Corona: Mediziner kämpfen wochenlang um das Leben von Jürgen Breker
„Den Tod vor Augen gehabt“

Warburg (WB). „Die Ärzte haben nicht geglaubt, mich wieder ins Leben zurückzubringen“, sagt Jürgen Breker. Der Borgholzer hat großes Glück gehabt, ist vom Coronavirus genesen. Wochenlang haben die Mediziner um das Leben des 63-Jährigen gekämpft, der kurz nach Ostern erkrankt war.

Mittwoch, 17.06.2020, 07:00 Uhr
Die Mediziner am Klinikum Kassel hatten sich intensiv auf Corona-Patienten wie Jürgen Breker vorbereitet (von links): Ludmilla Mielke (Fachpflegekraft), Prof. Dr. Ralf Muellenbach (Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie), Dr. Gabriele Rolfes (Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie). Foto: Archiv
Die Mediziner am Klinikum Kassel hatten sich intensiv auf Corona-Patienten wie Jürgen Breker vorbereitet (von links): Ludmilla Mielke (Fachpflegekraft), Prof. Dr. Ralf Muellenbach (Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie), Dr. Gabriele Rolfes (Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie).

„Covid-19 hat mich aus heiterem Himmel erwischt“, erzählt Jürgen Breker, der über den dramatischen Verlauf seiner Erkrankung sprechen will, unter deren Folgen er bis heute leidet.

„Miteinander über Erlittenes zu sprechen, ist wichtig“, ist er überzeugt. „Den eigenen Tod vor Augen, betrachtet man Corona mit anderen Augen“, sagt der Borgholzer.

Nach vier Wochen in Kliniken in Warburg und Kassel hat Jürgen Breker den Kampf gegen Covid-19 gewonnen.

Nach vier Wochen in Kliniken in Warburg und Kassel hat Jürgen Breker den Kampf gegen Covid-19 gewonnen. Foto: Ralf Benner

Mit seiner Schilderung des Erlebten will er andere Menschen wach rütteln, die das Coronavirus zu leicht nehmen, Hygiene- und Abstandsregeln missachten und Verschwörungstheorien verbreiten.

„Das ist kein Spaß. Die Menschen dürfen jetzt nicht leichtsinnig werden. Aus meiner Sicht kommen die Lockerungen viel zu früh.“ Es bestehe weiterhin die akute Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren.

Schwerer Kampf gegen das Virus

„In der Notaufnahme des Warburger Helios-Klinikums bin ich weggeknickt, einfach weg“, erinnert sich der 63-Jährige an seinen schweren Kampf gegen das Virus.

Zwei Wochen später wacht Breker in den städtischen Kliniken in Kassel wieder auf, bäuchlings im Patientenbett: „Um das Bett herum ein Professor und drei Ärzte.“

14 Tage im künstlichen Koma

14 Tage lang haben die Mediziner dort um das Leben von Jürgen Breker gekämpft. Breker lag in dieser Zeit im künstlichen Koma.

Im Intensivtransportwagen war der Borgholzer nach Kassel verlegt worden, nachdem er zwei Tage nicht ansprechbar in Warburg auf der Intensivstation gelegen hatte.

Im Helios-Klinikum verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Der Herzrhythmus geriet aus dem Takt, die Nieren versagten, weitere lebenswichtige Organe drohten zu kollabieren. Er wurde daraufhin ins Koma gelegt.

Patient ist Ärzten dankbar

Heute ist der 63-Jährige sowohl dem Warburger Klinik-Oberarzt Ralf Gehrke als auch seinem Hausarzt Peter Bertram sehr dankbar, die alles unternommen haben, um ihn in die städtischen Kliniken nach Kassel zu verlegen, die für solche schweren intensivmedizinischen Notfälle besser ausgestattet seien. „Die haben dort richtig Dampf gemacht“, berichtet Breker.

In Kassel holten die Mediziner ihn zwei Mal mit dem Defibrillator ins Leben zurück, schildert Breker. Auf richterlichen Beschluss war eine seiner beiden Töchter in der Zwischenzeit als gesetzlicher Betreuer eingesetzt worden, so schlimm stand es um den Zustand von Jürgen Breker.

Dramatischer Krankheitsverlauf

Dass seine Corona-Infektion einen so dramatischen Verlauf nehmen würde, damit hatte der 63-Jährige nicht gerechnet. Er sei zunächst von einer Erkältung ausgegangen, erinnert sich der KFZ-Mechaniker an die ersten Symptome.

Als er am Samstag nach Ostern Abfall vor das Haus bringt, schmerzen seine Knochen. Er geht zum Hausarzt. In den folgenden Tagen schwindet der Geruchssinn, das Fieber kommt, 39 Grad.

„Quarantäne und sofort zum Test“, entscheidet sein Hausarzt. In der mobilen Teststation in Brakel lässt er einen Abstrich machen.

„Positiv“, meldet das Kreisgesundheitsamt. Wo er sich angesteckt hat, weiß Breker nicht.

Vorerkrankungen? „Bluthochdruck“, sagt er. Der Hausarzt schickt sofort einen Krankenwagen.

Noch in der Notaufnahme des Warburger Klinikums bricht Breker zusammen, als er gerade mit seiner Tochter telefoniert hat. An mehr erinnert sich Breker nicht, bis er zwei Wochen später in Kassel wieder erwacht.

Kampf gegen Virus hinterlässt Spuren

Der Kampf gegen das Virus hat beim Borgholzer Spuren hinterlassen – sowohl körperliche als auch auf seiner Seele. Er wird psychologisch betreut. Die Hände zittern ab und an. 20 Kilo hat er abgenommen.

Nach insgesamt vier Wochen im Krankenhaus hat er wieder laufen gelernt, doch noch fehlt ein wenig die Kraft und die Puste geht ihm häufig aus – aber Jürgen Breker ist unendlich glücklich, noch am Leben zu sein.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7452774?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851042%2F
Entscheidung zwischen Laschet und Söder - Frist läuft ab
Markus Söder (r), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, und Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kommen zu einer Pressekonferenz.
Nachrichten-Ticker