Do., 20.12.2018

Geplante Ausweisung neuer Konzentrationszonen erregt in Borgentreich die Gemüter Gegenwind für Windräder

Im Borgentreicher Stadtgebiet sollen neue Konzentrationszonen für die Windenergienutzung ausgewiesen werden. Betroffen davon sind Flächen bei Bühne und Manrode.

Im Borgentreicher Stadtgebiet sollen neue Konzentrationszonen für die Windenergienutzung ausgewiesen werden. Betroffen davon sind Flächen bei Bühne und Manrode. Foto: dpa

Von Ralf Benner  und Astrid E. Hoffmann

Borgentreich (WB). Über das Vorhaben der Stadt Borgentreich, neue Konzentrationszonen für die Windenergienutzung im Flächennutzungsplan der Stadt auszuweisen, ist bei der öffentlichen Sitzung des Ortschaftsbeirates in Bühne heftig diskutiert worden.

Mehr als 200 interessierte Bürger folgen der Diskussion

Saal und Gaststube des Gasthauses Dewender waren voll besetzt. Mehr als 200 interessierte Bürger waren gekommen, um der Diskussion zu folgen. Aus Sicht aller Beteiligten gelang ein mehr als zweistündiger sachlicher Austausch zum Thema Windräder.

Wie berichtet, hatte der Bau- und Planungsausschuss der Stadt am Dienstagabend mit großer Mehrheit (zwei Nein-Stimmen) den Beschlussvorschlag für den Rat gefasst, die Verwaltung damit zu beauftragen, ein entsprechendes Verfahren zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange einzuleiten. Vorausgegangen waren die Vorstellung und die Genehmigung einer Potenzialflächenanalyse, die das Planungsbüro Huesmann im Auftrag der Orgelstadt erarbeitet hatte.

Demnach würde von den drei bereits seit den 90er Jahren bestehenden Konzentrationszonen in den Stadtbezirken Manrode, Körbecke und Rösebeck mit einer Gesamtgröße von 146 Hektar nur die Zone in Manrode übrig bleiben. Für die bisherigen Zonen in Körbecke und Rösebeck hätte diese Vorgehensweise zur Folge, dass alte Anlagen nicht durch wesentlich größere Windräder ersetzt werden können (Repowering), wobei die bestehenden Anlagen jedoch Bestandsschutz genießen.

Neu ausgewiesen würden dagegen laut Potenzialflächenanalyse weitere Konzentrationszonen nördlich von Manrode sowie nördlich und westlich von Bühne.

Bürgermeister Rainer Rauch steht Rede und Antwort

Bühnes Ortsvorsteher Günter Fels hatte Bürgermeister Rainer Rauch gebeten, bei der öffentlichen Ortsbeiratssitzung zum Thema Konzentrationszonen Rede und Antwort zu stehen. Gegner neuer Winkraftanlagen hatten im Vorfeld Faltblätter verteilt und auf die Sitzung aufmerksam gemacht, an der auch Bürger aus Manrode und Muddenhagen teilnahmen.

Aus allen Teilen Deutschlands seien derzeit 27 Projektierer im Borgentreicher Stadtgebiet unterwegs, um Flächen für Windräder zu akquirieren, teilte Rainer Rauch mit. Einen rechtssicheren Plan für die zukünftige Windenergienutzung zu erstellen, sei daher Ziel von Stadt und Verwaltung, denn kommunalpolitisch wolle er als Bürgermeister das Heft in der Hand behalten, betonte er.

Zur vorliegenden Potenzialflächenanalyse gebe es noch viele Missverständnisse, stellte Rauch fest. Er ging in seinen Ausführungen insbesondere auf die so genannten harten und weichen Tabuzonen ein, die bei der Ausweisung von Konzentrationszonen ausschlaggebend sind. Zu den harten Tabuzonen gehören Bereiche mit anderweitiger und mit der Windkraft nicht verträglicher Nutzung (insbesondere Siedlungsflächen oder Gebiete mit geringem Windaufkommen). Nicht zu diesen Bereichen gehören dagegen Gebiete, in denen zwar ein Bauverbot besteht, das aber im Einzelfall durch Ausnahmen oder Befreiungen aufgehoben werden kann. Dies trifft etwa in der Regel für Landschaftsschutzgebiete zu.

Im Borgen­treicher Stadtgebiet gebe es etwa 760 Hektar

Zu den so genannten weichen Tabuzonen zählen die Schutzbereiche der Radarstellung Auenhausen, das Drehfunkfeuer (DFS) in Ossendorf (K.o.-Kriterium für Rösebeck und Körbecke) oder etwa der Abstand zur Wohnbebauung, den die Stadt Borgentreich auf 800 Meter festgelegt hat – ein Punkt, der in der anschließenden Diskussion immer wieder angesprochen wurde. »Eine feste Abstandsregel gibt es derzeit nur in Bayern, nicht aber in Nordrhein-Westfalen«, erklärte Rauch dazu. Berücksichtige man alle genannten Kriterien, gebe es im Borgen­treicher Stadtgebiet etwa 760 Hektar, die für die Nutzung von Windkraft zur Verfügung gestellt werden könnten, erklärte Rauch.

Das Stadtoberhaupt skizzierte kurz, wie es im Verfahren weitergehen soll. Nach der öffentlichen Bekanntmachung, der Auslegung der Pläne, werde zunächst geschaut, welche Einwände eingehen. Es werde im Internet eine eigene Projektseite zum Thema eingerichtet, so Rauch. »Es ist gut und richtig, dass sich Kritiker zu einer Planung äußern«, sagte er. Er wünsche sich eine faire und sachliche Diskussion. Die Interessenlage sei schwierig: »Die einen schauen auf so ein Ding (Windrad), andere profitieren davon.«

Verfahren steht noch ganz am Anfang

Die Fragen der Anwesenden drehten sich um konkrete Dinge, etwa den Abstand zum Wohngebiet, Anzahl und Größe der aufzustellenden Windräder, die Größe der Konzentrationszonen, die Nutzung städtischer Flächen, Immobilienentwertung und Landflucht oder Verlauf der Stromleitungen. Insbesondere viele Manroder fühlen sich inzwischen von Windrädern geradezu eingekreist. Hier stünden auf hessischem Gebiet bereits Windräder (Windpark Trendelburg), die bereits für starke Belästigung (Lärm/Licht) sorgten, wie Anwesende berichteten. Offenbar solle nun auch die Fläche am Hohen Berg für Windkraft ausgewiesen werden, dagegen sprachen sich in der Diskussionsrunde etliche Bürger aus.

Rainer Rauch wies immer wieder darauf hin, dass das Verfahren noch ganz am Anfang stünde, es im Moment nur einen ersten Entwurf gebe, dass noch viele Schritte erfolgen müssten. Manche Fragen könnten auch erst später, wenn das Verfahren weiter fortgeschritten sei, beantwortet werden. Zum Beispiel zur Anzahl und zum Typ der Windräder. Damit stellte er nicht alle Zuhörer zufrieden.

Windkraftgegner kündigten in der Versammlung an, eine Bürgerinitiative ins Leben zu rufen. Sie planen eine Versammlung und auch eine Unterschriftenaktion.

Trotz des emotionalen Themas blieb die Diskussion in Bühne sachlich und fair, wofür sich Rauch und Ortsvorsteher Günter Fels ausdrücklich bedankten.

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