Großweide für Rinder soll im Naturschutzgebiet etabliert werden – Stadt sucht Pächter
Lebensräume für Wiesenbrüter schaffen

Borgentreich (WB). Eine 17,62 Hektar große Grünfläche im Naturschutzgebiet Körbecker Bruch soll neu verpachtet werden, um dort Weideflächen zu schaffen. Dafür soll das Areal auch eingezäunt werden. Das hatte der Rat jüngst beschlossen.

Freitag, 17.07.2020, 07:01 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 07:20 Uhr
Eine 17,62 Hektar große Grünfläche im Naturschutzgebiet Körbecker Bruch soll neu verpachtet werden, um dort Weideflächen zu schaffen. Dafür soll das Areal auch eingezäunt werden. Die Bezirksregierung hat der Orgelstadt dafür einen Zuwendungsbescheid in Höhe von mehr als 14.000 Euro übermittelt. Foto: Photodesign Henze
Eine 17,62 Hektar große Grünfläche im Naturschutzgebiet Körbecker Bruch soll neu verpachtet werden, um dort Weideflächen zu schaffen. Dafür soll das Areal auch eingezäunt werden. Die Bezirksregierung hat der Orgelstadt dafür einen Zuwendungsbescheid in Höhe von mehr als 14.000 Euro übermittelt. Foto: Photodesign Henze

Nun kommt die gute Nachricht aus Detmold: Die Bezirksregierung hat der Orgelstadt einen Zuwendungsbescheid in Höhe von mehr als 14.000 Euro übermittelt, um im Naturschutzgebiet eine extensive Großweide etablieren zu können. Die Orgelstadt möchte mit einem finanziellen Eigenanteil von 20 Prozent die Einzäunung im Körbecker Bruch umsetzen. An den Fördermitteln sind das Land NRW und die Europäische Union beteiligt

93 Hektar großes Naturschutzgebiet

Die Stadt möchte, dass die Flächen im Körbecker Bruch als geeignete Lebensräume für Wiesenbrüter optimiert werden. Die Rinder, die künftig auf der Weide leben, sollen etwa durch ihren Dung (Dungfauna als Nahrungsquelle) und ihr selektives Fraßverhalten (Weiderest) dazu beitragen. „Super, was sich in den vergangenen 20 Jahren im Naturschutzgebiet getan hat“, freut sich Bürgermeister Rainer Rauch. „Da zeigt sich, wie sich alles toll entwickeln kann, wenn man der Natur nur die Zeit lässt“, sagt Rauch.

Die Neuverpachtung soll vom 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2028 dauern. Interessierte können sich bis zum 31. August bei der Stadtverwaltung melden. Sie müssen dabei unter anderem ein Konzept mit Angaben zur eingeplanten Rinderrasse, Besatzdichte und Beweidungsdauer einreichen. Die Angebote sollen dann durch die Stadtverwaltung in Abstimmung mit den Fachbehörden und der Landschaftsstation im Kreis Höxter bewertet werden.

Das 93 Hektar große Naturschutzgebiet Körbecker Bruch stellt das größte und bedeutendste Feuchtwiesenschutzgebiet im Kreis Höxter dar. Das Mosaik an unterschiedlichen Feucht-. und Nassbiotopen bietet unterschiedlichsten Wiesenbrütern geeignete Lebensräume.

Stark gefährdete Vogelarten

Insbesondere stark gefährdete oder vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Vogelarten wie Wachtelkönig, Wiesenweihe, Rohrweihe, Kiebitz, Wiesenpieper, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Rebhuhn oder Wachtel nutzen das Gebiet als Bruthabitat. Weißstorch, Schwarzstorch, Schwarzmilan und Rotmilan suchen es regelmäßig zur Nahrungssuche auf.

Zudem besitzt das Gebiet eine hohe Bedeutung für rastende Zugvogelarten wie Kiebitz, Goldregenpfeifer, Bekassine, Zwergschnepfe, Kranich oder Sumpfohreule. Für den Schutz der zahlreichen gefährdeten Vogelarten ist der Körbecker Bruch von überregionaler Bedeutung.

„Im südlichen Teil des Naturschutzgebietes finden sich zum einen arten- und strukturarme Grünlandbestände, die zum größten Teil aus Ackerflächen hervorgegangen sind. Die Flächen unterliegen mit Ausnahme zweier brach gefallener Flächen der Mähnutzung. Zum anderen handelt es sich um staunasse Bereiche, in denen sich Binsen- und Seggenbestände eingestellt haben. Diese Bereiche sind mit schwereren Maschinen nicht befahrbar und eignen sich nur zur Weidenutzung“, erläutert Rauch.

2266 Meter langer Zaun

Das typische Artenspektrum gemähter Feuchtwiesen sei auf den Flächen meist nur fragmentarisch vorhanden. Die Bestände seien aus vegetationskundlicher Sicht eher von geringer Bedeutung. Angesichts der guten Nährstoffverfügbarkeit der ehemals ackerbaulich genutzten Flächen dürften sich dort über eine Mähnutzung in absehbarer Zeit kaum artenreiche Wiesengesellschaften einstellen – ebenso wenig würden sich bei dieser Nutzung die für Wiesenbrüter wichtigen Strukturen wie der Wechsel von lang- und kurzrasiger Vegetation einstellen.

Nach einem Abstimmungsprozess mit den Fachbehörden, der Landschaftsstation im Kreis Höxter sowie den bisherigen Pächtern soll die naturschutzkonforme Entwicklung dieser Flächen zukünftig in Form einer extensiven Beweidung erfolgen. Die wesentliche Zielsetzung besteht darin, die Flächen als geeignete Lebensräume für Wiesenbrüter zu optimieren: über einen sich schnell einstellenden größeren Strukturreichtum, durch Trittsiegel, den Dung der Weidetiere sowie durch das selektive Fraßverhalten der Tiere.

Zur Herstellung der Weidesicherheit soll das Gebiet auf einer Länge von 2266 Metern mit einem Stacheldraht-Weidezaun eingezäunt werden. Die Zaunanlage wird vor Pachtbeginn installiert und ist Bestandteil eines zukünftig mit einem neuen Pächter anzuschließenden Pachtvertrages. Die Zaunanlage wird aus den Fördermitteln finanziert.

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