Tückische Krankheit wuchert in Claudia Tauchert (42) – Spendenaufruf gestartet
Der Kampf gegen das Spinnennetz

Borgentreich (WB). Wer Claudia Tauchert sieht, der sieht sie lächeln. Die quirlige, lebensfrohe 42-Jährige kann nicht anders. „Backen zusammenkneifen, weiter geht’s“, sagt sie mit einem Augenzwinkern und lacht. Die Frau aus dem Borgentreicher Ortsteil Manrode lässt sich Mut und Lebenswillen nicht nehmen. Auch wenn ihr der Kampf gegen eine tückische Krankheit vieles abverlangt.

Samstag, 25.01.2020, 07:00 Uhr
Trotz Krankheit lässt sich Claudia Tauchert den Mut nicht ­nehmen. Die 42-jährige Mutte von drei Kindern kämpft gegen die sogenannte tief infiltrierende Endometriose an. Seit dem Frühjahr 2019 sitzt sie im Rollstuhl. Foto: Daniel Lüns
Trotz Krankheit lässt sich Claudia Tauchert den Mut nicht ­nehmen. Die 42-jährige Mutte von drei Kindern kämpft gegen die sogenannte tief infiltrierende Endometriose an. Seit dem Frühjahr 2019 sitzt sie im Rollstuhl. Foto: Daniel Lüns

So mancher kennt die Mutter von drei Kindern vom Sport. Für die VHS hat sie Kinderturnen, Bauch-Beine-Po-Training oder Wirbelsäulenkurse angeboten, bei der BSG Borgentreich Reha-Sport. „Ich habe immer mehr Liegestütze geschafft als andere“, sagt Tauchert. Zudem schmiss sie den Haushalt und arbeitete halbtags. Für das Energiebündel alles kein Problem. Bis vor fünf Jahren.

Die Diagnose: Tiefe infiltrierende Endometriose

Tiefe infiltrierende Endometriose lautete die Diagnose der Ärzte. Hinter dem kryptischen Begriff verbirgt sich eine gutartige, chronische Erkrankung. Dabei siedelt sich Gewebe außerhalb der Gebärmutter an. Bei Tauchert dehnt sich das Gewebe aus und führt zu Verwachsungen im Bauch. Auch Organe können befallen werden. Die Frau wurde zum Krankenhaus-Dauergast.

Denn die Verwachsungen müssen regelmäßig entfernt werden. Das Gewebe wächst und wächst. „Nach einer OP sagte der Arzt zu mir: ‚Ihr Bauchraum sah aus wie ein Spinnennetz.‘“ In fünf Jahren wurde sie fünf Mal operiert, in zweieinhalb Jahren musste Tauchert drei Mal zur Reha. Auch Taucherts Gebärmutter musste entfernt werden. Starke Nervenleiden und ein Erschöpfungssyndrom sind weitere Symptome.

Bei Kälte kommt es zu weiteren Schüben. Oft kann die Mutter vor Schmerzen kaum sitzen. Hinzu kam ein Bandscheibenvorfall. Bei einer darauffolgenden Operation an der Wirbelsäule im Jahr 2018 kam es zu Komplikationen. Drei Wochen später kam Tauchert zur Nachkorrektur wieder unters Messer. Dennoch wurde ihr Zustand immer schlechter.

Auf den Rollstuhl angewiesen

Anfang 2019 war sie auf einen Rollator angewiesen. „So habe ich mich bei meinem letzten Kinderturn-Kursus verabschiedet.“ Wenig später saß sie schon im Rollstuhl. Damit war auch der Job in der Mensa der Sekundarschule Warburg Geschichte. „Seit einem Jahr bin ich nun zu Hause. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich möchte arbeiten gehen und Geld verdienen. Aber wegen der Schmerzen geht das nicht.“

Seitdem ist das Geld knapp. Vor zehn Jahren baute die Familie in Manrode. Das Haus ist längst nicht abbezahlt. Das Geld fehlt etwa für einen behindertengerechten Umbau und ein entsprechendes Auto. Allein der Treppenlift bis ins Obergeschoss werde 11.000 Euro kosten. Taucherts Mann arbeitet bei der Firma Nolte als Kraftfahrer, er ernährt die Familie nun allein.

In ihrer Verzweiflung meldete sich die 42-Jährige bei der Online-Plattform „Betterplace“ an. Dort sammelt sie Geld. Sie möchte vor allem wieder etwas mit den Kindern unternehmen. Die Krankenkasse stellte zwar einen Elektro-Antrieb für den Rollstuhl. Wegen der hügeligen Lage von Manrode ist dessen Akku aber nach einer Runde im Dorf leer, sagt Tauchert.

Ein E-Pilot, eine Art Zugmaschine, die vor den Rollstuhl gespannt wird, soll der Mutter zu neuer Mobilität verhelfen. Dem Ziel ist die 42-Jährige ein gutes Stück näher gekommen: In einer Woche wurden etwa 2500 Euro gespendet. 1000 Euro, und damit die bisher höchste Einzelspende, kamen von der Firma BTT aus Dalhausen. Auch andere Firmen helfen mit.

Große Hilfsbereitschaft in Borgentreich

In den Filialen der Fleischerei Bartoldus (dort hat die Mutter einmal gearbeitet), in der Gartenbau-Firma Koch in Borgentreich und bei der Alpaka-Züchterfamilie Dierkes aus Manrode werden Spendenboxen aufgestellt. In der Stadt-Apotheke in der Orgelstadt hängt ein Plakat, im Rewe-Markt Meyer sollen Kunden ab Februar ihre Pfandbonds spenden können. „Als ich das erfahren habe, war ich sehr gerührt“, sagt Tauchert.

„Ich habe den Aufruf auch gemacht, um anderen Betroffenen zu zeigen, dass man nie aufgeben darf. Egal, wie schlecht es einem geht“, sagt sie. „Das Leben kann so schnell vorbei sein. Es bringt ja nichts, wenn ich hier sitze und heule. Also: Backen zusammenkneifen, weiter geht’s“, ergänzt die quirlige Frau und lächelt.

betterplace.me/eine-mutter-moechte-zurueck-ins-soziale-leben63

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