BI „Atomfreies Dreiländereck“ organisiert Demo vor der Stadthalle Beverungen parallel zur Infoveranstaltung der BGZ
„Wir sind mehr!“

Beverungen (WB). Während die BGZ in der Beverunger Stadthalle über das von ihr in Würgassen geplante Logistikzentrum/Bereitstellungslager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll informiert, formieren sich die Gegner des Projektes unterhalb der Stadthalle auf dem Hakel. „Wir sind mehr! Wir lassen Euch hier nicht her!“, skandieren die Teilnehmer, viele mit dem für Widerstand und Würgassen stehenden gelben „W“ ausgestattet. „Ich habe 300 Personen angemeldet und hoffe auf 500, die zu uns stoßen“, sagt Dirk Wilhelm im Vorfeld.

Mittwoch, 23.09.2020, 05:57 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 06:01 Uhr
Der Vorstand der Bürgerinitiative in der Pressekonferenz im Vorfeld der Demo (von links): Hubertus Hartmann, Edith Götz, Dirk Wilhelm und Prof. Dr. Dr. Martin Hörning. Foto: Alexandra Rüther
Der Vorstand der Bürgerinitiative in der Pressekonferenz im Vorfeld der Demo (von links): Hubertus Hartmann, Edith Götz, Dirk Wilhelm und Prof. Dr. Dr. Martin Hörning. Foto: Alexandra Rüther

Kompromisse verbieten sich

Wilhelm ist Vorsitzender des Vereins „Atomfreies Dreiländereck“ und kritisiert das „rücksichtslose Vorpreschen“ der BGZ, die – ungeachtet der vielen Resolutionen sowie der gewaltigen Zahl der Gegner – ausschließlich in den Standort Würgassen investiere, um das Vorhaben entgegen aller Einwände seitens der politischen Vertreter aus der Region und der Kritik der Bürgerinitiative (BI) zu forcieren. „Dass trotz der offenkundigen Standortmängel und unter Missachtung der Vorgaben der hoch dotierten Entsorgungskommission (ESK) des Bundes weiter am Standort Würgassen festgehalten wird, ist inakzeptabel“, ruft Wilhelm den Demonstranten zu. „Bei der Suche nach dem am besten geeigneten Standort verbieten sich Kompromisse.“

Atommüll: Große Demo vor der Stadthalle Beverungen

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In der Stadthalle findet die Bürgerinitiative an diesem Tag kein Gehör. Anders als bisherige Veranstaltungen, die zumeist als Podiumsdiskussionen angelegt waren, hat die BGZ gestern alleine informiert und damit den wegen Corona ausgefallenen Termin vom 18. März nachgeholt. Bürgermeister Hubertus Grimm hatte bei der BGZ angeregt, die Bürgerinitiative einzuladen, doch das ist nicht geschehen. Grimm versprach jedoch, die Ablehnung und Kritik, in der sich BI, Stadt und Region einig sind, im Saal vorzutragen.

Fakten und Sachargumente

Vorher spricht er auf der Demo und dankt der BI, „in der sich engagierte Menschen zusammen getan und viele Fakten und Sachargumente gesammelt haben und diese immer der BGZ und der Öffentlichkeit präsentieren. Ihre Beharrlichkeit trägt ganz wesentlich dazu bei, dass wir als Region inzwischen auch in Berlin wahrgenommen werden “, so Grimm.

Neben dem Bürgermeister spricht auch Tim Vollert von „Fridays for Future“ zu den Demonstranten. Die müssen sich in Listen eintragen und Masken tragen. Überwacht werden die Corona-Auflagen von Ordnungsamt und Polizei. „Wir sind mit ausreichend Personal hier, um auf eventuelle Zwischenfälle reagieren zu können“, sagt Polizei-Einsatzleiter Johannes Thonemann. „Aber OWL ist nicht militant“, bleibt er entspannt.

Unterdessen richtet sich die Kritik der BI vor allem auf die von der BGZ gelobten logistischen Bedingungen in Würgassen . Der direkte Gleisanschluss hier gilt gar als Alleinstellungsmerkmal. Aber: Dieser Gleisanschluss ist seit Jahren still gelegt und überwuchert. „Ein schönes Fotomotiv in Sachen Lost Places“, scherzt Prof. Hörning.

Berechnungsfehler der BGZ

„Bis zum aktiven Gleisanschluss sind es 1,3 Kilometer – genau so viel also wie am Standort Braunschweig und nicht null Kilometer, wie die BGZ über Würgassen sagt und 1,9 Kilometer, wie die BGZ über Braunschweig sagt“, rechnet Edith Götz vor. In der Summe sorgten diese Berechnungsfehler der BGZ dafür, dass Würgassen vom ersten auf den letzten Platz im Ranking falle. Und: „Die von der ESK geforderte Zweigleisigkeit plus Schwerlasttauglichkeit ist einfach nicht da. Punkt!“, unterstreicht Wilhelm. Die Standortauswahl müsse bei Null beginnen.

Unterstützung erwartet sich die BI jetzt aus einem Gutachten, das sich mit der Bewertung der Standortfindung befasst.

Erarbeitet wird es von Siegfried de Witt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht aus Potsdam, und Prof. Dr. Karsten Runge, OECOS GmbH Hamburg.

Nach einer ersten Sichtung der Unterlagen und Informationen sagen die beiden: „ (...) Bereits nach einer ersten Sichtung der Unterlagen ist jedoch zweifelhaft, ob das Auswahlverfahren objektiv und gemäß den gebotenen wissenschaftlichen Anforderungen erfolgte. Die vorliegenden Gutachten sind unzureichend und die Bewertungen erscheinen voreilig. Wenn ein Vorhabenträger seine Standortauswahl als ‚alternativlos‘ darstellt, ist stets Skepsis geboten. (...) Offenbar soll Druck auf politische Entscheidungsträger ausgeübt werden. Wir werden davon unbeeindruckt alle Einzelschritte der Standortsuche untersuchen.“

Die letzte große Protestveranstaltung der Bürger war Anfang September – mit einer Sternfahrt über die neue Weserbrücke gegen das Zwischenlager in Beverungen-Würgassen.

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