K+S beantragt Genehmigung für jährlich sechs Millionen Kubikmeter
Mehr Salz in die Weser?

Kassel/Vlotho/Höxter (WB). Für den Salz- und Kaliproduzenten K+S AG bahnt sich neuer Streit mit Umweltschützern an. Grund ist der Antrag des Kasseler Unternehmens, von 2021 bis 2027 jährlich maximal 6,0 bis 6,7 Millionen Kubikmeter Salzabwasser in die Werra einzuleiten. Die Werra ist eine der beiden Quellflüsse der Weser, die das Salz in Richtung Nordsee weitertransportiert.

Mittwoch, 27.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 05:02 Uhr
Einleitungsrohr für Salzabwasser am Ufer der Werra beim K+S-Verbundwerk. Foto: dpa
Einleitungsrohr für Salzabwasser am Ufer der Werra beim K+S-Verbundwerk. Foto: dpa

Eigentlich hatte sich K+S 2016 mit den betroffenen Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen auf eine Absenkung der Salz-Grenzwerte in Werra und Weser verständigt. Das sei ohne Produktionsausfall und den Verlust von Arbeitsplätzen nicht zu machen, erklärt das Unternehmen jetzt. In der Werra-Region arbeiten 5300 Beschäftigte direkt im Bergbau.

Die Grünen in der Region Holzminden zeigen sich entsetzt. „Es kann nicht sein, dass unsere Weser weiter als Abwasserkanal missbraucht wird“, erklärte der Landtagsabgeordnete Christian Meyer. Schon jetzt berichteten Angler von Geschwüren an Fischen durch die Salzbelastung.

Für K+S endet 2021 auch die Erlaubnis, Salz in höhere Erdschichten einzubringen. In Hessen wird seit mehr als 100 Jahren Kalibergbau betrieben. Die Salzfracht entsteht sowohl bei der Produktion als Gruben- und Drainwässer als auch von den Halden durch Abschwemmungen bei Regen. Das Abwasser soll an drei Stellen in die Werra eingeleitet werden; zwei befinden sich in Philippsthal, eine in Heringen (alle Hessen).

Zuerst Umweltverträglichkeitsprüfung

Das Regierungspräsidium in Kassel, das über den Antrag des Unternehmens entscheiden soll, ist zu dem Schluss gekommen, dass vor der wasserrechtlichen Erlaubnis eine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden muss. In diesem Rahmen werden die Unterlagen für den Antrag von K+S vom 4. Juni bis 3. Juli in 67 Rathäusern entlang von Werra und Weser zur Einsichtnahme für die Bürger ausliegen.

In Ostwestfalen-Lippe gilt das für die Anrainerstädte Beverungen, Höxter, Vlotho, Kalletal, Bad Oeynhausen, Porta Westfalica, Petershagen und Minden. Zusätzlich können sie schon jetzt auf der Internetseite des Regierungspräsidiums abgerufen werden. Für Einwendungen gilt eine Frist bis 8. August.

Bundestagsabgeordnete haben Thema auf dem Schirm

Inzwischen wird der Plan von K+S auch auf höherer Ebene diskutiert. Anja Siegesmund (Grüne), Umweltministerin in Thüringen, wo die Werra entspringt, hat sich bereits entschieden gegen eine weitere Versalzung der Flüsse ausgesprochen. Stefan Schwartze, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Kreis Herford und Bad Oeynhausen, will in Kürze mit Parlamentskollegen aus anderen Anrainerregionen der Weser zusammenkommen. Die Treffen, an denen unter anderem auch Achim Post (SPD, Minden-Lübbecke) und Christian Haase (CDU, Höxter) teilnehmen, hätten schon Tradition.

Schwartze verfolgt das Thema Weserversalzung seit 2012: „Wir haben einen langen Weg hinter uns.” Als Erfolg wertet der SPD-Abgeordnete, dass der K+S-Plan für eine Pipeline vom Tisch sei. Was den neuen Antrag betreffe, so strebe er ein parteiübergreifendes Vorgehen an, das den Belangen der Arbeitsplätze wie des Umweltschutzes gerecht werde.

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