Käfer tummeln sich unter und im Altar der Kapuzinerkirche
Holzwurm frisst sich durch

Brakel  (WB). Sie ist das erste Bauwerk des bekannten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun, im kommenden Jahr wird sie 300 Jahre alt. Respekt ist dem Gewöhnlichen Nagekäfer, gemeinhin auch Holzwurm genannt, aber fremd, und so hat sich das Insekt in der Kapuzinerkirche durch den Unterbau der Stufen zum Hochaltar gefressen und auch schon Teile des Altars selbst verspeist. Damit soll jetzt Schluss sein.

Donnerstag, 26.01.2017, 17:00 Uhr aktualisiert: 31.01.2017, 14:30 Uhr
Die ehrenamtliche Küsterin Elisabeth Krollpfeifer hat die ersten Spuren der Holzwürmer entdeckt – dass diese einen Schaden dieses Ausmaßes angerichtet hatten, das haben nicht mal die Fachleute geahnt. Jetzt wird schnell gehandelt. Foto: Frank Spiegel
Die ehrenamtliche Küsterin Elisabeth Krollpfeifer hat die ersten Spuren der Holzwürmer entdeckt – dass diese einen Schaden dieses Ausmaßes angerichtet hatten, das haben nicht mal die Fachleute geahnt. Jetzt wird schnell gehandelt. Foto: Frank Spiegel

»Schließlich wird im kommenden Jahr Jubiläum gefeiert – und da soll die Kirche in einem Top-Zustand sein«, berichtet Kirchenvorstand Alfons Joachmaring .

Entdeckt hat die bis zu fünf Millimeter großen Plagegeister die ehrenamtliche Küsterin Elisabeth Krollpfeifer. »Ich habe anfangs das Holzmehl gesehen und immer wieder entfernt«, blickt sie zurück. Und einmal habe sie dann auch einen Holzwurm selbst entdeckt.

Als Fachleute in der vergangenen Wochen die Stufen und den Vorbau des Hochaltars – auch dieser wurde nach Plänen von Schlaun angefertigt – zur Seite schoben, sahen sie die Bescherung: Der Unterbau war komplett von Holzwürmern befallen. Die hatten ganze Arbeit geleistet und auch massive Balken nahezu vollständig in Holzstaub verwandelt. Jetzt musste neu entschieden werden.

Wie Alfons Jochmaring berichtet, sind auch Teile des Hochaltars, insbesondere im Bereich des Sockels betroffen.

Bekämpfung mit Wärme

Drei Unternehmen sollen sich nun des barocken Schmuckstückes annehmen. »Um den Vorbau und die Stufen kümmert sich die Firma Innovative Restaurierungs- Technik von Christoph Diers aus Lippstadt . Der schwört auf die Holzwurmbekämpfung mit Wärme und war damit auch schon vor zwei Jahren im Turm der Pfarrkirche St. Michael erfolgreich. Auf 55 Grad Celsius wird das Holz mit warmer Luft erwärmt, das gibt nicht nur den Insekten, sondern auch den Larven den Rest.

»Das Unternehmen baut die Stufen ab und nimmt die mit nach Lippstadt. Dort werden sie in einem Zelt thermisch behandelt«, weiß Alfons Jochmaring. Am kommenden Donnerstag soll mit den Arbeiten begonnen werden.

Um die Holzwurmschäden am Altar selbst kümmert sich Firma Scholand aus Oesdorf bei Marsberg. »Hier werden befallene Teile ausgetauscht«, erläutert Alfons Jochmaring. Dabei müssten diese in der alten Technik wieder kunstvoll bemalt werden. Der Kirchenvorstand: »Dann sieht das Holz wie Marmor aus – echten Marmor konnte sich auch damals niemand leisten.«

Partner vor Ort

Den Unterbau soll eine heimische Firma fertigen. »Mit der Zimmerei Käding haben wir einen Partner vor Ort gefunden, der die Arbeiten im nötigen Umfang erledigen kann«, berichtet Alfons Jochmaring.

Die anfallenden Kosten stehen noch nicht endgültig fest. »Billig wird das aber ganz sicher nicht«, ist sich Pfarrer Willi Koch sicher.

Wie Alfons Jochmaring berichtet, ist der Hochaltar etwas Herausragendes in der an Besonderheiten keinesfalls armen Kapuzinerkirche . »Der Altar ist einer der wenigen noch erhaltenen, in dem es zum Beispiel die Öffnung zum Oratorium hinter dem Altar noch gibt. Durch diese hatten die Kapuzinermönche die Gelegenheit, den Gottesdienst zu verfolgen und mitzufeiern«, erläutert der Kenner der Geschichte.

Juwel im Kirchenraum

In der Liturgie an sich spiele der Hochaltar heute keine große Rolle mehr, da der Gottesdienst seit dem zweiten Vatikanischen Konzil nicht mehr mit dem Rücken zur Gemeinde, sondern den Gläubigen zugewandt gefeiert werde. Lediglich der Tabernakel zur Aufbewahrung der Hostien sei für die Liturgie von Bedeutung. Kunsthistorisch und mit Blick auf die Geschichte der Kirche sei der Altar dennoch ein Juwel im ansonsten eher karg ausgestatteten Kirchenraum.

Im Pastoralen Raum Brakeler Land fühlt sich der Holzwurm offensichtlich wohl. Nachdem er im Turm der Pfarrkirche St. Michael vertrieben werden musste, hat er auch in Hembsen, Erkeln und Gehrden sein Unwesen getrieben und wurde beseitigt. Und jetzt ist er in der Kapuzinerkirche – noch.

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