Gegen Atommülllager in Würgassen: 4861 Menschen haben Petition unterzeichnet
Bürgerinitiativen legen los

Beverungen-Würgassen (WB/rob). Die Debatte um die Planung eines Atommülllagers für leicht- und mittelschwer radioaktive Abfälle auf dem ehemaligen Kernkraftgelände in Würgassen geht weiter.

Freitag, 13.03.2020, 09:32 Uhr aktualisiert: 13.03.2020, 11:36 Uhr
Viele betroffene Bürger beklagen, dass sie weder ein Mitsprache-, noch ein Mitbestimmungsrecht bei der Auswahl des Standortes für ein Atommülllager hatten. Hier die Grünen in Holzminden, die gegen ein solches Lager demonstrieren. Foto: WB
Viele betroffene Bürger beklagen, dass sie weder ein Mitsprache-, noch ein Mitbestimmungsrecht bei der Auswahl des Standortes für ein Atommülllager hatten. Hier die Grünen in Holzminden, die gegen ein solches Lager demonstrieren. Foto: WB

Viele Bürger hoffen, dass die Informationsveranstaltung am Mittwoch, 18. März, um 18 Uhr in der Beverunger Stadthalle stattfinden kann und nicht wegen des Coronavirus noch kurzfristig abgesagt wird. 4861 Menschen haben inzwischen die Internet-Petition gegen das auf 30 Jahre geplante Zwischenlager unterstützt.

Demo erst am 18. März

Dirk Wilhelm, einer der Köpfe einer Initiative gegen das Lager, schreibt auf der Facebookseite „Contra Atomlager Würgassen“, dass am Freitagmittag in Würgassen eine Pressekonferenz der Bürgerinitiativen stattfinden werde und warnt davor, in Würgassen aus diesem Anlass zu demonstrieren. Er weist darauf hin, dass bei dem Pressegespräch nur die Medien dabei sein würden. „Eine Protestkundgebung ist zu diesem Termin nicht angemeldet und würde uns in eine rechtlich schwierige Situation bringen.“

Alle Aktiven sollten den Fokus auf die Infoveranstaltung am 18. März in Beverungen legen. Die Vorbereitungen hierfür seien in vollem Gange. Auch eine Protestaktion sei für Beverungen in Vorbereitung und werde rechtzeitig angekündigt. Bei der Pressekonferenz werden die sich in Vorbereitung befindliche „Bürgerinitiative gegen atomaren Dreck im Dreiländereck Beverungen“ mit Wilhelm an der Spitze sowie ein Vorstandsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad Salzgitter“ und der Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt Hamburg“ dabei sein (wir berichteten).

Aktivisten gegen das Atommülllager mit 15.000 Containern und einer 325-Meter-Halle neben dem alten KKW haben begonnen, in Beverungen Petitionen gegen das Vorhaben zu verteilen. In Kindergärten, Apotheken oder im Gesundheitszentrum seien die Listen zum Unterschreiben ausgelegt, so die Organisatoren. Die meisten Petitionen seien angenommen und ausgelegt worden, berichtete Susanne Hüdepohl.

In vielen guten Gesprächen sei deutlich geworden, wie sauer die Menschen darüber seien, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. „Die Angst spielt eine große Rolle und, sie glauben absolut nicht an ein Zwischenlager. Die Befürchtung, dass es wegen Corona nicht zum gemeinsamen Gespräch am 18. März in der Stadthalle kommt, wurde oft geäußert.

Die Online-Petition ist im Internet zu finden.

FDP: Betroffene überfallen

Der FDP-Kreisverband wird sich auf der nächsten Fraktionssitzung der Kreistagsfraktion sowie der Kreisvorstandssitzung mit dem Thema „Atom-Zwischenlager“ in Würgassen beschäftigen. Die neue Kreisvorsitzende Marion Ewers rät aber jetzt schon zu einem objektiven und sachorientierten Umgang mit dem Thema. „Natürlich ist es ein Unding, dass die Betroffenen vor Ort mit der Entscheidung ‚überfallen‘ werden, das wird die Akzeptanz auf keinen Fall fördern. Trotzdem ist eine sachliche Abwägung aller Faktoren notwendig.“

Der Kreistagsfraktionssprecher Robert M. Prell gibt zu bedenken, dass eine Lösung wegen des Atomausstiegs gefunden werden müsse. „Natürlich will keiner unangenehme Dinge vor der Haustür haben, seien es Windkraftanlagen, Südlink oder jetzt ein Zwischenlager, aber bitte schön, Energiewende, Kohle- und Atomausstieg sind das eine, sinnvolle Alternativen, die ebenfalls Belastungen bedeuten, da andere. Eine Lösung muss auf jeden Fall her.“

Zunächst müssten nun alle Informationen des Betreibers auf den Tisch, dann werde man sich positionieren. „Das Thema vor der Kommunalwahl aufzulegen ist dabei sehr mutig und zeigt das völlige Fehlen der Einschätzung politischer Befindlichkeiten. Es mit voller Absicht zu tun entzieht sich jeglicher Vernunft.“

Gegen Schacht Konrad

„Wir lehnen ein Bereitstellungslager Konrad wegen seiner zentralen Funktion für den Betrieb des gefährlichen und völlig veralteten Projekts Schacht Konrad ab,“ erklärt Vorstandsmitglied Ludwig Wasmus. „Statt eine riesige neue Atomanlage zu bauen, muss das Projekt Konrad endlich aufgegeben werden.“ Die BGZ wolle den ehemaligen Atomkraftwerksstandort Würgassen zur zentralen Drehscheibe für alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle in Deutschland machen.

Einziger Grund für dieses neue zentrale Zwischenlager sei, dass bei Schacht Konrad aus Kostengründen die genehmigten Obergrenzen bis zum Letzten ausgereizt werden solle. Um die komplizierte Logistik in den Griff zu bekommen sollten die Abfälle alle an einen Ort, Würgassen, geschafft werden. So werde sich die Zahl der fälligen Atommülltransporte zwangsläufig verdoppelt und damit auch die Strahlenbelastung und das Risiko von Unfällen.

Kommentare

Hirt  schrieb: 18.03.2020 20:26
Zwischenlager Würgassen
Ein Zwischenlager, egal ob in Würgassen oder anderswo, ist in keiner Weise eine Gefahr für die Bevöklkerung. Primär geht es momentan um den Vergleich des Coronavirus gegen eine sehr sehr geringe Gfährdung dur radioaktive Strahlung. Das es auch eine biologische Kriegsführung geben könnte wurde immer ausgeblend. Aber nichtreale Aengste gegen radioaktive Strahlung zu schüren ist politisch wesentlich erfolgsversprechend gegenüber der reale Gefahr einer biologischen Gefahr!
Leser  schrieb: 13.03.2020 17:48
Informationsdefizite
Die das bauen wollen sind es selber Schuld, normal müsste gestern schon an alle Haushalte in der Umgebung eine Information im Zeitschriften Format verteilt werden in der klar erläutert wird was gemacht wird und warum aus dem Logistikzentrum keine radioaktiven Partikel in die Umwelt gelangen können. Zum Beispiel wenn dort Material neu verpackt wird. Wenn die meinen die haben es nicht nötig können sie diesen Plan gleich wieder beerdigen.
Claudia Prorok  schrieb: 13.03.2020 08:58
Petition „Verhindert den Bau eines Atommülllagers“
Unterstützt die Petition und verhindert den Bau eines Atommülllagers in Würgassen. Jede Stimme zählt und ist wichtig.
3 Kommentare
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