Junge Bulgaren rechnen nicht mit der Überwachungstechnik
Einbrecher live auf dem Handy

Borgentreich (WB). Mitten in der Corona-Pandemie hat es die Polizei im Warburger Land vor allem mit Einbrechern zu tun. Zuletzt hat es auch einige Festnahmen gegeben. Trotzdem reißt die Serie von Einbrüchen in allein stehende Gebäude wie Schulen, Vereinsheime und Schützenhallen nicht ab. Drei Täter konnten jetzt aber auf frischer Tat ertappt und festgenommen werden. Und das ist dem Borgentreicher Christian Wulfhorst zu verdanken.

Mittwoch, 01.07.2020, 06:58 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 07:00 Uhr
Christian Wulfhorst (35) hat sein Betriebsgelände im Gewerbegebiet Keggenriede mit Kameras geschützt. So ist es zuletzt der Polizei mit seiner Hilfe auch gelungen, drei junge Männer aus Bulgarien festzunehmen, die dort einsteigen wollten. Foto: Jürgen Vahle
Christian Wulfhorst (35) hat sein Betriebsgelände im Gewerbegebiet Keggenriede mit Kameras geschützt. So ist es zuletzt der Polizei mit seiner Hilfe auch gelungen, drei junge Männer aus Bulgarien festzunehmen, die dort einsteigen wollten. Foto: Jürgen Vahle

40 Kameras installiert

Der 35-Jährige betreibt im Industriegebiet Keggenriede eine Autoverwertung – und hat mit Einbrechern in der Vergangenheit so seine Erfahrungen gemacht. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat es fünf Einbrüche oder Einbruchsversuche in sein 14.000 Quadratmeter großes Gelände gegeben. Dabei haben es die Täter oft auf die richtig wertvollen Teile wie Radiosysteme oder Navigationsgeräte abgesehen.

Irgendwann war es dem Borgentreicher Geschäftsmann zu bunt geworden. Mittlerweile hat er sein Betriebsgelände komplett eingezäunt und mit 40 Kameras versehen. Die melden jede Bewegung nach Betriebsschluss im Alarmton auf sein Handy.

Handy schlägt Alarm

So auch vor einigen Tagen. Da schlug sein Handy bereits um 21.21 Uhr an. Draußen war es noch hell. „Eigentlich kommen die Einbrecher immer später“, wunderte sich Christian Wulfhorst. Mehrere seiner installierten Kameras zeichneten die Bewegung der beiden dunklen Gestalten schon Sekunden nach dem Sprung über den 2,20 Meter hohen Zaun auf.

Der Autoverwerter informierte die Polizei, rief seinen Bruder Daniel Wulfhorst an, schwang sich ins Auto und brauste zum Firmengelände. Vor Ort stoppte er noch einen Bekannten – mit drei Privatfahrzeugen sicherten sie das Betriebsgelände und warteten zunächst auf die Polizei. Auch ein verdächtiger Transporter, der zwischen dem Betrieb Wulfhorst und dem Bauhof abgestellt war, wurde beschattet.

Täter verstecken sich

Noch bevor die Polizei anrückte, machte sich der Bulli mit Bremer Kennzeichen, offenbar das Fluchtfahrzeug, aus dem Staub. Christian Wulfhorst heftete sich an seine Fersen und informierte die Polizei, die das Fahrzeug bei Lütgeneder auch stoppen konnte. „Ich war froh, die Blaulichter endlich im Rückspiegel zu sehen“, berichtet der Borgentreicher.

Zu Hause an seinem Betriebshof waren die Beamten ebenfalls schon mit mehreren Streifenwagen eingetroffen. Das Firmengelände wurde umstellt, die Einbrecher, die sich unter den Unfallfahrzeugen versteckt hatten, schließlich festgenommen. Schaden für sein Unternehmen war bei diesem Einbruchsversuch nicht entstanden. Die Täter, drei Bulgaren im Alter zwischen 23 und 28 Jahren, wurden festgenommen und ins Gewahrsam gebracht.

Ohne Polizei geht es nicht

Christian Wulfhorst ist einmal mehr froh, seine Firma mit Hilfe von Kameras geschützt zu haben. „Ich konnte die Täter über das Handy verfolgen und schnell lokalisieren, wo sie sich auf dem Gelände befinden. Alles live auf Video, sogar mit Ton, in 4K-Qualität“, ist der Autoverwerter von der Qualität seiner Überwachungstechnik überzeugt. Bezahlbare Kameras (über W-Lan oder auch ein mobiles Netz) könne man heute überall aufstellen und ohne großen Aufwand betreiben – egal ob Feldscheune, Firma oder Vereinsheim, ist er sich sicher. Er habe zwar mittlerweile mehr als 10.000 Euro in die Technik gesteckt. Es gehe aber deutlich günstiger.

Doch eines steht für den Borgentreicher auch fest: Ohne Polizei geht es nicht. „Ein großes Lob an die Beamten. Hätten die nicht auch so schnell und clever agiert, wären die Verbrecher natürlich auch bald wieder über alle Berge gewesen.“

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