Do., 13.02.2020

Borgentreich: Bauausschuss lehnt Vorhaben ab – Bürgermeister irritiert GbR möchte drei Windräder bauen

Von Silvia Schonheim

Borgentreich (WB). Die Bürgerwind Borgentreich GbR möchte drei Windenergieanlagen zwischen Borgentreich und Dinkelburg errichten. Die Mitglieder des Bauausschusses haben das Vorhaben abgelehnt. Das gemeindliche Einvernehmen wird nicht erteilt.

Verwundert über Anträge

In der Bürgerwind GbR haben sich 25 Landwirte zusammengeschlossen. Geschäftsführer sind Kreislandwirt Heinrich Gabriel aus Borgentreich und Landwirt Andreas Lages aus Rösebeck. „Vom Kreis Höxter sind wir aufgefordert worden, unsere Stellungnahme zu den drei Anträgen auf Vorbescheid abzugeben“, erklärte Bürgermeister Rainer Rauch in der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend.

„Wir haben uns andere Windkraftkonzentrationszonen auserkoren. Die drei Flächen in der Nähe zum Naturschutzgebiet Körbecker Bruch entsprechen weder der alten noch der neuen Planung“, betonte der Bürgermeister. Er zeigte sich verwundert über die Anträge der Bürgerwind Borgentreich. Diese seien eine Art „Testballon“.

Mehr als 30 Projektierer

Rainer Rauch: „Wir wissen, dass mehr als 30 Projektierer im Stadtgebiet unterwegs sind, um Vorverträge mit Landwirten für potenzielle Windkraftflächen zu machen. Es sind weitere derartige Anträge in der Pipeline.“

Die Mitglieder aller Fraktionen waren sich einig, klar Position zu beziehen. „Wir werden nicht unsere Planungen über den Haufen werfen“, sagte Werner Dürdoth (CDU). Und so wird der Kreis Höxter jetzt darüber informiert, dass die Vorhaben abgelehnt werden. „Mal sehen, wie der Kreis damit umgeht“, erklärte Rainer Rauch. Er schloss nicht aus, dass es auch zu Rechtsstreitigkeiten kommen könnte.

Abstand zum Funkfeuer

Argumentiert wird die Ablehnung der Anträge mit dem 15 Kilometer großen Schutzradius für das Drehfunkfeuer Warburg, in denen die drei von der Bürgerwind geplanten Anlagen liegen. Im Stadtgebiet Borgentreich gibt es derzeit drei Windkraftkonzentrationszonen in den Gemarkungen Manrode, Körbecke und Rösebeck. Dadurch erfolgte für alle anderen Bereiche im Stadtgebiet eine Ausschlusswirkung.

In Zukunft soll der Bau von Windkraftanlagen nur noch rund um die Orte Bühne und Manrode möglich sein. Das sieht der neue Flächennutzungsplan vor, der im Dezember im Bauausschuss eine weitere Hürde genommen hat. Dieser Plan liegt noch bis zum 17. März offen. Bis dahin haben Bürger die Möglichkeit, Bedenken und Anregungen vorzubringen. Ziel der Stadtverwaltung ist es, den neuen Flächennutzungsplan mit Kernzonen für die Windkraft rechtssicher bis Ende des Jahres verabschiedet zu haben.

Das sagt „Bürgerwind“

„Wir wollen, dass die Wertschöpfung, die über Windkraftanlagen erzielt werden kann, hier vor Ort bleibt“, erklärt Kreislandwirt Heinrich Gabriel, einer der Geschäftsführer der Bürgerwind Borgentreich GbR, das gemeinsame Ziel. Man wolle Windkraftanlagen in Eigenregie bauen, „damit nicht irgendwelche Projektierer die Wertschöpfung erzielen.“

Die 25 Landwirte hätten miteinander einen Vertrag abgeschlossen: „Wir haben unsere Flächen gesichert, so dass sie kein anderer bekommen kann.“ Die drei möglichen Windkraftstandorte zwischen Borgentreich, Rösebeck und Lütgeneder hätte Westfalen Wind, von der Bürgerwind GbR als Beratungsbüro beauftragt, ausgesucht. Drei Flächen seien im Besitz von drei unterschiedlichen Mitgliedern der GbR.

Anfrage bei Flugsicherung

Derzeit laufe ein Antrag bei der Deutschen Flugsicherung bezüglich des 15 Kilometer großen Schutzradius’ für das Drehfunkfeuer Warburg. Heinrich Gabriel: „Wenn die Deutsche Flugsicherung ‚Nein‘ zu den drei Anlagen sagt, werden wir nicht den Klageweg beschreiten. Wenn wir dreimal ein ‚Ja‘ bekommen, hat die Verwaltung ein Problem und wir diskutieren weiter.“ Ziel der Bürgerwind sei es, die Stadt miteinzubeziehen, „denn die Projektierer laufen hier ja nicht aus Langeweile herum“, sagt er dem WESTFALEN-BLATT.

„Wir können die Windenergie nicht verhindern. Dann sollten wir doch die Wertschöpfung vor Ort lassen. Außerdem“, so der Geschäftsführer weiter, „sieht es doch besser aus, wenn hier mal fünf und da mal fünf Anlagen stehen.“ Da sei doch besser, als Windkraftanlagen konzentriert auf einem Gebiet zu errichten.

Die Anlagen sind zwischen Borgentreich (oben), Körbecke (unten rechts) und Lütgeneder (unten links) im Bereich der markierten Flächen geplant. Foto: Daniel Lüns/Geodatenportal Kreis Höxter

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