Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland kämpft jetzt auch gegen Atommülllager in Würgassen
„Boden nicht gut untersucht“

Beverungen-Würgassen -

Vor 30 Jahren hat die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ erfolgreich eine Giftmülldeponie bei Körbecke verhindert. Jetzt kämpft sie erneut – und zwar gegen das geplante Zwischenlager für Atommüll in Würgassen. Mit an Bord: Ehemalige Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative gegen den atomaren Dreck im Dreiländereck. Professor Martin Hörning, Hubertus Hartmann, Edith Götz und Heinrich Wenisch haben in der Bördeland-BI eine neue Heimat gefunden, nachdem sie bei den jüngsten Vorstandswahlen der Dreiländereck-BI nicht mehr angetreten waren.

Donnerstag, 25.03.2021, 19:09 Uhr aktualisiert: 25.03.2021, 20:08 Uhr
Kämpfen gegen das Atomlager (von links): Heinrich Wenisch, Hubertus Hartmann, Josef Jacobi, Edith Götz, Professor Martin Hörning und Rainer Mues.
Kämpfen gegen das Atomlager (von links): Heinrich Wenisch, Hubertus Hartmann, Josef Jacobi, Edith Götz, Professor Martin Hörning und Rainer Mues. Foto: Marius Thöne

Dass die Bördeland-BI ihre Aktivitäten auf das Wesertal ausdehnt, kommt nicht von ungefähr. Vorstandsmitglied und Biobauer Josef Jacobi (75) hat schon nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 unbrauchbar gewordene Lebensmittel vor das Tor des damals in Betrieb befindlichen Kernkraftwerks Würgassen gekippt. „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren“, gab Jacobi bei der Vorstellung der Aktivitäten am Donnerstagvormittag auf Burg Herstelle als Motto aus.

Es gehe nicht darum, Verantwortung für ein gesamtgesellschaftliches Problem abzuschieben. „Wir können unseren Atommüll ja nicht nach Russland exportieren“, sagte der Landwirt. Allerdings werde bei den Planungen für das Zwischenlager „nicht nach Recht und Gesetz gearbeitet“. Der Standort Würgassen sei eine politische Entscheidung gewesen und erst danach seien die Kriterien „passend gemacht worden“. Das Konzept der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlager (BGZ) für Würgassen sei fragwürdig. Hier stecke eine Bundesbehörde viel Steuergeld in eine Planung, die ohnehin nicht haltbar sei. Untermauert wurde die These von Dr. Claus Schubert, Geologe aus Hofgeismar. Er hat das von der BGZ in Auftrag gegebene Bodengutachten analysiert und kommt zu dem Ergebnis, dass es nicht den anerkannten Regeln entspricht.

Nicht ausreichend berücksichtigt worden seien Gefahren, die von Hohlräumen in bis zu 800 Meter tiefen Salz- oder Gipsschichten ausgehen könnten. Schubert wies in diesem Zusammenhang auf so genannte Erdfälle hin. „Dann tut sich unter Ihnen die Erde auf und es bildet sich eine Senke“, erläuterte Schubert. Die könnten auch ein großes Gebäude wie das Zwischenlager in Schieflage bringen. Die Region sei als Erdfallgebiet bekannt, verwies Schubert auf den „Nassen Wolkenbruch“ bei Trendelburg. Er kritisierte ebenso wie auch andere Vertreter der BI den beschönigenden Sprachgebrauch der BGZ. „Hier entsteht kein Logistikzentrum für Taschentücher oder Gummibärchen“, sagte der Experte, sondern ein Lager für radioaktiven Sondermüll.

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