Borgentreicher Tiefbaukolonne besteht seit Herbst 2018 – Zwei Mitarbeiter
102 Rohrbrüche pro Jahr

Borgentreich (WB). Immer wieder sorgen Rohrbrüche in Borgentreich für Aufsehen. Aufgrund der Vielzahl der Ereignisse wurde im Herbst 2018 sogar eine eigene Tiefbaukolonne gegründet. Seitdem kümmern sich zwei Fachleute der Stadtwerke um das Reparieren oder den vorsorglichen Austausch von Wasserleitungen. Ein Vollzeitjob.

Donnerstag, 23.04.2020, 12:00 Uhr
Die Tiefbaukolonne der Stadt Borgentreich repariert Rohrbrüche oder tauscht alte Leitungen und Anschlüsse präventiv aus. Sebastian Göke (links), Mitarbeiter im Bereich Technik Wasserversorgung der Stadtwerke, zeigt eine Baustelle am Lehmberg. Foto: Daniel Lüns
Die Tiefbaukolonne der Stadt Borgentreich repariert Rohrbrüche oder tauscht alte Leitungen und Anschlüsse präventiv aus. Sebastian Göke (links), Mitarbeiter im Bereich Technik Wasserversorgung der Stadtwerke, zeigt eine Baustelle am Lehmberg. Foto: Daniel Lüns

102 Rohrbrüche mussten im vergangenen Jahr in der Orgelstadt behoben werden. 62 davon erledigte eine externe Firma, den Rest flickte die Borgenreicher Tiefbaukolonne. Zudem erneuerte sie 20 alte Anschlüsse. Trotzdem gehen im Stadtgebiet immer wieder Leitungen oder Anschlüsse kaputt. Eine Bürde aus der Vergangenheit, erklärt Sebastian Göke, Mitarbeiter der Stadtwerke im Bereich Technik Wasserversorgung.

Lückenhafte Leitungspläne

Die Leitungspläne seien in früheren Jahren oft nur sehr lückenhaft gepflegt worden – oder gar nicht. „Beim Strom sind die Pläne in Ordnung. Aber beim Wasser wissen wir an manchen Orten gar nicht, wo die Leitungen liegen“, erklärt er. Vor allem die Stellen, an denen die Häuser an die Versorgungsleitungen angeschlossen worden seien, seien oft unbekannt. Ein Riesenproblem, wenn ein Rohrbruch gefunden werden muss.

„Das ist Detektivarbeit“, erklärt Göke. Oft zeige die Regeltechnik als Erstes an, dass etwas nicht stimmt. Wenn etwa zwischen 2 und 4 Uhr irgendwo morgens viel Wasser verbraucht werde, sei dort voraussichtlich ein Leck. Denn um diese Uhrzeit sei der Verbrauch in der Regel am niedrigsten, da die meisten Menschen schlafen. „Wir versuchen dann, Zonen abzugrenzen und einen großen Kreis immer enger zu ziehen.“

„Wie ein Rauschen oder ein Gluckern“

Dafür würden einzelne Versorgungsleitungen abgestellt und geschaut, wie sich der Verbrauch verändere. So isoliere man schließlich den betreffenden Straßenzug. Dort gehe die Suche dann weiter. Mithilfe von Bodenmikrofonen werde zum Beispiel nach einem Leck gehorcht. „Das Fließgeräusch hört sich dort anders an“, sagt Göke. „Wie ein Rauschen oder ein Gluckern.“

Im besten Fall lasse sich das Leck so finden. Im schlechtesten Fall gehe die Detektivarbeit per Bagger weiter. „In Großeneder hatten wir mal den Fall, dass wir mehr als 20 Meter Straße aufbrechen mussten, um das Leck zu finden“, sagt der Fachmann. „Am Ende war alles gut.“ Aber bis zur Wiederinbetriebnahme seien etwa eineinhalb Wochen vergangen – normalerweise sei eine Leitung nach etwa drei Tagen geflickt.

Hausanschlüsse sind viele Jahrzehnte alt

Um solche Fälle zu vermeiden, tausche die Tiefbaukolonne eben auch, wenn sie Zeit habe, Leitungen aus, die bald kaputt gehen könnten. Manche Hausanschlüsse seien nämlich 40 oder 50 Jahre alt. Mit diesen Aufgaben seien die zwei Mitarbeiter voll ausgelastet. „Noch ein Mitarbeiter wäre von Vorteil. Dann müsste man nicht zwischendurch woanders Personal abziehen“, sagt Göke. In Urlaubszeiten etwa werde die Einheit nämlich durch Fachleute des Bauhofs ergänzt.

Um Rohrbrüche zu verhindern werde für die Stadt zudem seit Jahren ein Abwasserkataster erarbeitet. Immer dann, wenn in Borgentreich irgendwo die Erde aufgebrochen werden müsse, würden Daten gesammelt. So schauten die Fachleute etwa nach, welche Rohre vor Ort im Boden liegen, aus welchem Material sie bestehen, wie ihr Zustand sei und welchen Durchmesser die Leitungen hätten.

Messzonen-Projekt ins Leben gerufen

Auf Basis dieser Daten errechne eine Firma im Auftrag der Stadt, wo die Fachleute bald wohl eingreifen müssen. Die Stadt möchte es aber noch genauer wissen und hat für die Innenstadt für dieses Jahr ein Messzonen-Projekt ins Leben gerufen. Dabei sollen die Hauptleitungen an zuvor errechneten Punkten mit Sonden ausgestattet werden. 25.000 Euro sind dafür im Haushalt für 2020 eingeplant, erklärt Göke.

Die Sonden sollen verschiedene Daten aufzeichnen, wie etwa den Druck, das Geräusch und die Fließrichtung des Wassers und so das Finden von Lecks beschleunigen. „Die Anlage kann lernen, wie sich ein Verbrauch entwickelt“, sagt Sebastian Göke. „Bis sich das Ganze eingespielt hat, wird vermutlich ein Jahr vergehen. Aber wenn sich das bewährt und andere Technik nicht wesentlich günstiger ist, dann werden wir das wohl auf andere Bereiche ausweiten.“

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