130 Zuhörer beim nachgeholten Info-Abend zum Atommüll-Bereitstellungslager Würgassen
BGZ eröffnet Büro in Beverungen

Höxter (WB). 130 Zuhörer haben an dem lange erwarteten Informationsabend der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) in der Stadthalle Beverungen teilgenommen. Eine Großveranstaltung mit 1000 Zuhörern, wie die Stadt sie gerne gesehen hätte, war wegen der Hygieneauflagen der Corona-Pandemie lange nicht möglich. Und so gab es einen Podiumsabend mit vielen Informationen, aber auch reichlich kritischen Beiträgen zum geplanten Logistiklager für mittel- und leichtbelasteten Atommüll in Würgassen. Die Demo mit 300 Teilnehmern war durch die Stadthallenfenster parallel mitzuverfolgen. Einige Atommüllgegner saßen auch im Publikum, wo überraschend etliche Stühle leer geblieben waren.

Mittwoch, 23.09.2020, 19:01 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 10:18 Uhr
130 Zuhörer haben an der BGZ-Veranstaltung in der Stadthalle Beverungen teilgenommen. Einige Plätze sind unbesetzt geblieben. Neben fachlichen Erläuterungen sind auch die Fragen aus dem Publikum beantwortet worden. Foto: Michael Robrecht
130 Zuhörer haben an der BGZ-Veranstaltung in der Stadthalle Beverungen teilgenommen. Einige Plätze sind unbesetzt geblieben. Neben fachlichen Erläuterungen sind auch die Fragen aus dem Publikum beantwortet worden. Foto: Michael Robrecht

„Dialog ist uns sehr wichtig“

Atommülllager Würgassen: Info-Abend der BGZ in Beverungen

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„Der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort ist uns sehr wichtig“, sagte BGZ-Geschäftsführer Dr. Ewold Seeba. Seeba, Christian Möbius (Generalbevollmächtigter Logistikzentrum für das Endlager Konrad bei Salzgitter) und Dr. Heinz-Walter Drotleff (Bereichsleiter Logistikzentrum Konrad) stellten das Projekt umfassend vor. In der von TV-Journalistin Sara Bildau moderierten Diskussion und in der Pressekonferenz vor der Saalveranstaltung gingen die Vertreter der BGZ auf eine Reihe von Behauptungen ein, die Kritiker des Vorhabens seit März aufgestellt hatten.

Ewold Seeba erläuterte, es sei nachvollziehbar, dass ein Vorhaben wie das Logistikzentrum vor Ort auf Skepsis und Kritik stoße. „Wir hoffen aber, dass wir mit sachlicher Information und offenem Dialog vermitteln können, warum das Logistikzentrum notwendig ist und welchen Beitrag es zur zügigen Umsetzung des Atomausstiegs leistet“, erklärte Seeba. Die BGZ werde künftig regelmäßig und transparent zum Stand der Planungen informieren und vor Ort das Gespräch mit den Menschen suchen. Dies sei ab dem vierten Quartal 2020 auch im neuen BGZ-Büro in der Innenstadt von Beverungen möglich.

„Venedig-Lösung“

Dr. Seeba trug neben den schon mehrfach präsentierten technischen Detailplänen (450 Millionen Euro Baukosten für eine 325 Meter lange massive Lagerhalle) auch einige neue Planungen vor. So soll das Riesengebäude auf Pfählen errichtet werden („Venedig-Lösung“). Stresstests wegen Flugzeugabstürzen würden im Vorfeld gemacht. Die Container für das Lager, die keine Auswirkungen auf die Umwelt haben und sogar eigene Stoßdämpfer besitzen, sollen überwiegend per Zug angeliefert werden. Aber auch Lkw-Transporte wird es nach Würgassen geben. Zu vielen Streitpunkten in der Debatte um das Logistikzentrum für Schacht Konrad hat die BGZ einen Faktencheck veröffentlicht, der als Download bereit steht.

Derzeit wird das stillgelegte Eisenerzbergwerk Schacht Konrad durch die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zum Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll ausgebaut. Dieses Endlager soll 2027 fertiggestellt sein. Das sei so genehmigt. Um die dort benötigten Abfallbehälter passgenau nach Bedarf anliefern zu können, sei es nötig, diese Container zuvor in einem zentralen Logistikzentrum – eben in Würgassen – zu entsprechenden Chargen zusammenzustellen.

