, Teile des noch vorhandenen KKWs können genutzt werden und es gibt genügend Fachkräfte in der Region.
Zum Anderen hat die Technologie im Umgang mit Gefahrstoffen in den knapp 50 Jahren seit Inbetriebnahme des KKW Würgassen (vom Stand der Planungsphase in den Fünfzigern mal ganz zu schweigen) einen Quantensprung erfahren.
Wenn jemand demonstrieren will, dann doch bitte an den grenznahen Standorten in Frankreich oder der Schweiz,da Strahlung ja bekanntlich keine Staatsgrenzen kennt.
In Würgassen geht es um Material aus dem Rückbau, nicht um ein neues Kraftwerk...obwohl wir meiner Meinung nach in der Zukunft auch da nicht um Neubauten herum kommen werden (aber mit neuster Technologie und Sicherheitskonzepten)
Christiane Gamradt  schrieb: 07.03.2020 13:04
Lösunsansätze statt Demos.
Die normale Gesellschaft heute ist mit den globalen Gegebenheiten einfach durch Unwissenheit überfordert und wird dann überrannt. Wirtschaft und Politik werden durch die Medien gehetzt und und niemand ist in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Deshalb ist es wichtig, dass jeder einzelne in der Geseĺlschaft erstmal für sich Verantwortung übernimmt bevor er andere überfällt. Haben wir nicht verlernt, selbst zu denken und zu handeln? In einer Welt mit Cyborgs und vernetzten Algorithmen entfernt man sich immer mehr von sich selbst und dem, was man mitgestaltet könnte. Fangen wir endlich an, nicht mehr auf den Sündenböcken herumzuhacken und suchen in uns lösungsorientierte Ansätze um der Welt beim Besser Werden zu helfen.
Leser  schrieb: 07.03.2020 00:42
Sicherheit statt Verweigerung
Wenn ein Logistikzentrum gebraucht wird muss eines gebaut werden. Die üblichen Totalverweigerer sollten sich besser konstruktiv beteiligen und mit dafür sorgen das alles getan wird um Emissionen in die Umgebung auszuschließen. Wenn hier nicht gebaut wird ist anderswo dasselbe Problem. Desweiteren hat das bisherige Lager auch keinen gestört, also besser für bestmögliche Sicherheit kämpfen, statt destruktive Totalverweigerung,
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