Mutmaßlicher Komplize stand im Verdacht, dem als Schützen verdächtigen Stephan E. die Tatwaffe verkauft zu haben
Mordfall Lübcke: BGH hebt Haftbefehl gegen Elmar J. auf

Karlsruhe/Borgentreich (WB/dpa). Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat den Haftbefehl gegen Elmar J. aus Borgentreich (Kreis Höxter), einen der Verdächtigen im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, aufgehoben.

Mittwoch, 15.01.2020, 15:20 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 17:16 Uhr
Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war am 2. Juni auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel, etwa 30 Kilometer von Warburg entfernt, erschossen worden. Foto: dpa
Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war am 2. Juni auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel, etwa 30 Kilometer von Warburg entfernt, erschossen worden. Foto: dpa

Das teilte der 3. Strafsenat am Mittwoch in Karlsruhe mit. Elmar J. steht im Verdacht, dem als Schützen verdächtigen Stephan E. die Tatwaffe verkauft zu haben.

Gründe für die Entscheidung stehen noch aus

Gründe für den Beschluss wurden zunächst nicht mitgeteilt. Elmar J. steht im Verdacht, dem als Schützen verdächtigen Stephan E. die Tatwaffe im Jahr 2016 verkauft zu haben. Die Ermittlungen würden fortgesetzt, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft.

Elmar J. wurde Ende Juni vergangenen Jahres von Spezialkräften festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Der Mann aus dem Borgentreicher Ortsteil Natzungen nun aus der Untersuchungshaft frei.

Elmar J. soll dem Hauptverdächtigen die Waffe verkauft haben

Der damals 64-Jährige soll dem Hauptverdächtigen Stephan E. die Tatwaffe besorgt haben, mit der Walter Lübcke getötet worden war. Der Kasseler Regierungspräsident war am 2. Juni auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel, etwa 30 Kilometer von Warburg entfernt, erschossen worden. Der früher als Neonazi bekannte Stephan E. soll nach bisherigen Ermittlungen der Schütze sein.

Hauptverdächtiger beschuldigt Bekannten

Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der 45-jährige Stephan E. hatte die Tat zunächst gestanden , später aber sein Geständnis widerrufen. Er bestreitet laut seinem Anwalt, den Kasseler Regierungspräsidenten erschossen zu haben. Stattdessen sei sein Bekannter Markus H. bei der Tat zugegen gewesen und habe den CDU-Politiker versehentlich erschossen.

Bisher gibt es keine Belege für die Anwesenheit eines weiteren Mannes am Tatort. Am Mittwoch hatte der Anwalt von Stephan E. aber berichtet, dieser sei gemeinsam mit Markus H. bei Lübcke gewesen. Gegen H. wird bisher wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ermittelt.

Verteidiger: Stephan E. habe Markus H. schützen wollen

Der Anwalt von Stephan E. sagte, sein Mandant gehe davon aus, dass H. den Schuss nach ihrem Streit mit Lübcke versehentlich abgegeben habe. Nach Angaben von Verteidiger Frank Hannig hatte Stephan E. mit seinem ersten Geständnis Markus H. schützen wollen - ihm seien dafür Schutz und finanzielle Vorteile für seine Familie versprochen worden.

Ursprünglich hatte E. ausgesagt, er habe seine Familie durch kriminelle Ausländer bedroht gesehen, dazu hätten ihn islamistische Anschläge stark aufgewühlt. Lübcke, der 2015 die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft bei Kassel verteidigt hatte, habe er daran eine Mitschuld gegeben. Dieses Geständnis hatte er später widerrufen.

Neben Elmar J. war im Juni 2019 auch der damals 43 Jahre alte aus Kassel stammende Markus H. festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt beide der Beihilfe zum Mord.

 

 

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