Lage in Borgentreich schlimmer als angenommen – Hausleitung: „Niemand stirbt alleine“
Neun Corona-Tote im Seniorenheim

Borgentreich (WB/dal) -

Neun Menschen, die an Corona erkrankt waren, sind mittlerweile im Hesena-Seniorenzentrum in Borgentreich gestorben. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES leben damit von ursprünglich 47 Menschen noch 38 in der Einrichtung.

Mittwoch, 20.01.2021, 21:30 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 16:52 Uhr
Im Hesena-Seniorenzentrum in Borgentreich ist die Corona-Situation schlimmer als zunächst öffentlich angenommen. Neun Bewohner sind bereits verstorben.
Im Hesena-Seniorenzentrum in Borgentreich ist die Corona-Situation schlimmer als zunächst öffentlich angenommen. Neun Bewohner sind bereits verstorben. Foto: Silvia Schonheim

Zurzeit sind 23 Heimbewohner positiv auf das Virus getestet worden, genesen sind vier der Bewohner. 15 der Mitarbeiter sind ebenfalls an Corona erkrankt. Das führt dazu, dass zurzeit nur noch drei Pflegekräfte im Dienst sind. Diese Zahlen haben den Stand Dienstag. Die Lage im Seniorenheim ist damit schlimmer, als bisher angenommen.

Das sorgt auch die Angehörigen von Heimbewohnern. Seit Dienstagmorgen weiß zum Beispiel Luise Morschel, dass ihre Mutter an Corona erkrankt ist. Die Frau, die im Seniorenzen­trum in Borgentreich lebt, ist 89 Jahre alt und gehört damit zur Hochrisikogruppe. Morschel: „Es geht ihr noch gut. Aber wenn es ihr schlechter geht, möchte ich ins Heim. Meine Mutter soll nicht alleine sterben.“

Das soll sie auch nicht, sagt Kerstin Minuth, Hausleitung für den Bereich Verwaltung des Hesena-Seniorenzentrums. „Wenn jemand im Sterben liegt, gilt für Besuche während der Quarantäne eine Ausnahme“, sagt sie. Das gelte nicht nur für das Seniorenheim, sondern etwa auch für Krankenhäuser. „Niemand stirbt alleine.“ Wie berichtet, steht das Heim bis zum 14. Februar unter Quarantäne.

Auf die Frage, wie viele Menschen im Heim zurzeit an Corona erkrankt sind, verweist Minuth auf den Träger des Heimes. Das ist die Hesena-Gruppe mit Sitz in Berlin. Zu aktuellen Corona-Fallzahlen gefragt, hatte Hesena-Geschäftsführerin Kirsten Fränzel jüngst keine Auskunft geben wollen.

Angehörige wie Morschel, die sich in diesem Fall an das WESTFALEN-BLATT gewandt haben, sagen, dass Informationen eher spärlich an Angehörige und Öffentlichkeit weitergegeben würden. Den Eindruck hat auch ein Bewohner des Betreuten Wohnens, das an das Heim angrenzt: „Da wird nichts rausgegeben. Die Mitarbeiter sagen uns auch nichts.“

Der Durchgang zum Heim sei dicht gemacht worden, die Bewohner des Betreuten Wohnens stünden aber nicht unter Quarantäne. Der Hausmeister jedoch pendle weiter zwischen den Einrichtungen, obwohl er erklärt habe, ebenfalls nicht getestet worden zu sein, schildert der Bewohner.

Morschel und auch andere Angehörige, die sich an diese Zeitung gewandt hatten, sehen die Schuld an der Gesamtsituation nicht bei den Heim-Mitarbeitern: „Bisher hatten wir das Gefühl, dass uns das Heim stets informierte, wenn mit meiner Mutter etwas war. Wir hatten einen guten Eindruck.“ Aber das Heim sei nun nicht der einzige Ansprechpartner. Den Behörden, dem Gesundheitsamt zum Beispiel, wirft sie vor, nicht transparent genug zu arbeiten.

Wie berichtet, werden die Heimmitarbeiter seit Montag von 15 Soldaten des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter unterstützt. Es ist der erste Corona-Hilfseinsatz des Militärs in einem Heim im Kreis Höxter . Die Soldaten helfen bei nicht-pflegerischen Tätigkeiten, wie etwa dem Verteilen von Essen oder Bettenmachen. Der Einsatz der Soldaten ist zunächst auf 14 Tage befristet.

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