Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehl – 1000 Waffen und zwei Tonnen Munition
Waffensammler kommt nicht

Borgentreich (WB/dal). Haftbefehl hat die Staatsanwaltschaft Paderborn vor dem Amtsgericht Warburg gegen einen 55-jährigen Borgentreicher beantragt. Bei dem Mann waren riesige Menge Waffen und Munition gefunden worden. Zur am Donnerstag anberaumten Gerichtsverhandlung erschien er nicht.

Freitag, 31.01.2020, 15:09 Uhr aktualisiert: 31.01.2020, 15:12 Uhr
Der Borgentreicher wurde in Sachsen-Anhalt festgenommen. Bei dem Zugriff Anfang 2017 in Dessau-Roßlau fand ein Spezialeinsatzkommando Waffen und Munition Foto: LKA Sachsen-Anhalt
Der Borgentreicher wurde in Sachsen-Anhalt festgenommen. Bei dem Zugriff Anfang 2017 in Dessau-Roßlau fand ein Spezialeinsatzkommando Waffen und Munition Foto: LKA Sachsen-Anhalt

Die Anwältin des Angeklagten, der mittlerweile in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) lebt, hatte dem Gericht am Mittwoch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Borgentreichers gefaxt. Daraus habe sich jedoch keine Verhandlungsunfähigkeit ergeben, erklärte Stephan Schneyer, Richter am Amtsgericht Warburg.

„Das ist keine ordnungsgemäße Entschuldigung für das Fernbleiben vor Gericht“, sagte er. Daraufhin beantragte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer den Haftbefehl. Der 55-Jährige soll nun in Dessau-Roßlau festgenommen werden. Dann wird ein neuer Verhandlungstermin in Warburg anberaumt.

Zwangsräumung der Borgentreicher Wohnung

Bei der Zwangsräumung der Borgentreicher Wohnung des Angeklagten im Jahr 2016 hatte die Polizei Munition gefunden. Dann tauchte er unter. Ein Jahr später wurde er in Dessau-Roßlau festgenommen. Dort stellte die Polizei eine riesige Menge Waffen und Munition sicher – insgesamt waren es etwa 1000 Schusswaffen und mehr als zwei Tonnen Munition. Hinzu kamen kistenweise Einzelteile: Griffe, Gewehrläufe, Waffenkörper oder Schlagbolzen. Die aufwendige Sichtung und Erfassung des umfangreichen Arsenals zog sich lange hin. Entsprechend dick sind auch die Akten, die dem Warburger Amtsgericht vorliegen. Schneyer: „Das ganze Werk hat mehr als 10.000 Seiten.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vor. Etwa 40 Kriegswaffen und dazugehörige Munition habe der 55-Jährige besessen. „Deren Erwerb war schon immer illegal“, erklärt Stephan Schneyer. Den Großteil seiner Waffen und Munition habe der Mann als Jäger legal erworben.

Sämtliche waffenrechtliche Erlaubnisse entzogen

Im August 2016 habe die Waffenbehörde des Kreises Höxter dem Borgentreicher jedoch sämtliche waffenrechtlichen Erlaubnisse entzogen – aufgrund seiner Unzuverlässigkeit. „Daraufhin konnte er legal keine Waffen mehr besitzen“, erklärt der Richter.

Schneyer betont, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass der 55-Jährige einem speziellen politischen Spektrum angehöre, wie zum Beispiel der „Reichsbürger“-Bewegung. Vielmehr mache es den Anschein, dass der Mann eine ungewöhnliche Sammelleidenschaft habe. „Wir schätzen, dass er eine sehr starke Affinität zu Waffen hat.“

Kommentare

Leser  schrieb: 30.01.2020 19:15
Eine Frage der Perspektive
Es ist an sich egal ob jemand 1 oder 1000 Waffen hat, weil 1 Waffe reicht um damit das zu tun warum Waffen verboten sind. Wenn der Mann die Waffen aus nicht legalen Kanälen bezogen hat dann hat er sie zumindest aus dem Verkehr gezogen. Wenn er sie nur gesammelt hat und nicht damit handelte. Für diese Tat, also das zusammenraffen von Waffen auf dem Schwarzmarkt, wenn er weiter nichts verbrochen hat, dann kann er auch einen Verdienstorden dafür bekommen. Er wird sicherlich viel Geld dafür bezahlt haben, damit die Waffen nicht an Kriminelle gingen. Alles nur eine Frage der Perspektive!
Nunja die Justiz wird das anders sehen.
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7228333?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851042%2F
Ärger um Abstandsregel und Maskenpflicht
Wie auf diesem Foto zu sehen ist, sind die Abstandsregeln nicht eingehalten worden. Auch einen Mund-Nasen-Schutz haben die meisten Schüler nicht getragen. Foto:
Nachrichten-Ticker