Lager Würgassen bis 2057

Dr. Seeba bezeichnete sich als Kernkraftgegner. Die BGZ habe den Auftrag, den schwach- und mittelschwer radioaktiven Müll für die dauerhafte Einlagerung vorzubereiten. Man sei das Gegenteil von Atomlobby. Der Müll müsse unter die Erde. In Würgassen werde kein neues Kernkraftwerk gebaut, sondern die Reste der Kernenergienutzung müssten endlich beseitigt werden. Das vorzubereiten, sei sein staatlicher Auftrag. 2022 würden die letzten KKW abgeschaltet, 2027 beginne die Müll-Einlagerung in Schacht Konrad. „Wir müssen die Hinterlassenschaft aus 13 KKW-Standorten entsorgen. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte Seeba. Der Geschäftsführer sprach sich gegen eine Dramatisierung der Gefahren durch die Container aus, die schon jetzt täglich als 30-Tonnen-Behälter durchs Land transportiert würden. In Würgassen gebe es längst ein Zwischenlager mit 10.000 Fässern. Seeba unterstrich erneut, dass das neue große Lager nur bis 2057 betrieben werden solle.

 

O-Ton Dr. Seeba:

Zu den Befürchtungen der Menschen im Dreiländereck: „Die Menschen hören von atomaren Abfällen. Sie haben die Bilder von Tschernobyl, Fokushima, Castoren und Brennelementen vor Augen. Ein Zentrales Bereitstellungslager für das Endlager Konrad ist aber etwas völlig anderes.“

Zum BI-Motto : „Die BI hat sich den Slogan ausgegeben: Kein atomarer Dreck im Dreiländereck. Ich sage: Kein Dreck in keinem Eck.“

Zur Standortempfehlung: „Es sind viele Grundstücke abgefragt worden, auch von Bahn und Bundesimmobiliengesellschaft. Das Gleis und die Güterverkehrstauglichkeit in Würgassen waren aber ein wichtiger Punkt. Dann hat das Ökoinstitut Würgassen dem Bundesumweltministerium empfohlen. Wir sind mit den Voruntersuchungen und Datenerhebung ganz am Anfang des Verfahrens, bevor im 2. Halbjahr 2021 das Genehmigungsverfahren überhaupt eingeleitet wird. Nur wenn die Prüfung ergibt, dass die Fläche genehmigungsfähig ist, kann das Lager in Würgassen geplant werden.“

 

Kommentar

Wo sind Fledermäuse, Schlingnattern und Kammmolche, wenn man sie braucht? Der Satz drückt eine Desillusionierung aus, wenn man realistisch einordnet, wie weit Planungen und Vorentscheidungen für den Bau der Atommüll-Lagerhalle in Würgassen längst sind. Formal natürlich nicht, denn es wird ja gerade erst mit den Prüfungen begonnen. Aber: Der Atommüllzug fährt, ziemlich schnell sogar. Jahrelange Verzögerungen durch politisches Kleingetier sind beim 450-Millionen-Euro-Projekt – anders als bei der B64/83 – nicht zu erwarten. Die BGZ hat sachlich informiert. Gut so. Niemand kann sagen, im Internet gebe es nicht genug Details zu lesen. In diesem Fall erhöht die Transparenz aber nicht die Akzeptanz. Da helfen weder ein schönes Büro in Beverungen noch 25 Info-Abende. Die Mehrheit der Menschen im Weserbergland will den Atommüll schlichtweg nicht! Michael Robrecht

 

Kommentare

Gisela Koch  schrieb: 24.09.2020 09:42
Lager in Würgassen
In der Sendung Frontal 21 am Dienstag 22. September wurde über die
Problmatik " Wohin mit dem Atommüll" berichtet.
Hier in Beverungen berichtet die BGZ dass das Endlager Konrad genehmigt ist und bereits ausgebaut wird.
Allerdings wurde in der o.g. Sendung etwas anderes berichtet. Auch hier
steht alles noch in den "Sternen".
Laut der Politik soll ergebnisoffen, transparent und unter Beteiligung der Bevölkerung
ein Endlager gesucht werden, welches bis heute noch gar nicht gefunden wurde und
noch sehr fraglich ist.
Auch in Gorleben hat der Graf von Bernstorff noch ein Wörtchen mitzureden. Also
Gorleben ist als Endlager nicht sicher lt. dieser Sendung.
Wie kann man dann mit Gewissheit sagen, dass 2057 dieses Zwischenlager
Geschichte ist.
Die Befürchtung, dass dieses Lager ein Endlager werden könnte ist wahrscheinlich,
sogar realistisch, da kein Ministerpräsident ein Endlager in seinem Land haben möchte.

Gisela Koch
Am Kapellenberg 26
37688 Beverungen




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