Hans-Martin Fröhling bringt Madrigalchor, Solisten und Orchester zu Höchstleistungen
»Elias« nimmt Publikum gefangen

Brakel(WB). Mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium »Elias« fügte der Madrigalchor Brakel einen weiteren Edelstein in die Liste seiner inspirierten Aufführungen ein. Es war am Sonntagabend in der Pfarrkirche St. Michael zu erleben.

Montag, 21.11.2016, 06:06 Uhr aktualisiert: 22.11.2016, 13:43 Uhr
Die Aufführung des Felix Mendelssohn-Bartholdy-Oratoriums »Elias« reiht sich an zahlreiche weitere glanzvolle Konzerte des Madrigalchores Brakel. Entsprechend begeistert ist das Publikum in der Pfarrkirche St. Michael gewesen. Foto: Marius Thöne
Die Aufführung des Felix Mendelssohn-Bartholdy-Oratoriums »Elias« reiht sich an zahlreiche weitere glanzvolle Konzerte des Madrigalchores Brakel. Entsprechend begeistert ist das Publikum in der Pfarrkirche St. Michael gewesen. Foto: Marius Thöne

Mendelssohn stellt im populärsten seiner geistlichen Werke der christlichen Lichtgestalt der Bach-Passionen ein alttestamentarisches Pendant zur Seite. Die Dramaturgie des Werkes mit seinen lebendig gemalten und breit ausgeführten Szenen nimmt den Hörer von der ersten Minute an gefangen.

Sämtliche Facetten menschlicher Emotionen

Elias, diese gewaltige fanatische Gestalt des Alten Testamentes, der das Volk Israel vom Götzendienst wieder auf den Weg des richtigen Glaubens lenkt, ist in Mendelssohns Oratorium eine gewaltige Basspartie, die sämtliche Facetten menschlicher Emotionen vom heftigen Wutausbruch über verzweifeltes Bitten, bis hin zu selbstvergessener Dankbarkeit durchmisst – eine enorme Herausforderung an den Sänger.

In der Aufführung des Madrigalchores in der Pfarrkirche St. Michael Brakel wurde die anspruchsvolle Partie von Frank Dolphin Wong gesungen. Dieser glänzte mit warmem samtenen Timbre, mit Kern, Stütze und Präzision.

Wie er etwa in der Arie »Herr Gott Abrahams, Isaaks und Israels« die getragene Melodie kantabel aussang und mit welcher Innigkeit er sie vortrug, war in jeder Note beeindruckend.

Er machte aber auch das Schillernde des Gotteskämpfers bewusst und zeigte die Wucht des Prophetenwortes.

Mit reinem leuchtenden Sopran

Trefflich auch Myriam Anna Dewald, die mit ihrem reinen leuchtenden Sopran sehr differenziert die Rollen der Witwe und des Engels gegeneinander abhob.

Anna Werle bot sanfte Altfarben auf, da flossen Schmerz und Trost in ruhiger Fülle. Sie imponierte aber auch als machtgierige Königin im Kampf gegen Elias.

Die beiden Solostimmen fügten schon im Duett des ersten Teiles »Zion streckt ihre Hände aus« die lyrischen Farbwerte ihrer Stimmen in ungetrübter Harmonie zusammen.

Nicht zu vergessen Lea Martensmeier, Mezzosopran, als sanfte Engelsstimme.

Stefan Boving, Tenor, gelang die schlichte Obadiah-Arie ebenso gut wie der heroisch-prophetische Gestus in den »Gerechten«.

Zu erwähnen sind die Chorsolisten Sabine Teichert, Alt, Joseph Rode, Tenor und Günter Bömelburg, Bass.

Stille und anrührende Höhepunkten

Das berühmte Doppelquartett »Denn er hat seinen Engeln befohlen« und das Engelterzett wurden auch dank guter Chorsolisten zu stillen, anrührenden Höhepunkten.

Die Gesamtleitung des großen romantischen Werkes lag in den Händen von Hans-Martin Fröhling.

Er dirigierte klar mit deutlichen Akzenten und bot eine höchst spannende Wiedergabe der Partitur, die gleichsam auch den sakralen Charakter des Werkes zur Geltung brachte und dem Zuhörer die vom Komponisten gewollte Möglichkeit zur Kontemplation schuf.

Der Madrigalchor zeigte eindrucksvoll das bedrückte wankelmütige Volk, konnte aber auch die Mysterien mit Balsamklang kommentieren.

Der Aufbau von Spannung und Lösung in den großen dramatischen Szenen gelang mustergültig. Etwa die Machtprobe mit den Baalspriestern oder die geheimnisvolle Gotteserscheinung auf dem Berg Horeb.

Massenchöre und Soloensembles wechseln sich ab

Es gab im Wechsel von Massenchören und Soloensembles viele Momente berührender Innigkeit. Neben dem straffen Chor der Baalspriester das fuliminante Auf-und Abrauschen des Schlusssatzes des ersten Teiles oder etwa die dramatische Schilderung von Elias Himmelfahrt.

Der Chor bewies einmal mehr seine achtenswerte Fähigkeit zu präzisen Akzenten und homogener Klangschönheit.

Die klare Deklamation des Chores zeigte, wie sehr die Eindringlichkeit des Werkes aus der Kraft des Bibelwortes erwächst.

Auch in klanglicher Hinsicht stand alles zum Besten: Das runde geschmeidige Klangbild trübte sich nicht einmal in den heiklen Höhenlagen der Soprane. In durchsichtiger Beweglichkeit wurden alle Vokallagen gleichermaßen feinsinnig und kräftig bedient, machtvolle Anrufungen standen neben schwebendem Engelsgesang.

Kammerorchester ist absolut adäquater Partner

Viel Sorgfalt schenkte auch das Kammerorchester Opus 7 dem Werk. Das fabelhaft muszierende Orchester war Chor und Solistenensembles ein absolut adäquater Partner.

Wer über Konzertveranstaltungen berichtet, tut gut daran mit Superlativen hauszuhalten. Doch hin und wieder wird man Zeuge eines Ereignisses, dass sich nur in dieser Steigerungsform charakterisieren lässt.

Dieser Meinung waren offenbar auch die Zuhörer in der St. Michael-Kirche, die über zwei Stunden lang die Aufführung des »Elias« auf absolut großem gestalterischen Niveau gemeinsam mit einem bravourösen Solistenensemble erleben durften.

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