Gegner des Atommüll-Zwischenlagers demonstrieren mit 150 Fahrzeugen im Autokorso
Protest-Fahrt auf der Weserbrücke

Beverungen/Lauenförde (WB). Die Gegner des in Würgassen geplanten Atommüll-Zwischenlagers haben den historischen Moment genutzt: Der Verein „Atomfreies3-Ländereck” hat im unmittelbaren Nachgang zur Eröffnung der Weserbrücke mit einem Autokorso ein klares Statement gegen den „Atommüll-Verschiebebahnhof“ gesetzt und auf die drohenden Atommülltransporte in der Region hingewiesen. Etwa 150 Fahrzeuge sind unterwegs gewesen.

Mittwoch, 15.07.2020, 17:54 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 18:32 Uhr
Beim Autokorso auf der frisch für den Verkehr geöffneten neuen Weserbrücke sind die Demonstranten sowohl aus Lauenförde als auch aus Beverungen gestartet. Neben Autos, Radfahrern und Fußgängern wurde auch auf Treckern protestiert. Foto: Dennis Pape
Beim Autokorso auf der frisch für den Verkehr geöffneten neuen Weserbrücke sind die Demonstranten sowohl aus Lauenförde als auch aus Beverungen gestartet. Neben Autos, Radfahrern und Fußgängern wurde auch auf Treckern protestiert. Foto: Dennis Pape

Die Gegner des Zwischenlagers waren am Mittwochnachmittag die ersten, die die neue Weserbrücke befuhren. Ein Großteil der Teilnehmer des Autokorsos hatte sich im Vorfeld auf Lauenförder Seite versammelt, weitere warteten in Beverungen auf den Startschuss. „Unser Ziel ist es, vor den Augen der Vertreter von Politik und Medien als erste Fahrzeuge die neue Weserbrücke zu passieren. Wir wollen die Symbolik dieses historischen Momentes nutzen, um unsere Position mit Nachdruck zu unterstreichen“, sagte Dirk Wilhelm, Vorsitzender des Vereins „Atomfreies3-Ländereck”, im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Mit Fahnen, Bannern, geschmückten Anhängern und Atomfässer-Attrappen brachten die Demonstranten ihren Protest gegen die Pläne des Bundesumweltministeriums und der BGZ in der Öffentlichkeit zum Ausdruck – sie fuhren im Schritttempo über die Brücke, viele hupten. Auf Plakaten stand unter anderem „Kein Atommüll-Verschiebe-Bahnhof in Würgassen“, „Atomkraft? Nein Danke!“ oder „Konzeptlos, orientierungslos, intransparent. Atommüll-Lager stoppen“.

Autokorso auf der neuen Weserbrücke: Demo gegen Atommüll-Zwischenlager

1/25
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape
  • Foto: Dennis Pape

 

Bereits vor dem Autokorso stand unter anderem der Beverunger Thomas Lüke mit einer großen Fahne vor der Absperrung der bis dato noch nicht freigegebenen Brücke und wollte so nicht zuletzt NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst auf seine Botschaft aufmerksam machen: „Es darf kein weiterer Atommüll zu uns gelangen. Ich habe auch die Befürchtung, dass Würgassen am Ende sogar zum Endlager wird.“

„Direkt ins Endlager“

Die Demonstranten kamen sowohl aus dem Kreis Höxter als auch aus den benachbarten Ortschaften in Niedersachsen sowie darüber hinaus – Martin Ahlborn und sein Sohn Felix sind beispielsweise mit einem Oldtimer und Anhänger aus Schönhagen angereist. Der Vater sagte gegenüber dieser Zeitung kurz vor Start des Autokorsos: „Wir befürchten, dass der Transport des Atommülls auch unseren Ort betreffen wird. Unserer Meinung nach darf es weder in Würgassen noch an einem anderen Ort ein Zwischenlager geben – der Müll muss direkt ins Endlager gebracht werden.“

Transporte

Die Teilnehmer fuhren eine große Runde über die Weserbrücke nach Würgassen und einmal mehr über das Bauwerk, das Lauenförde und Beverungen verbindet. „Damit wollen wir auch explizit auf die drohenden Atommüll-Transporte hinweisen, die im Fall eines Zwischenlagers in Würgassen auftreten würden“, sagte Dirk Wilhelm und erläuterte, wie weit die Planungen seiner Ansicht nach bereits fortgeschritten sein könnten: „Es ist doch erstaunlich, wie schnell der Bau einer Umgehungsstraße zwischen Herstelle und Bad Karlshafen durchgewunken werden kann, während beispielsweise die Ortschaften Ottbergen und Godelheim angesichts einer höheren Frequenz weitaus größeren Bedarf haben – und schon deutlich länger warten müssen.“

Widerstand

Wilhelm brachte aber auch seine Freude darüber zum Ausdruck, dass der Widerstand gegen das geplanten Atommüll-Zwischenlager immer größer würde: „Der Kessel kocht – die Leute wollen aktiv werden und dafür bietet unser Verein eine geeignete Plattform. Unsere zielgerichtete Arbeit von Tag eins an trägt Früchte. Zu Beginn hätte ich nicht erwartet, dass der Protest im positiven Sinne derartige Ausmaße annimmt.“ Wichtig war dem Initiator des Protestes auch, dass die Demo in keinster Weise die Eröffnungsfeier der Weserbrücke stören sollte – alles sei bereits im Vorfeld mit den Behörden und dem Bürgermeister besprochen worden.

Kommentare

Henke  schrieb: 15.07.2020 21:05
Bild
Da ist ja sogar jemand mit HP (Heppenheim) gewesen selbst von so weit kommen sie schon her und sind dagegen
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7495365?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851039%2F
Debatte über einheitlichere Regeln zur Corona-Eindämmung
Angela Merkel vergangene Woche vor Beginn einer Sitzung des Bundeskabinetts.
Nachrichten-Ticker