MdL Goeken befürchtet Einschnitte beim Personenverkehr
Halten die Züge bald nurnoch am Logistikzentrum?

Würgassen/Höxter (WB). Was geschieht mit den Personenzügen auf der Eisenbahnstrecke zwischen Ottbergen und Northeim, wenn dort Güterzüge radioaktiven Müll ins geplante Logistikzentrum Würgassen transportieren? Diese Frage warf der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Goeken während einer Anhörung im Kreis- und Finanzausschuss am Dienstagabend auf. Seinen Angaben zur Folge könnten die vorgesehenen zehn Atommüll-Züge pro Tag den Personenverkehr auf der eingleisigen Strecke, an der auch die Bahnhöfe Wehrden, Lauenförde und Bad Karlshafen liegen, zum Erliegen bringen. Derzeit fahren dort 16 Züge pro Tag.

Donnerstag, 18.06.2020, 10:04 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 10:06 Uhr
MdL Goeken befürchtet Einschnitte beim Personenverkehr: Halten die Züge bald nurnoch am Logistikzentrum?
Foto: Marius Thöne

Goeken, der als Vorsitzender der Verbandsversammlung des Nahverkehrsverbundes Expertise mitbringt, erläuterte, dass sich auf der Strecke zwischen Ottbergen und Northeim eine Stunde lang keine Züge begegnen könnten. Der Bad Driburger bezeichnete die verhältnismäßig gute Bewertung der Straßen- und Schieneninfrastruktur des Standortes Würgassen als „nicht nachvollziehbar.“ Die Bahnstrecke sei marode und auch die Straßenanbindung schlecht. Damit stieß Goeken ins gleiche Horn wie Dirk Wilhelm von der Bürgerinitiative „Gegen den atomaren Dreck im Dreiländereck“. Wilhelm zeigte auf, dass die Bundesstraßen zum Kraftwerk durch Orte wie Dalhausen und Ottbergen führten.

Die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) war ebenfalls in die Kreisausschusssitzung gekommen und stellte ihr Vorhaben dort vor. Deren Chef, Dr. Ewold Seeba, führte aus, dass das geplante Logistikzentrum dazu diene, das Endlager Schacht Konrad von 2027 an im Zwei-Schicht-Betrieb bedienen zu können. Die BGZ geht davon aus, 2023 mit dem Bau beginnen zu können.

Im Kreisausschuss hielt Rolf-Dieter Crois (SPD) aus Beverungen ein Plädoyer gegen das Logistikzentrum. „Beverungen und Würgassen haben in Sachen Atomenergie ihre Pflicht und Schuldigkeit getan“, erinnerte Crois daran, dass 25 Jahre lang in Würgassen ein Atomkraftwerk betrieben worden ist. Er habe Angst um seinen vierjährigen Enkel, wenn er in die Zukunft schaue. Auch Stephan Dierkes (CDU) sprach sich gegen das Vorhaben der BGZ aus. Beim Rückbau des Kernkraftwerkes sei den Beverungern eine grüne Wiese versprochen worden. Das müsse auch eingehalten werden.

Seeba wies darauf hin, dass sich seitdem atompolitisch viel getan habe und in Deutschland der Atomausstieg beschlossen worden sei. „Das Logistikzentrum hilft beim schnelleren Rückbau der noch bestehenden Kraftwerke“, sagte er. Das Ziel sei, die „Hinterlassenschaften“ der Atomenergienutzung „schnell über Jahrtausende“ einlagern zu können.

Für Robert M. Prell (FDP) war eine Bewertung des Vorhabens schwierig. „Das Problem ist, dass es eine Lösung geben muss“, machte der Borgentreicher deutlich. Er sei „durchaus geneigt“, der BGZ-Lösung zu folgen.

Am Ende beschloss der Kreis- und Finanzausschuss einstimmig bei zwei Enthaltungen, eine Resolution des Beverunger Stadtrates zu unterstützen. In dem Zehn-Punkte-Papier werden wissenschaftliche Untersuchungen in Bezug auf die Gefahren, die von dem Logistikzentrum ausgehen könnten, und eine grundsätzliche Überprüfung des Standortes gefordert. In dem Entwurf der Resolution, die vom Beverunger Stadtrat noch beschlossen werden muss, wird auch die Befürchtung geäußert, dass Würgassen am Ende zu einem Endlager werden könnte, wenn beispielsweise die Genehmigung für Schacht Konrad auf den Prüfstand kommen sollte.

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