Fr., 16.08.2019

Borgentreich: Archäologie-Studenten im Einsatz – Projekt des LWL und der Uni Kiel Forscher finden Stadtmauerreste

Blick auf einen Suchschnitt: Die Grabungsleiter Fritz Jürgens (Christian-Albrechts-Universität Kiel, links) und Nils Wolpert (LWL-Archäologie für Westfalen) haben die Arbeiten begleitet. Bei den Bäumen im Hintergrund wurden die Mauerreste gefunden.

Blick auf einen Suchschnitt: Die Grabungsleiter Fritz Jürgens (Christian-Albrechts-Universität Kiel, links) und Nils Wolpert (LWL-Archäologie für Westfalen) haben die Arbeiten begleitet. Bei den Bäumen im Hintergrund wurden die Mauerreste gefunden. Foto: Daniel Lüns

Von Daniel Lüns

Borgentreich (WB). Archäologen haben Reste der Borgentreicher Stadtmauer gefunden. Am Steinweg und am Osthagen legten die Forscher mehrere Überreste der mittelalterlichen Stadbefestigung frei. Wie die Stadt Borgentreich langfristig mit den Funden umgeht, steht noch nicht fest.

Die Untersuchung ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU). 13 Archäologie-Studenten der CAU waren vor Ort. Für sie war der zweiwöchige Einsatz eine Lehrgrabung. In der Orgelstadt lernten sie das fachgerechte Freilegen von Funden und Strukturen aber auch deren Dokumentation durch das Anfertigen von Skizzen, Fotos und Beschreibungen.

Studenten entdecken Fundamentgraben

Die Grabungsleiter Fritz Jürgens (Christian-Albrechts-Universität Kiel) und Nils Wolpert (LWL-Archäologie für Westfalen) haben die Arbeiten begleitet. In vier Bereichen, in denen Überreste vermutet wurden, wurden sogenannte Suchschnitte angelegt. Dort wurde gegraben. An zwei Stellen wurden die Studenten fündig. Sie entdeckten einen etwa einen Meter breiten Fundamentgraben, der mit Bruchsteinen verfüllt ist.

 

Anfang des 19. Jahrhunderts war die Mauer abgerissen worden, um nach einem Stadtbrand Baumaterial zu gewinnen, erklärt Jürgens. »Das sind die letzten Überreste der Mauer. Das sind keine schön behauenenden Quadersteine. Das ist der Rest, den man damals nicht gebrauchen konnte«, sagt Wolpert. Die Mauer wurde nie wieder aufgebaut. Das Aufkommen von Feuerwaffen hatte diese Form der Verteidigung obsolet gemacht.

Im Jahr 1288 wird ein Stadttor erwähnt

Den Verlauf der Stadtmauer können die Archäologen durch die Funde nun besser nachvollziehen. Dennoch bleiben Fragen. »Wir wissen nicht, wann die Stadtmauer gebaut wurde oder wie sie aussah«, sagt Fritz Jürgens. Auch ihre Beschaffenheit sei unklar.

Im Jahr 1288 zum Beispiel werde zwar ein Stadttor erwähnt, welches eine mächtige Befestigungsanlage voraussetze. Auch anhand seitlicher Einschnitte am Balkenturm könne man Schlüsse zur Höhe und Beschaffenheit der Mauer ziehen. »Aber wir wissen es nicht sicher.« Fest stehe nun aber, dass der Hagen schützenswert sei. »Wir haben hier schützenswerte Baureste im Boden.«

Trotz der offenen Fragen würden die Funde dazu beitragen, Forschungslücken zu schließen. »Die Forschung hat sich immer auf Großstädte konzentriert. Unbekannt ist, wie die Gründung und Befestigung kleinerer Städte in Westfalen geschehen ist«, erklärt der Borgentreicher.

Daher finanziert die CAU die Grabung auch im Rahmen des Exzellenz-Clusters »ROOT«. Dabei forschen von 2019 bis 2025 Wissenschaftler aus 15 Instituten an sechs Fakultäten der CAU. Die »Wurzeln der Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten« stehen im Zentrum der Untersuchungen.

Fundstellen werden dokumentiert und wieder verfüllt

Nach dem Ende der Grabungen werden die Fundstellen dokumentiert und wieder verfüllt. Entdeckte Gegenstände werden nach Kiel gebracht. »Es ist erfolgsversprechend, dass wir noch einmal wiederkommen«, sagt Fritz Jürgens. Dann könnte man an anderen Stellen in der Orgelstadt graben.

Wie die Stadt langfristig mit den Überresten umgeht, steht noch nicht fest. »Wir wollen das dokumentieren und auch Interesse für Stadtgeschichte wecken«, sagt Bürgermeister Rainer Rauch. Auch das Aufstellen von Hinweisschildern könne er sich vorstellen. Zudem ist eine Unterschutzstellung des Hagens im Gespräch. »Aber bei all diesen Punkten müssen wir die Politik mitnehmen.«

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