Do., 11.10.2018

Körbecker Josef Jacobi berichtet im Fernsehen von einer mutigen Aktion im Jahr 1989 Als ein Bauer die Panzer stoppte

Ein Dokument der Zeitgeschichte aus dem Jahr 1989: Der Körbecker Landwirt Josef Jacobi stellt sich britischen Panzern in den Weg und erzwingt mit seiner Aktion den Rückzug der Briten, die mit ihren Manöver-Fahrzeugen das Dorf durchqueren wollten.

Ein Dokument der Zeitgeschichte aus dem Jahr 1989: Der Körbecker Landwirt Josef Jacobi stellt sich britischen Panzern in den Weg und erzwingt mit seiner Aktion den Rückzug der Briten, die mit ihren Manöver-Fahrzeugen das Dorf durchqueren wollten. Foto: WDR

Von Ralf Benner

Borgentreich (WB). Ein willensstarker Landwirt hat im Herbst 1989 die britischen Militärmanöver in seinem Dorf entschlossen und auf westfälische Art beendet: Biolandwirt Josef Jacobi aus Körbecke stellte sich mit seinem Trecker mutig den britischen Panzern in den Weg.

Frisch geteerte Ortsdurchfahrt in Körbecke verteidigt

Seinen erfolgreichen Kampf gegen die Panzer, die mit ihren schweren Ketten die gerade erneuerte und frisch geteerte Ortsdurchfahrt in Körbecke zu ramponieren drohten, zeigt der WDR in der letzten Folge der Doku-Reihe »Unser Land in den 80ern«. Sie trägt den Titel »Freiheit – 1989«. Ausgestrahlt wird der Beitrag am Freitag, 12. Oktober, ab 20.15 Uhr im WDR-Fernsehen.

In den 80er Jahren, in den Zeiten des Kalten Krieges zwischen Ost und West, waren Einheiten der westlichen Alliierten auch im Warburger Land häufig zu sehen. »Hunderte von Panzern und Militärfahrzeugen durchquerten auf der Fahrt ins Manöver regelmäßig unser Dorf«, erinnert sich Josef Jacobi in dem Fernsehbeitrag des WDR an seine denkwürdige Aktion vor rund drei Jahrzehnten.

Panzer waren Dorfbewohnern ein Dorn im Auge

Die rollenden Panzer waren den Dorfbewohnern schon lange ein Dorn im Auge

Im WDR-Fernsehen berichtet der Körbecker Biolandwirt Josef Jacobi, wie er gemeinsam mit weiteren Bauern dafür sorgte, dass nie wieder ein britischer Panzer durch Körbecke fuhr. Foto: WDR

gewesen. Insbesondere nachts fuhren sich durchs Dorf. »Wir konnten nicht schlafen und unsere Kühe zitterten«, berichtet Josef Jacobi vom Unmut der Körbecker. Und wenn die Kühe zitterten, war für Jacobi der Spaß vorbei. Dazu kam, dass die Panzer auf manchen Wegen gar nicht fahren durften. »Wir saßen am Frühstückstisch, da kam ein Panzer ums Haus gefahren, das durfte er nicht, da bin ich rausgerannt. Da kamen bereits fünf weitere Panzer den Hohlweg runtergefahren. Ich bin denen entgegen gerannt und habe gewunken, die sollten nicht weiterfahren«, erzählt der Körbecker, der sich den Briten an einem nebeligen Morgen wagemutig in den Weg stellte: »Ich hatte wegen des Nebels ein wenig Angst, dass die mich überhaupt nicht sehen.«

Die Panzer aber wollten weiterrollen, geradewegs über die neue Ortsdurchfahrt, die noch gar nicht fertiggestellt worden war. Keine gute Idee der Briten. Denn was ist ein britischer Tank gegen einen ostwestfälischen Bauern mit einem Schlepper? Der Körbecker rief eilig weitere Bauern zur Hilfe, die mit ihren Treckern die einrollenden Panzer zuparkten.

Landwirte hielten die Blockade sechs Stunden aufrecht

Pech gehabt, hier kam kein Panzer mehr durch. »Ich stand vor dem Panzer und habe gesagt: ›Ich gehe hier nicht weg‹«, erinnert sich Josef Jacobi. Er zog den Schlüssel vom Trecker ab und holte weitere Nachbarn herbei – »damit ich nicht so alleine war«. Jacobi rief auch die Polizei herbei, die sollte die Personalien der Soldaten aufnehmen, doch die Polizeibeamten wollten zunächst den demonstrierenden Körbecker festnehmen – »weil ich was Falsches getan hätte«, berichtet Jacobi.

Die erzürnten Landwirte, die sogar verlangten, dass der damalige Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg nach Körbecke kommen solle, um sie in ihrem Kampf zu unterstützen, hielten die Blockade an diesem Tag sechs Stunden lang weiter aufrecht – und zwar solange, bis sie den Rückzug des Militärs erzwangen und sich ein britischer General bei ihnen entschuldigen musste. »Das ging mir runter wie Butter, es war eine Genugtuung«, sagt Jacobi heute.

Der Körbecker hatte mit seiner aufsehenerregenden Aktion dafür gesorgt, dass durch Körbecke nie wieder ein britischer Panzer fuhr.

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