Kandidat aus Muddenhagen will nicht mehr für die Sozialdemokraten antreten
SPD muss noch mal wählen

Borgentreich (WB). Beim SPD-Stadtverband Borgentreich hängt vor der Kommunalwahl am 13. September der Haussegen schief: Am Freitag, 19. Juni, müssen die Borgentreicher Sozialdemokraten ihre Bewerber für die Wahlkreise im Stadtgebiet noch einmal wählen. Grund dafür ist Valentin Herrmann (24) aus Muddenhagen. Der hat die Brocken hingeschmissen.

Mittwoch, 17.06.2020, 21:30 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 22:00 Uhr
Beim SPD-Stadtverband Borgentreich hängt vor der Kommunalwahl am 13. September der Haussegen schief. Foto: dpa
Beim SPD-Stadtverband Borgentreich hängt vor der Kommunalwahl am 13. September der Haussegen schief. Foto: dpa

Herrmann sollte eigentlich als Ratskandidat für den Wahlbezirk Manrode/Muddenhagen antreten. „Es geht bei dieser Versammlung nur um eine Person, einen Wahlkreis. Aus formalen Gründen müssen aber alle noch einmal neu gewählt werden“, sagt SPD-Stadtverbandschef Marcel Franzmann.

Unzufriedenheit über den Führungsstil

„Aus Unzufriedenheit über den Führungsstil innerhalb der SPD“, wie Valentin Herrmann im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT betont, will der Muddenhagener nun nicht mehr für die Sozialdemokraten ins Rennen gehen. „Mir gefällt es gar nicht, wie Marcel Franzmann als Stadtverbandsvorsitzender und stellvertretender Kreisvorsitzender agiert und mit Andersdenkenden innerhalb der Partei umgeht“, nennt Herrmann einen wesentlichen Grund für seine Entscheidung, die innerhalb der SPD für Ärger sorgt.

Auch inhaltliche Differenzen zu Franzmann hätten ihn zu diesem Schritt bewogen, so Herrmann. „Ich will keine Windräder direkt vor unserer Haustür“, spricht der Windkraftgegner ein Thema an, das viele Menschen in Manrode, Muddenhagen und Bühne bewegt.

Auf der Liste auf Platz 10 „abgeschoben“

Weil seine Ansichten der SPD-Führung nicht gefallen hätten, sei er abserviert worden und nur auf dem Listenplatz 10 gelandet – und damit quasi ohne Aussicht, in den Rat gewählt zu werden. Zunächst sei für ihn der aussichtsreiche Listenplatz 5 vorgesehen gewesen.

Valentin Herrmann aus Borgentreich-Muddenhagen hat als SPD-Ratskandidat die Brocken hingeschmissen.

Valentin Herrmann aus Borgentreich-Muddenhagen hat als SPD-Ratskandidat die Brocken hingeschmissen.

„Von hier. Für hier. Gemeinsam für den Kreis Höxter“ – Mit diesem Spruch werben die Sozialdemokraten im Kreisgebiet in den Sozialen Medien aktuell für ihre Kandidaten. Mit dieser Haltung scheint es in Borgentreich offenbar vorbei zu sein. Dort brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. Valentin Herrmann, der als SPD-Mitglied im Ortsverband Bad Karlshafen geführt wurde, drohte sogar ein Parteiausschlussverfahren wegen parteischädigendem Verhalten. „Die wollten mich rausschmeißen“, so Herrmann. Wer innerhalb der Partei eine andere Meinung vertrete, werde abgestraft. „So handhabt der Franzmann das“, sagt er. Dem möglichen Rausschmiss aus der Partei ist Herrmann mittlerweile auf anwaltlichen Rat zuvor gekommen. Er ist aus der Partei ausgetreten.

Muddenhagener will Wählergemeinschaft gründen

Aus dem politischen Leben will sich Herrmann aber nicht zurückziehen. Der gelernte Steuerfachangestellte und Bachelor-Student an der Uni Kassel (Fächer Geschichte und Philosophie) beabsichtigt, bei der Kommunalwahl im September dennoch anzutreten – entweder als unabhängiger Ratskandidat oder als Mitglied einer neuen Wählergemeinschaft. Diese nehme aktuell „konkrete Formen“ an, wie Herrmann berichtet. Am kommenden Sonntag, 21. Juni, will er die neue Wählergemeinschaft mit Gleichgesinnten gründen, unter ihnen viele, die bisher der SPD nahestanden oder ihr angehörten. „Mittlerweile sind zwei weitere Mitglieder aus Bühne und Borgholz aus der SPD ausgetreten“, berichtet der Muddenhagener. Für ihn sei die Wählergemeinschaft ein neuer Weg, seine politischen Inhalte und Ziele weiter verfolgen zu können.

Suche nach Gleichgesinnten

Herrmann ist derzeit auf der Suche nach weiteren politisch interessierten Borgentreichern, die aktiv bei der Wählergemeinschaft mitmachen wollen. Gespräche mit Gleichgesinnten in den Ortschaften würden zurzeit noch laufen.

Auch Franz-Josef Wegener, Ortsvorsteher in Borgholz und unabhängiger Ratsherr im Stadtrat, denkt nach Informationen dieser Zeitung laut darüber nach, für die neue Wählergemeinschaft, so sie denn gegründet wird, als Ortsvorsteher ins Rennen zu gehen. Wie Wegener, früher selbst SPD-Mitglied und Fraktionschef der Sozialdemokraten im Borgentreicher Rat, sich entscheiden wird, steht aber noch nicht fest.

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