Wie aus der alten Beverunger Brücke ein neues Meisterwerk geworden ist
„Tagebuch“ der Bauarbeiten

Beverungen (WB). In dieser Woche ist nach zweieinhalb Jahren Bauzeit die neue Weserbrücke feierlich eingeweiht worden und der Verkehr rollt wieder. Das WESTFALEN-BLATT erinnert mit einem „Tagebuch“ der Bauarbeiten an die Eckpunkte der Planungen und die Umsetzung des Mammutprojektes.

Samstag, 18.07.2020, 11:15 Uhr aktualisiert: 18.07.2020, 12:01 Uhr
Tieflader bringen die Segmente mit bis zu 100 Tonnen Gewicht nach Beverungen, wo sie vor Ort zusammen geschweißt werden. Foto: Alexandra Rüther
Tieflader bringen die Segmente mit bis zu 100 Tonnen Gewicht nach Beverungen, wo sie vor Ort zusammen geschweißt werden. Foto: Alexandra Rüther

Am 29. Juni 2017 stellt der Landesbetrieb Straßen NRW die Pläne für den Bau der neuen Weserbrücke zum ersten Mal im Rat vor. Die Entstehungsgeschichte des Bauwerks, das am Mittwoch seiner Bestimmung übergeben worden ist, beginnt allerdings schon gut vier Jahre zuvor.

Im Februar 2014 kündigt der Landesbetrieb an, die Brücke für Fahrzeuge über 18 Tonnen Gesamtgewicht sperren zu wollen. Auslöser ist eine neue Richtlinie des Bundes zur Nachberechnung von Straßenbrücken aus dem Jahr 2011. Danach sind die Träger verpflichtet, gefährdete Brücken auf ihre Standsicherheit neu zu berechnen und Nutzungsbeschränkungen auszusprechen, falls nötig.

Landwirte demonstrieren

In Beverungen ist es nötig. Gewerbetreibende und vor allem Landwirte aber laufen Sturm, für sie wäre der Neun-Kilometer-Umweg über Herstelle zur Dauerlösung geworden. Spontan organisieren sie eine Traktor-Demo. In der Stadthalle kommen sie mit den Planern des Landesbetriebes ins Gespräch – Ergebnis ist eine Ampellösung, die im März 2014 in Kraft tritt, die Weserbrücke ist nur noch einspurig befahrbar.

Einzigartig in der Region

Ebenfalls im März 2014 wird Hubertus Grimm zum neuen Bürgermeister von Beverungen gewählt. Die Weserbrücke begleitet also seine gesamte Amtszeit. Auch Klaus Ostermann als projektverantwortlicher Ingenieur beim Landesbetrieb Straßen.NRW als Bauherr ist seit 2014 mit Entwurfsplanung, Ausschreibung und Vergabe beschäftigt. „Diese Brücke ist ein spannendes Bauvorhaben, das in der Region einzigartig wird. Wir freuen uns jetzt schon drauf«, sagte er im November 2017, als er in Beverungen die ausführenden Firmen Echterhoff aus Osnabrück und Schachtbau aus Nordhausen vorstellt.

Hochwasser

Im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus an der Burg richten die ihr Baubüro ein – und lernen die Weser gleich mal von ihrer unangenehmen Seite kennen. Das Hochwasser Ende 2017/Anfang 2018 verzögert die Arbeiten um etwa zwei Monate.

Dann aber geht es los. Der Mutterboden wird abgetragen und zwischengelagert. Die Fläche wird geschottert, damit sie befahrbar ist. Bohr- und Rammgeräte legen die Baugruben an. Die überwiegende Fertigung der Brücke erfolgt in Nordhausen. Tieflader bringen die Segmente mit bis zu 100 Tonnen Gewicht nach Beverungen, wo sie vor Ort zusammen geschweißt werden.

Doppelter Bogen

Im August 2018 werden die Brückenbögen montiert – das optische Highlight der Weserbrücke ist jetzt doppelt vorhanden. Per Schwertransport sind die einzelnen Bogenelemente, die von dem Industrieunternehmen Stahlbau Nordhausen im Werk in Nordhausen hergestellt wurden, in Beverungen angeliefert worden. Mit einem Autokran werden die Stahlbauteile gehalten, zeitweise auf Hilfsstützen abgelegt und zusammengeschweißt, dann folgt der Korrosionsschutz – und im Oktober der erste Verschub des Bogenteils. Projektleiter Günther Funke erklärt damals in einer Bürgerversammlung: Wir schieben das Bogenteil quasi nach und nach vor uns her und können dann die einzelnen Brückenfelder betonieren.« Ab der Mitte der Weser übernehme ein Autokran auf Lauenförder Seite und lege die Brücke auf den Vorbauschnabel. »Das passiert zweimal und dann wird Weihnachten sein.«

Mammutprojekt: Bau der Beverunger Weserbrücke

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Im Januar 2019 dann „Eiszeit“ auf der Brücke, aber Frost ist nicht so schlimm wie Hochwasser und deshalb laufen hinter Zeltplanen die Arbeiten weiter.

