Do., 09.05.2019

Burg Bühne: Eigentümer, Stadtverwaltung, LWL und Richter treffen sich am ehemaligen Denkmal »Ein herausragendes Dokument der Geschichte«

Blick in die Geschichte: So sahen nördliches Torhaus und der dazugehörige Anbau (links) im Frühjahr aus.

Blick in die Geschichte: So sahen nördliches Torhaus und der dazugehörige Anbau (links) im Frühjahr aus. Foto: Astrid E. Hoffmann

Borgentreich (WB/dal). Was geschah am frühen Morgen des 27. April, das zur Zerstörung der Burg Bühne führte? Diese Frage dürfte am Mittwoch bei einem Erörterungstermin ein zentrales Thema gewesen sein. An der Ruine in Borgentreich-Bühne trafen sich am Nachmittag der Besitzer des Anwesens, Vertreter der Stadt Borgentreich und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) – samt Justiziar – sowie ein Richter des Verwaltungsgerichts Minden.

Der Termin dauerte mehrere Stunden. Was vor Ort genau besprochen wurde, ist unklar. Während der Erörterung machte der Richter gegenüber den Anwesenden nämlich deutlich, dass das Treffen nicht öffentlich sei. Mit Blick auf diese Maßgabe und das laufende Verfahren wollte sich Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch anschließend nicht zum Treffen äußern.

1270 ging Bühne in den Besitz der Grafen von Spiegel über

Warum ist die Burg Bühne für die Denkmalpflege und das Warburger Land eigentlich so wichtig? Dr. Christoph Heuter ist Gebietsreferent der LWL-Denkmalpflege für den Kreis Höxter und die Stadt Dortmund. Er war beim gestrigen Ortstermin ebenfalls dabei. Auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES erklärt Heuter die Bedeutung des Denkmals, von dem jetzt nur noch Schutt übrig ist.

»Wir stellen nichts unter Denkmalschutz, nur weil es schön aussieht, sondern weil es sich um historische Zeugnisse handelt. Die Burg Bühne war ein herausragendes Dokument der Wirtschafts- und Territorialgeschichte des 19. Jahrhunderts«, betont Heuter. Bühne sei schon sehr früh gegründet worden. 910 hatte es eine eigene Kirche, 1270 ging der Ort in den Besitz der Grafen von Spiegel über – und sei fortan über Jahrhunderte mit der Familie eng verbunden gewesen. »Vom Landbesitz und auch vom Bekanntheitsgrad ist das eine der wichtigsten Familien des Warburger Landes«, erklärt Heuter weiter.

Mitte des 16. Jahrhunderts gab die Familie ihren Stammsitz auf – den Desenberg bei Warburg. Im Jahr 1564 ließ sich ein Teil der Familie in Bühne nieder und residierte fortan auf der alten Burganlage, die heutzutage nur noch als Bodendenkmal erhalten ist. Bis ins 19. Jahrhundert waren die von Spiegels die Besitzer des Areals im Alsterdorf, ihren Nachfahren gehörte die Anlage noch bis vor wenigen Jahren.

Anfang des 19. Jahrhunderts folgten Jahre des Umbruchs. »1807 kommt Bühne zum Königreich Westfalen. Die Feudalordnung endet, zudem haben wir die Säkularisierung. Das ist ein richtiger Kulturbruch«, sagt der Fachmann. Zudem war die alte Burg baufällig. Die von Spiegels wollten sie abreißen lassen, da sie vor Ort mittlerweile viel eher ein großes Wirtschaftsgut als eine Festung brauchten. »Das Besondere ist: Der Architekt sollte möglichst viele der alten Materialien erhalten.« So stammten manche Holzbalken noch aus dem 16. Jahrhundert.

Pächter des Gutes lebte im nördlichen Torhaus

Zwei große Gebäude flankierten seitdem das Gelände: das vor Jahren abgerissene südliche Torhaus und das nördliche Torhaus, das nun abgerissen wurde. Das nördliche Torhaus wurde zwischen 1820 und 1824 errichtet. Dort lebte der Pächter des Gutes und verwaltete umliegende Flächen. Das waren viele, sagt Heuter: »50 Prozent der Ländereien von Bühne gehören Mitte des 19. Jahrhunderts den von Spiegels«.

Wie wurde die Pacht eingetrieben? Wie sah die hierarchische Struktur der Gesellschaft im 19. Jahrundert aus? Wie wurde früher gebaut und gewohnt? Diese und viele weitere Dinge ließen sich am nun zerstörten Gebäude ablesen, erläutert der LWL-Gebietsreferent. »Im nördlichen Torhaus gab es vermutlich auch einen Raum, der als gute Stube für Besuche des Eigentümers gedacht war – ähnlich einem Fürstenzimmer auf Bahnhöfen. Zudem war jeder Raum beheizbar. Das sind Besonderheiten dieser Zeit.«

Auch standen die West- und die Nordseite des Torhauses auf den alten Burgmauern, was ebenfalls Blicke in die Geschichte gewährte.

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