Borgentreich will städtischen Hagen und zwei Felsenkeller unter Schutz stellen – LWL unterstützt Vorhaben
Stadtbefestigung ist denkmalwürdig

Borgentreich -

Die Stadt Borgentreich beabsichtigt, die ehemalige Stadtbefestigung, den sogenannten Hagen, sowie sein Umfeld, zu dem auch zwei Felsenkeller gehören, unter Schutz zu stellen und als ortsfeste Bodendenkmale in die Denkmalliste der Orgelstadt eintragen zu lassen.

Sonntag, 22.11.2020, 22:43 Uhr aktualisiert: 22.11.2020, 22:50 Uhr
Die Wallanlage der ehemaligen Stadtbefestigung, die die Kernstadt als Ring umschließt, ist im
Die Wallanlage der ehemaligen Stadtbefestigung, die die Kernstadt als Ring umschließt, ist im Foto: Silvia Schonheim

Das geht aus einer Beschlussvorlage für die erste Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Bauwesen der Stadt am morgigen Dienstag, 24. November, 19 Uhr, in der Aula der Sekundarschule hervor. Die Verwaltung berücksichtigt mit diesem Schritt Bedenken und Anregungen, die im Zusammenhang mit der Erweiterung des Familienforums Borgentreich (U3-Betreuung) in den Jahren 2017 bis 2019 geäußert wurden.

 

Unterschriftenaktion

Bei einer Unterschriftenaktion, an der sich 379 Borgentreicher beteiligt hatten, war die Sorge geäußert worden, dass mit dem schließlich realisierten Vorhaben eine Überbauung des städtischen Hagens sowie eines Felsenkellers am Familienforum einhergehen könnte.

Dieser Befürchtung widersprach der Stadtrat im November 2017 ausdrücklich. In der abschließenden Abwägung des Bauvorhabens kam das Stadtparlament vor drei Jahren zu dem Ergebnis, dass die Orgelstadt „sich der geschichtlichen Bedeutung des Hagens, der die Kernstadt in Gänze umschließt, und seines Umfeldes, welches auch den Felsenkeller einschließt, sehr bewusst“ sei. Mit einer Unterschutzstellung des städtischen Hagens würden sich die städtischen Gremien zu einem späteren Zeitpunkt befassen, hieß es damals. Dieser Zeitpunkt scheint nun also gekommen.

Archäologen und Denkmalschützer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) begrüßen die Unterschutzstellung der früheren Stadtbefestigung und der Felsenkeller. Nach Einschätzung des LWL und der Verwaltung erfüllen diese Objekte alle Vorgaben, die laut Denkmalschutzgesetz für ortsfeste Bodendenkmale gelten.

 

Die Stadtbefestigung

Die auf das 13. Jahrhundert zurückgehende, im Laufe der Jahrhunderte immer wieder veränderte ehemalige Stadtbefestigung ist laut LWL als Baudenkmal einzustufen. An der Erhaltung und Nutzung bestehe aus wissenschaftlichen, insbesondere ortshistorischen Gründen ein öffentliches Interesse. Da die Umwandlung der Stadtbefestigung zu Grünanlagen im 19. Jahrhundert eine zeittypische Erscheinung darstellt, die in Borgentreich besonders anschaulich erhalten sei, werden auch wissenschaftlich-gartenhistorische und freiraumgeschichtliche Erhaltungsgründe benannt. Zudem werden städtebauliche Gründe geltend gemacht. Die zu Grünanlagen umgewandelte historische Stadtbefestigung habe demnach eine herausragende stadtbildprägende Bedeutung.

 

Die Felsenkeller

Die beiden Felsenkeller im Umfeld des Hagens dienten – lange bevor es Kühlschränke gab – der Lagerung und Kühlung von verderblichen Lebensmitteln. Wissenschaftliche Gründe sprechen laut LWL und Verwaltung für den Erhalt auch dieser Keller. Sie seien nämlich wichtige Quellen für die historische Forschung, gäben sie doch Auskunft zur Bau- und Nutzungsgeschichte sowie zum Alltagsleben der Menschen.

Anhand der beiden Keller ließen sich zudem weitergehende Erkenntnisse hinsichtlich des Lebens und Wirtschaftens in Borgen­treich gewinnen – als anschauliche Beispiele für die Entwicklung von Arbeits- und Produktionsverhältnissen sowie die Geschichte der Lagerhaltung und Konservierung von Lebensmitteln seien sie daher auch von öffentlichem Interesse.

 

Eigentümer angehört

In einem Informationsgespräch am 15. Januar 2020, zu dem alle Eigentümer geladen worden waren, seien diese durch Mitarbeiter der LWL Archäologie, Außenstelle Bielefeld, über die geplante Unterschutzstellung unterrichtet worden. Es sei in diesem Gespräch abschließend festgestellt und deutlich gemacht worden, dass die Zustimmung bzw. Ablehnung des Eigentümers dafür letztlich nicht relevant ist, heißt es in der Vorlage zur Sitzung des Bauausschusses. Die Unterschutzstellung als Bodendenkmal habe für den Eigentümer zur Folge, dass bei zukünftigen Erdarbeiten vorab eine denkmalrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Denkmalbehörde beantragt werden muss. Im Einzelfall sei auch eine archäologische Baubegleitung erforderlich.

Allen Eigentümern sei im Rahmen eines Anhörungsverfahrens ab Anfang Oktober dieses Jahres die Gelegenheit gegeben worden, sich hinsichtlich der Unterschutzstellung und Eintragung des städtischen Hagens und der Felsenkeller als ortsfeste Bodendenkmäler zu äußern. Ihre Einwendungen sollen im Bauausschuss vorgestellt werden.

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