2,30 Meter hohe Nepomuk-Statue aus Wesersandstein aufgestellt
Beverungen hat einen Brückenheiligen

Beverungen (WB). Es ist alles glatt gelaufen, der Brückenheilige Nepomuk hat seinen Platz auf der Beverunger Weserbrücke gefunden. „Am Montag war ich noch mit dem Meißel dran“, sagt der Willebadesser Bildhauer Raphael Strauch, als er am Dienstag nach Abschluss der Arbeiten sein Werkzeug zusammenpackt.

Dienstag, 18.08.2020, 22:09 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 22:40 Uhr
Raphael und Kirsten Strauch ist nach der erfolgreichen Aufstellung der Nepomuk-Statue ebenso ein Stein vom Herzen gefallen wie Initiator Rudolf Höcker (rechts). Er sieht den Heiligen als Brückenbauer zwischen Beverungen und Lauenförde. Foto: Alexandra Rüther
Raphael und Kirsten Strauch ist nach der erfolgreichen Aufstellung der Nepomuk-Statue ebenso ein Stein vom Herzen gefallen wie Initiator Rudolf Höcker (rechts). Er sieht den Heiligen als Brückenbauer zwischen Beverungen und Lauenförde. Foto: Alexandra Rüther

Drei Monate reine Arbeitszeit stecken in der 2,30 Meter hohen und 1,6 Tonnen schweren Figur aus hellrotem Wesersandstein. „Mit den groben Arbeiten habe ich aber schon im Januar begonnen“, berichtet Strauch. Er habe den Steinblock von 4,2 auf 2,5 Tonnen „herunter gearbeitet“, um ihn überhaupt in sein Atelier zu bekommen. „Zunächst hat man große Schutthaufen in kurzer Zeit und je weiter die Arbeit fortschreitet, desto länger arbeitet man an einer Hand voll Schutt“, beschreibt er. Und um dann wirklich pünktlich fertig zu werden, arbeitet Strauch auch schon mal 18 Stunden am Tag.

Der Umgebung angepasst

Jetzt ist er zufrieden. „Ich denke, er hat die richtigem Proportionen für diesen Standort“, sagt er. Ihm war es nicht nur wichtig, die Figur ihrer Umgebung entsprechend zu gestalten, sondern die Heiligenfigur auch in die Moderne zu übertragen. So trägt der Beverunger Nepomuk zwar die üblichen Attribute wie

Palmzweig und Kreuz. Der Faltenwurf des Chorgewandes aber habe er abstrahiert und den Blick des Heiligen bewusst auf die Menschen gerichtet und nicht gen Himmel. Einzigartig wird die Statue zudem durch das, was sie in der rechten Hand hält: die Prager Karlsbrücke.

Finanzierung gesichert

Auch Rudolf Höcker ist am Dienstag ein großer Stein vom Herzen gefallen, als er sich bei Raphael Strauch für die „tolle Arbeit“ bedankte. Vor vier Jahren hatte er zum ersten Mal von seinen Plänen berichtet, die Statue bauen und rein durch Spenden finanzieren lassen zu wollen. Das mit der Finanzierung hat sich als schwierig herausgestellt, mittlerweile fehlten aber lediglich die 16.000 Euro für den Sockel. Den Rest des Geldes, etwa 60.000 Euro, habe er mit Hilfe der Länder NRW und Niedersachsen, Stiftungen, Banken, Kyffhäuser, der Kirche, des Heimat- und Verkehrsvereins und durch Privatspenden zusammen bekommen. Höcker sieht den Brückenheiligen vor allem als „Brückenbauer“ – durch seinen Standort, mit seiner Blickausrichtung von Beverungen nach Lauenförde, von Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen, von West nach Ost, von seinem Standort an der Beverunger Burg aus dem Jahr 1348 auf die neue Stabbogenbrücke von 2020.

„Für die vielen Tausend Radfahrer, die jedes Jahr bei uns unterwegs sind, wird er sicher ein touristischer ‚Hingucker‘ und häufiges Fotomotiv werden“, ist Höcker sicher. Und: „Die mehrfache Übereinstimmung der Jahreszahl 1348 mit dem ungefähren Geburtsjahr Nepomuks, dem Bau der heutigen Wohnburg Beverungen und der ersten urkundlichen Erwähnung von Lauenförde machen den Nepomuk in Verbindung mit seinem Standort zu einem Unikum unter allen aufgestellten Figuren überhaupt.“

Johannes von Nepomuk

Johannes von Nepomuk (ca. 1348-1393) war zu Lebzeiten Kleriker, Notar, Vorstand, Priester, Rektor, Doktor des Kirchenrechts und Generalvikar des Prager Erzbischofs. Er ist Patron von Böhmen/Tschechien, von Bayern, des Hauses Habsburg, der Jesuiten, der Priester, der Beichtväter, der Brücken und Brückenbauer, der Schiffer, Flößer, Müller, „einer guten Sterbestunde“ und für Verschwiegenheit.

Ohne Gerichtsverhandlung wurde er in Prag auf Veranlassung des deutsch-böhmischen Königs Wenzel IV. (1361-1419) gefoltert und nachts gefesselt in die Moldau geworfen. Es handelte sich um einen Justizmord. Bereits vor seiner Seligsprechung 1721 und Heiligsprechung 1729 war er in Westfalen und weit darüber hinaus in Süddeutschland, Österreich, Ungarn, Polen verbreitet. Er war quasi der Popstar unter den Heiligen in der Barockzeit im katholischen Kerneuropa und damaligen Staatsgebiet der Habsburger. Das aber ist inzwischen weitgehend vergessen, auch wenn er noch heute nach Jesus und Maria der dritthäufigste Heilige im öffentlichen Straßenraum ist.

Die Segnung des Heiligen soll aufgrund der aktuellen Gegebenheiten im Oktober erfolgen.

Kommentare

Hans-Jürgen Pagendarm  schrieb: 20.08.2020 17:44
Schöne Skulptur mit schlechtem Standort
Eine schöne einfache Skulptur, gefällt mir gut, nur warum ihr Sockel so unkultiviert vor die Mauer gestellt wurde Architektonisch und künstlerisch eine Katastrophe. Sie hätte freistehend in den den Verlauf der Mauer eingearbeitet werden müssen. Schön wären auch zwei unterschiedliche Skulpturen gewesen. Die zweite Skulptur auf Lauenförder Seite und beide leicht schräg arrangiert, so dass sie Blickkontakt halten. Wirklich schade ....
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7540764?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851039%2F
Was ab Montag in NRW erlaubt ist
Als eine Lockerung der Corona-Auflagen erlaubt NRW ab Montag, dass der gesamte Einzelhandel wieder öffnen darf. In die Geschäfte kommen die Kunden aber nur mit Termin und für eine begrenzte Zeit. Call (oder Click) and Collect ist schon jetzt erlaubt – wie hier in der City der hessischen Stadt Offenbach.
Nachrichten-Ticker