Sperrung und Abriss

Am 11. Juni wird die Brücke voll gesperrt. Autofahrer müssen jetzt die bekannte Umleitung über Würgassen fahren, Fußgänger können die Weser auf der neuen Brücke überqueren.

Spektakulär wird es dann am 17. Juli. Am Dienstag nach Schützenfest wird die alte Weserbrücke abrissen. Mehrere dutzend Schaulustige verfolgen die Arbeiten. Bögen „schweben“ durch die Luft und werden am Boden in Einzelteile zerlegt. Die alte Weserbrücke ist Geschichte

Querverschub

Ad acta gelegt wird auch der erste Termin für den Querverschub der Brücke im Februar 2020. Wieder ist es das Hochwasser, das die Pläne durchkreuzt. Auch der zweite Termin kommt nicht zustande. Der Querverschub der Weserbrücke gilt als logistischer Höhepunkt und spannender Abschluss der Baustelle. 4000 Tonnen Gewicht gilt es zu bewegen, 18 Meter weit flussaufwärts muss die Stahlkonstruktion geschoben werden, dafür braucht es 400 Tonnen Zugkraft. Am 7. Mai ist es dann soweit: Mit sechs Hydraulikzylindern wird die 200 Meter lange Brücke auf die neuen Pfeiler gezogen. Ein Supervisor von einer entsprechenden Fachfirma aus der Schweiz ist auf der Brücke Herr über die drei Hydraulikzylinder auf den sechs Achsen, die über Druckleitungen mit den Litzenhebern verbunden sind. Pro Achse überwachen zwei Leute den Verschub von unten. Alles läuft „glatt“ im wahrsten Sinne des Wortes, nach acht Stunden hat die gut 13 Millionen Euro teure Brücke ihren endgültigen Standort erreicht. Gefeiert werden darf auf der Baustelle – wegen Corona – nicht.

Weserufer wird neu gestaltet

Corona verhinderte jetzt auch ein großes Einweihungsfest unter Beteiligung der Bevölkerung. Dazu schrieb der Landesbetrieb: „Vor wenigen Wochen erst ist die Weserbrücke zwischen Beverungen und Lauenförde mit hohem technischen Aufwand an ihren Platz geschoben worden – jetzt steht die offizielle Freigabe des Ersatzneubaus an. Mit der Fertigstellung des Brückenbauwerkes wird eine wichtige Verkehrsverbindung in der Region wieder nutzbar.“

Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm hofft, das Fest im nächsten Jahr nachholen zu können – zusammen mit der Einweihung des dann neu gestalteten Weserufers.

Brücken-Historie

1902 wurde die erste Weserbrücke eröffnet. Am 7. April 1945 sprengten zurückweichende deutsche Truppen der Wehrmacht die Brücke. Das noch nicht einmal 45 Jahre lang genutzte Bauwerk sank in die Weser. Die Druckwelle der viel zu stark dimensionierten Explosion ließ die Glasscheiben zahlreicher Gebäude, unter anderem der evangelischen und katholischen Kirche, zerbersten. Krankenhaus und Elektrizitätswerk wurden erheblich beschädigt, der Betriebsleiter des E-Werks verletzt. Bereits eine halbe Stunde später rückten amerikanische Panzer in Beverungen ein, die nationalsozialistische Herrschaft war damit für die Weserstadt endgültig zu Ende, heißt es in »Die Geschichte der Stadt Beverungen« von Ralf Günther.

Bereits 1949 wurde mit dem Bau der neuen Weserbrücke begonnen, die am 14. Mai 1950 eingeweiht wurde. Zwischen 1964 und 2004 waren immer wieder Erhaltungsmaßnahmen nötig, darunter neue Anstriche und Fahrbahnübergänge. 2003/04 wurde die Brücke aufwändig saniert.

Beim Bau der neuen staunten die Ingenieure, dass sie noch zwei Pfeiler der ersten Brücke vorfanden.

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