Kreis Holzminden solidarisiert sich mit Bürgerinitiative
Bereitstellungslager verhindern

Holzminden/Würgassen (WB). Der Landkreis Holzminden lehnt die Errichtung eines Logistikzentrums für schwach-und mittelradioaktiven Atommüll in Würgassen entschieden ab. „Wir fordern den sofortigen Stopp aller vorbereitenden Maßnahmen“, so der Wortlaut einer Resolution, die am Montagabend im Kreistag Holzminden verabschiedet wurde. „Dies ist ein guter Tag für die Gegner des Lagers“, kommentiert Dirk Wilhelm, Sprecher der Bürgerinitiative „gegen atomaren Dreck im Dreiländereck“ diese Entscheidung des niedersächsischen Nachbarkreises. Wilhelm sieht in der Resolution ein klares Zeichen des Widerstands aus der Region und hofft auf ein ähnliches auch aus der nächsten Sitzung des Kreistages Höxter am 25. Juni.

Dienstag, 26.05.2020, 17:28 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 17:30 Uhr
Die Anbindung an das Schienennetz war für die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung, Würgassen für ein Bereitstellungslager für radioaktive Abfälle zu favorisieren. Foto: Sabine Robrecht
Die Anbindung an das Schienennetz war für die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung, Würgassen für ein Bereitstellungslager für radioaktive Abfälle zu favorisieren. Foto: Sabine Robrecht

Fragenkatalog

Im Vorfeld hatten die Parteien im Kreistag die Gelegenheit, umfangreiche Fragenkataloge an die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zu richten. SPD, CDU und Grüne hatten Fragenkataloge erarbeitet, die bereits im Vorfeld der Kreistagssitzung vom Generalbevollmächtigten des Logistikzentrums Konrad, Christian Möbius, beantwortet worden waren. Der wendet sich gegen den Vorwurf, andere Standorte wären nicht geprüft, die Kriterien für die Auswahl nicht öffentlich gemacht worden. Insgesamt 28 mögliche Standorte seien geprüft worden, heißt es von Möbius. Neun seien in die engere Wahl gekommen. Für Würgassen habe vor allem die direkte Anbindung an das Schienennetz der Deutschen Bahn gesprochen. Das gesamte Verfahren sei seit Juli 2018 öffentlich einsehbar gewesen. Die Infrastruktur hält die BGZ für ausreichend. CDU, SPD und Grüne vor Ort bezweifeln das.

Politik bezweifelt ausreichende Infrastruktur

Natürlich steht die Gesundheit der Bevölkerung im Umfeld im Mittelpunkt der Bedenken sowohl von Politik und Verwaltung als auch von der Bürgerinitiative. Hier geht es vor allem um die so genannte Konditionierung der Abfälle. Dabei werden radioaktive Abfälle für die Endlagerung und auch für eine längere Zwischenlagerung aufbereitet und verpackt. Dazu Christian Möbius: „Im künftigen Logistikzentrum werden keine schwach- oder mittelradioaktiven Abfälle konditioniert.“ Es gehe lediglich darum, diese bereits verpackten Abfälle für den Transport zum Endlager Konrad bereit zu stellen. Für Bevölkerung, Mitarbeiter und Umwelt entstünden keine Gefahren versichert die BGZ.

Das sieht der Kreis Holzminden in seiner Resolution anders. Täglich zehn Atommüllzüge und die atomare Vorbelastung im ehemaligen Kernkraftwerk würden nicht ausreichend berücksichtigt. Er fordert die Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus der Region auf, das Projekt zu verhindern.

Widerstand seit Monaten

Seit Monaten gibt es Widerstand der Bürger aus den angrenzenden Gemeinden im Dreiländereck. Viele Menschen haben sich in der Bürgerinitiative zusammen geschlossen, äußern ihre Bedenken gegen das Bereitsstellungslager und machen Protestaktionen. In einer Online-Petition haben sich Tausende gegen das Lager ausgesprochen. Auch viele der angrenzenden Kommunen haben ihren Unmut geäußert.

2027, so die Pläne, soll das Bereitsstellungslager seine Arbeit aufnehmen. Die nötigen Bauarbeiten, unter anderem soll ein rund 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton errichtet werden, würden bereits 2023 beginnen. Hier sollen schwach- und mittelradioaktiver Abfall aus ganz Deutschland für den Transport ins Endlager Konrad nahe Salzgitter gesammelt werden.

450 Millionen Euro will die BGZ investieren

450 Millionen Euro würden, sollte es zu einer Entscheidung für Würgassen kommen, am Standort investiert, 100 dauerhafte Arbeitsplätze würden vor Ort entstehen, so die BGZ.

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