Führungsteam des Vereins “Atomfreies Drei-Ländereck“ will Mitgliederversammlung
Vorstand stellt Vertrauensfrage

Beverungen-Würgassen -

An sich hatte sich der Verein „Atomfreies Drei-Ländereck“ gegründet, um den Plan, auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes Würgassen ein so genanntes Bereitstellungslager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll entstehen zu lassen zu verhindern. Statt dessen gibt es Zwistigkeiten untereinander.

Dienstag, 19.01.2021, 06:07 Uhr aktualisiert: 19.01.2021, 06:10 Uhr
Blick auf das ehemalige Kernkraftwerk in Würgassen: Hier soll ein Logistikzentrum für schwach- und mittelradioaktive Abfälle entstehen. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative, in der es derzeit aber viel Krach gibt.
Blick auf das ehemalige Kernkraftwerk in Würgassen: Hier soll ein Logistikzentrum für schwach- und mittelradioaktive Abfälle entstehen. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative, in der es derzeit aber viel Krach gibt. Foto: Harald Iding

Der amtierende Vorstand zieht jetzt die Reißleine und beruft am kommenden Freitag, 22. Januar, nur wenige Wochen nach der jüngsten außerordentlichen Mitgliederversammlung eine weitere ein.

„Ich bin seit 20 Jahren in mehreren Vereinen aktiv. Noch nie habe ich es erlebt, dass ein Vorstand, der nachweislich gut gearbeitet hat, mit Kritik überhäuft und beschimpft wird – in beleidigender und in der Sache meist ungerechtfertigter Art und Weise“, erklärte Vorstandsmitglied Professor Dr. Dr. Martin Hörning am Montag in einer Pressekonferenz. Jetzt sei ein Punkt erreicht, wo der Vorstand sich einig sei, dass es so nicht weitergehen könne.

Angesichts der Massivität der Anfeindungen sei es an der Zeit, die Vertrauensfrage zu stellen. Professor Hörning: „Da das Vereinsrecht das – im Gegensatz zur Politik – so nicht vorsieht, bleibt dem Vorstand nichts anderes übrig, als eine Mitgliederversammlung einzuberufen.“ An deren Ende werde der Rücktritt des gesamten Vorstandes stehen.

Gewählt wird das neue Führungsteam anschließend per Briefwahl. Alle stimmberechtigten Mitglieder sollen die Möglichkeit erhalten, sich daran zu beteiligen.

Vorwürfe erhebt der aktuelle Vorstand insbesondere gegen den ehemaligen Vorsitzenden Dirk Wilhelm. Dieser habe die ehemalige Facebook-Seite des Vereins „gekapert“ und nutze diese jetzt privat für seine Zwecke. Diese Seite sei auch Schauplatz zahlreicher Anfeindungen. „Ohnmächtig haben wir mit ansehen müssen, wie dort Diskussionen entstanden sind, bei denen Inhalte nicht der Wahrheit entsprochen haben“, führte Professor Martin Hörning aus. Der Verein habe daraufhin eine eigene Facebook-Seite erstellt.

Wie Dirk Wilhelm auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTES erklärte, habe er die Facebook-Seite nicht gekapert. „Es handelt sich um eine Facebook-Gruppe, und die ist an meinen privaten Facebook-Account gebunden. Das habe ich damals nicht besser gewusst“, erläuterte Wilhelm das Problem, die Gruppe nicht einfach weitergeben zu können. Er habe in der Beschreibung aber ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um die ehemalige Gruppe des Vereins handele.

„Alle 855 Mitglieder dieser Gruppe wissen, was da geschrieben wurde und was nicht. Ich lade zudem jeden dazu ein, die Seite zu besuchen, um sich den Werdegang anzusehen“, kommentiert Wilhelm den Vorwurf, in der Gruppe werde gegen den Vorstand gehetzt. „Da erübrigt sich dann eigentlich jeder Kommentar meinerseits“, sagt der Drenker.

Weiter wolle er sich – wie unmittelbar nach dem Rücktritt auch – nicht äußern. „Ich bitte darum, im Sinne der Sache nach vorne zu schauen und das zu sehen, was wir haben. Was wir haben ist, dass wir seit dem 4. Oktober – von mir und später vom Vorstand auch massiv beworben – 230 wahlberechtigte Vereinsmitglieder haben“, erklärte Dirk Wilhelm. Diese hätten Ende der Woche die Möglichkeit, aus ihren eigenen Reihen heraus demokratisch einen Vorstand zu wählen. Dirk Wilhelm ist fest davon überzeugt, dass es diese Entwicklung ohne seinen und den Rücktritt von Kassiererin Katrin Meyer im Oktober nicht gegeben hätte.

In einem Grundsatzpapier, das er auf Facebook veröffentlicht habe, seien Pläne aufgeführt, den begonnenen Prozess der Demokratisierung noch weiter zu fassen. Zu lesen ist dort auch, dass zu seinem Team neben ihm Katrin Meyer, Martin Ahlborn, Martin Hoppe, Paul Weskamp, Rainer Lenzing und Thorsten Schäfer gehören.

Wer vom gegenwärtigen Vorstand bei der Wahl antreten wird, stand am Montag noch nicht fest. Wie Professor Dr. Dr. Martin Hörning erläuterte, werde nicht in Blöcken gewählt. Es werde eine Persönlichkeitswahl geben.

Diese wird nun etwas anders ablaufen als zunächst geplant. Die bisher verschickten Links zum Online-Konferenzdienst „Zoom“ haben keine Gültigkeit mehr. Stimmberechtigte Mitglieder bekommen einen neuen Zoom-Link zugesandt. Die Fördermitglieder bekommen einen Youtube-Link, mit dem sie ebenfalls an der Mitgliederversammlung teilnehmen können. Eine Mikrofonnutzung soll nicht möglich sein. Die Kommunikation auf beiden Kanälen soll über die Chat-Funktion ermöglicht werden.

„Es wäre gut, wenn Interessierte sich deutlich vor Beginn der Veranstaltung einloggen, am besten schon um 18.30 Uhr“, bittet Professor Dr. Dr. Martin Hörning. Das sei notwendig, da das Abgleichen von Mitgliedslisten mit den Teilnehmern erfolgen müsse. Anmeldungen seien zudem nur mit Klarnamen möglich, damit Rechtssicherheit herrsche.

Die will der Vereinsvorstand auch bei der im Anschluss an die Versammlung anstehende Briefwahl anstreben. Er hofft daher, dass dem Antrag auf die Einrichtung einer unabhängigen Wahlkommission zugestimmt wird.

Ferner sollen die Briefwahlunterlagen einem unabhängigen Notar zugesandt werden. „Wir wollen in jedem Fall vermeide in den Verdacht zu geraten, bei dieser Wahl werde in welcher Art und Weise auch immer manipuliert“, erklärte Professor Martin Hörning.

Vorstandsmitglied Hubertus Hartmann erklärte: „Wir stellen uns demokratischen Wahlen. Und wenn die Mitglieder einen neuen Vorstand wollen, dann ist das so.“

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