Staatsanwaltschaft Paderborn übernimmt Ermittlungen gegen Elmar J. aus Borgentreich
Der Waffenhändler im Mordfall Lübcke

Borgentreich/Paderborn (WB). Die Staatsanwaltschaft Paderborn übernimmt – wie berichtet – in der kommenden Woche von der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen gegen Elmar J. (65) aus Borgentreich-Natzungen . Der Mann aus dem Kreis Höxter soll dem mutmaßlichen Rechtsterroristen Stephan Ernst (46) den Trommelrevolver verkauft haben, mit dem der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (65) im vergangenen Jahr ermordet wurde. Ernst steht seit einigen Wochen wegen des Mordes an Lübcke vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.

Samstag, 11.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 10:34 Uhr
Juni 2019: Polizisten durchsuchen das Haus des mutmaßlichen Waffenhändlers Elmar J. in Beverungen. Er soll die Waffe verkauft haben, mit der Walter Lübcke getötet wurde. Foto: Harald Iding
Juni 2019: Polizisten durchsuchen das Haus des mutmaßlichen Waffenhändlers Elmar J. in Beverungen. Er soll die Waffe verkauft haben, mit der Walter Lübcke getötet wurde. Foto: Harald Iding

Elmar J., der in dem kleinen Ort Natzungen als Eigenbrötler beschrieben wird, soll 2012 aus Paderborn in das Dorf gezogen sein. Er erwarb dort ein Haus und soll Antiquitäten und Motorradteile verkauft haben - und möglicherweise auch Waffen. Der mutmaßliche Terrorist Stephan Ernst hatte im vergangenen Jahr gegenüber Ermittlern ausgesagt, Elmar J. habe ihm 2016 den Revolver vom Kaliber .38 für 1100 Euro verkauft. Den Kontakt zu dem Waffenhändler habe Markus H. (44) hergestellt - ein Neonazi, der nun wegen Beihilfe zum Mord neben Stephan Ernst auf der Anklagebank sitzt.

J. habe nicht an ein politisch motiviertes Tötungsdelikt gedacht

Ursprünglich hatte die Generalbundesanwaltschaft auch Elmar J. verdächtigt, Beihilfe zum heimtückischen Mord an dem Regierungspräsidenten geleistet zu haben. J. wurde am 26. Juni 2019 in seinem Haus festgenommen. Er sollte beim Verkauf der Waffe von der rechtsextremistischen Gesinnung Stephan Ernsts gewusst und es billigend in Kauf genommen haben, dass die Waffe für einen politischen Mord eingesetzt werden könnte.

Im Juni 2019 kam Elmar J. in Untersuchungshaft. Bei der Haftprüfung im Januar 2020 hob der Bundesgerichtshof den Haftbefehl auf, weil er keinen dringenden Verdacht für eine Verstrickung in den Lübcke-Mord sah. Elmar J. kehrte daraufhin in sein Haus nach Natzungen zurück.

Der Bundesgerichtshof argumentierte in seinem Beschluss, Elmar J. habe Stephan Ernst seit 2014 Waffen verkauft, die Ernst zum Teil mit Gewinn weiterveräußert habe. Der BGH sprach von einer „illegalen Geschäftsbeziehung“. Im Bezug auf die Tatwaffe schrieb der BGH, Elmar J. habe Ernst den Revolver zweieinhalb Jahre vor der Tat „ohne besonderen Anlass” angeboten, und Stephan Ernst habe sich „nach längerem Überlegen” entschlossen, die Waffe zu kaufen. Die Ermittlungen machten es deshalb „nicht hochwahrscheinlich”, dass Elmar J. beim Verkauf der Waffe an ein politisch motiviertes Tötungsdelikt gedacht habe.

Staatsanwaltschaft prüft weiteren Ermittlungsbedarf

Markus Schmitt, Sprecher des Generalbundesanwalts, sagte am Freitag: „Nach dem Stand der Ermittlungen stehen gegen diesen Beschuldigten jetzt nur noch die Vorwürfe der fahrlässigen Tötung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz im Raum. In diesen Fällen dürfen wir als Generalbundesanwaltschaft aber nicht mehr ermitteln.“

Der Generalbundesanwalt ist vor allem für die Verfolgung von Delikten gegen die innere Sicherheit, für Terrorismus, Landesverrat und Spionage zuständig. Das Verfahren wurde deshalb nach NRW abgegeben, wo der Waffenverkauf stattgefunden haben soll. Die Ermittlungsakte mit den Vernehmungen und Durchsuchungsprotokollen wurde von Karlsruhe an die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm geschickt. „Wir haben die Akte in dieser Woche an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft Paderborn weitergeleitet, wo sie Anfang der Woche ankommen müsste“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Tino Seesko.

Die Staatsanwaltschaft Paderborn wird nun prüfen, ob sie noch Ermittlungsbedarf sieht, und dann über Anklageerhebung oder Einstellung des Verfahrens entscheiden. Ein möglicher Prozess könnte vor dem Amtsgericht Warburg stattfinden.

Im Ermittlungsverfahren hat Elmar J. übrigens bestritten, Stephan Ernst die spätere Tatwaffe verkauft zu haben.

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