Thomas Küster aus Natzungen hilft leistungsschwachen Schülern
Spaß am Lernen vermitteln

Borgentreich (WB). »Ein schlechtes Zeugnis ist die Voraussetzung, um am Vespa-Projekt teilzunehmen«, berichtet Sprachwissenschaftler Thomas Küster. Er bietet in der alten Schule in Borgentreich-Natzungen ein Programm zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung an.

Dienstag, 30.01.2018, 13:02 Uhr aktualisiert: 30.01.2018, 13:10 Uhr
Sprachwissenschaftler Thomas Küster vermittelt den Jugendlichen beim Reparieren der alten Vespas, den Spaß am Lernen. Auch Stieftochter Lisa Sachse (17) und Sohn Jerome Frederic (12) schrauben gerne mit. Foto: Michaela Weiße
Sprachwissenschaftler Thomas Küster vermittelt den Jugendlichen beim Reparieren der alten Vespas, den Spaß am Lernen. Auch Stieftochter Lisa Sachse (17) und Sohn Jerome Frederic (12) schrauben gerne mit. Foto: Michaela Weiße

Durch ein praxisorientiertes Projekt möchte der 44-Jährige nun leistungsschwachen Schülern den Spaß am Lernen vermitteln.

Dabei setzt Thomas Küster vor allem auf Praxis statt Theorie. »Mathe kann man zum Beispiel anwenden, um das Mischungsverhältnis von Lack auszurechnen«, sagt Küster, der auch als Dozent an der Uni Gießen arbeitet. So hat der begeisterte Hobby-Schrauber das Vespa-Projekt für Jugendliche ab 15 Jahren ins Leben gerufen.

Innerhalb eines Jahres bringen die derzeit acht Teilnehmer zwei schrottreife Vespa-Roller wieder in Schwung – und lernen ganz nebenbei noch etwas für die Schule und fürs Leben. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Gemeinsam Vespas restaurieren

An vier Samstagen haben sich die Jugendlichen bereits jeweils von 10 bis 16 Uhr in der alten Schule in Natzungen getroffen. Acht weitere Treffen folgen. Die alten Vespas, bei denen es sich um die Modelle PKXL 1 und 2 handelt, wurden bisher in ihre Einzelteile zerlegt.

»Diese Modelle wurden zwischen 1981 und 1996 gebaut. Es sind die letzten Blechvespas, die produziert wurden«, erklärt Küster, der eine große Leidenschaft für diese Fahrzeuge und selbst etwa 20 alte Vespas in der Garage stehen hat.

In der Gemeinschaft entscheiden die Jugendlichen, wie die Vespas hinterher aussehen sollen. »Zusammen machen sie sich Gedanken über die verschiedenen Details, wie zum Beispiel die Farbe des Lackes oder den Bezug des Sattels«, erzählt Küster. Das stärke die Teamfähigkeit.

Gefährt wird am Ende verlost

Ein ganz besonderer Anreiz, regelmäßig an den Treffen teilzunehmen, ist, dass am Ende des Projekts eine der beiden Vespas unter den Teilnehmern verlost wird. »Mit jeder Teilnahme erhöht sich die Chance, zu gewinnen«, erklärt Küster, der bevor er 2015 die alte Natzungener Schule kaufte, in Detmold lebte.

Pro Teilnahme erhalte der Jugendliche ein Los, erklärt Küster das Konzept. Aus dem Lostopf werde schließlich der Gewinner gezogen. Die Chance, am Ende des Projektes einen fahrbaren Untersatz mit nach Hause zu nehmen, sei eine weitere Motivation für die Jungen und Mädchen, regelmäßig an dem Projekt teilzunehmen.

Das Projekt soll den Schülern auch helfen, ihre Noten in der Schule zu verbessern. So haben sie mit Thomas Küster einen Ansprechpartner für alle schulischen Fragen. Zudem übt der Sprachwissenschaftler mit den Jugendlichen beispielsweise auch, Berichte zu schreiben.

Projekt hat noch Kapazitäten

»Außerdem kann das Projekt bei der beruflichen Orientierung helfen«, sagt Thomas Küster. Durch das Reparieren der Vespas könne unter anderem das Interesse für Technik und Elektrizität geweckt werden. In jedem Fall stärke es den Glauben an die eigenen Fähigkeiten, ist sich Thomas Küster sicher.

Das Projekt hat noch Kapazitäten, um weitere Jugendliche aufzunehmen. Auch junge Asylbewerber seien willkommen, betont Thomas Küster. Geschraubt wird an jedem drittem Samstag zwischen 10 und 16 Uhr in der alten Schule in Natzungen, Bühner Weg 2.

Die nächsten Termine sind am 10. Februar und am 3. März. Das Projekt endet im Juli. Weitere Infos und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme finden Interessierte im Internet auf: www.thomas-kuester.de

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