Ehepaar Hensel berichtet Umweltminister Johannes Remmel von Problemen der Imker
Bienen hungern im Sommer

Brakel-Bellersen (WB). Bei der Demonstration »Wir haben es satt« in Berlin hatte NRW-Umweltminister keine Zeit für das Imker-Ehepaar Hensel. Jetzt er deren Betrieb während seiner Sommertour »NRW is(s)t« in Bellersen besucht.

Montag, 02.05.2016, 00:40 Uhr aktualisiert: 02.05.2016, 12:39 Uhr
NRW-Umweltminister Johannes Remmel (links) hat die Imkerei Hensel in Bellersen besucht. Das Inhaberehepaar Ulrike Lahmann-Hensel und Oswald Hensel, deren Neffe Johannes und Praktikant Sham Sudins haben ihm den Betrieb gezeigt. Foto: Frank Spiegel
NRW-Umweltminister Johannes Remmel (links) hat die Imkerei Hensel in Bellersen besucht. Das Inhaberehepaar Ulrike Lahmann-Hensel und Oswald Hensel, deren Neffe Johannes und Praktikant Sham Sudins haben ihm den Betrieb gezeigt. Foto: Frank Spiegel

Ulrike Lahmann-Hensel und Owald Hensel nutzten die Gelegenheit nicht nur, um dem Bündnisgrünen ihren Betrieb zu zeigen. Sie ließen ihn auch wissen, wo Imkern der Schuh drückt.

So berichtete Johannes Remmel nach seiner Anreise von den leuchtend gelben Rapsfeldern überall, hatte damit aber schon unbewusst einen Kritikpunkt angesprochen.

»In unserer doch strukturreich erscheinenden Landschaft fehlt es von Juli bis September an Nahrungsangebot«, erklärte Ulrike Lahmann-Hensel. Wenn der Raps abgeerntet sei, bleibe für Bienen Steppe zurück, ergänzte ihr Mann: »Unsere Honigbienen hungern im Sommer.«

Zu wenig Blüten

Es bleibe daher nichts anderes übrig, als die Bienenkästen auf einen Lastwagen zu packen und mit ihnen in Gegenden zu fahren, in denen es noch Blüten gebe, zum Beispiel nach Mecklenburg-Vorpommern.

Nach Meinung des Ehepaares sollten Biogasflächen verpflichtend aus blühenden Dauerkulturen bestehen. Das diene auch dem Erosionsschutz. »Ein Anteil von zehn Prozent der Gesamtfläche würde schon helfen«, meinen sie.

Sie würden sich zudem wünschen, dass Prämienzahlungen an den Naturschutz gekoppelt würden. Ulrike Lahmann-Hensel: »In Mecklenburg-Vorpommern erhalten Landwirte Prämien für Blühflächen nur in Verbindung mit einem Vertrag, den sie mit einem Imker geschlossen haben.«

Weniger Mahden

Auch die kommunale Bewirtschaftung von Grünflächen müsse dem Naturschutz dienen. »Stoppen Sie bitte die viel zu häufigen Mahden an Straßenrändern immer kurz vor der Blüte der Wildkräuter«, bittet die Imkerin. Dabei fehle es an der gesetzlichen Grundlage, die Verwaltung zur Umsetzung zu verpflichten.

Kritische Töne schlugen sie auch mit Blick auf die Bieneninstitute an, von denen sich jedes Bundesland ein eigenes gönne. »Ein oder zwei gute reichen. Das zeigt sich in unseren Nachbarländern«, sagte Oswald Hensel.

Und diese dürften dann nicht gleichzeitig Gutachten für die agrochemische Industrie erstellen, aber auch EU-Gelder erhalten, die sonst EU-weit Berufsimkern zuständen.

Johannes Remmel nahm die Kritik mit Interesse auf und bat darum, die einzelnen Punkte schriftlich zu bekommen, um sie weiter zu bearbeiten.

Bienen sind unverzichtbar

»Die Wild- und Honigbienen sind unverzichtbar für die Bestäubung von Blütenpflanzen wie etwa Erdbeeren oder Apfelbäumen. Ohne Bienen hätten wir bei weitem keine so reiche Nahrungsvielfalt«, sagte der Umweltminister.

In Nordrhein-Westfalen halten etwa 13.200 Imkerinnen und Imker 81.300 Bienenvölker. Die Imkerei Hensel gehört zu den wenigen, die hier im Vollerwerb tätig sind.

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