>

Do., 21.09.2017

Projekt mit besonderer Energiepflanze: Landwirt spart bei Bearbeitung Hoffnung für Imker und Bienen

Brakel (WB). Ein neues Projekt der Imkerei Hensel verspricht Besserung für die Situation bei Bienen, Hummeln und Co.. Dabei spielt die Energiepflanze durchwachsene Silphie eine wesentliche Rolle.

Von weitem sieht man nur ein etwa zwei Hektar großes Maisfeld, doch unter den drei Meter hohen Maispflanzen steht die Silphie und lässt die sieben Profi-Imker aus Bellersen hoffen, dass es ihren Bienen hier vom nächsten Hochsommer an besser gehen wird und sie sich trotz der »aufgeräumten« Landschaft gut versorgen können mit Pollen, der lebensnotwendigen Eiweißnahrung für die Brut.

Jede Blüte ist wichtig für leistungsfähige Bienenvölker

»Nach der Lindenblüte Anfang Juli finden die Bienen nicht mehr so viel Nektar, wie sie zum Leben brauchen. Jede Blüte ist jetzt wichtig, um im nächsten Frühjahr wieder starke, leistungsfähige Bienenvölker zu haben«, weiß Oswald Hensel aus langjähriger Erfahrung.

»Die durchwachsene Silphie ist eine Energiepflanze, die ab Juli bis September blüht, sie bringt zwar zehn bis 30 Prozent weniger Ertrag als Mais in Biogasherstellung, dafür spart der Landwirt während der bis zu 30 Erntejahren jegliche Bodenbearbeitung, Saatgut- und Spritzaufwand«, zeigt sich auch Diplom-Agraringenieur Florian Potthast, Biogasbetreiber aus Marienmünster, angetan von der dekorativen Kultur.

Wildschweine fressen die Silphie nicht

Außerdem werde der Boden optimal vor Wind und Regen geschützt. »Wildschweine fressen die Silphie nicht, und auf trockenen Standorten ist sie sehr unempfindlich, im Gegensatz zum Mais«, so Potthast.

Nach einer neuen Methode werde die Silphie beim Anlegen der Fläche zusammen mit Mais eingesät, erklären Hensel und Potthast. Sie entwickele sich, während darüber der Mais reife. »Der wird im ersten Jahr geerntet, und in dem darauffolgenden Jahr blüht schon die Silphie. Wir freuen uns, den Bienen im Sommer helfen zu können, schließlich steigern sie nächstes Jahr unseren Ertrag beim Raps um ein Viertel«, betont Potthast.

Senf und blau blühende Phacelia helfen den Bienen nicht

Die Problematik erklärt Lukas Hensel, Juniorchef der Imkerei: »Der Mangel an Blüten macht unseren Bienen und den andere Blütenbesuchern immer mehr Schwierigkeiten. Wegränder, Böschungen und Gräben werden oft vor der Blüte gemulcht, so dass Nährstoffe sich anreichern und nur Gras und Brennnesseln übrig bleiben. Hecken und Waldränder müssen kurz gehalten werden, damit die Landwirte volle Ausgleichszahlungen der Landwirtschaftskammer erhalten, weil die Flächen per Satellit nachgemessen werden.«

Auch wenn jetzt auf den Äckern Senf und blau blühende Phacelia eingesät werde, helfe das den Bienen nicht, so der Imkermeister: »Wenn die Pflanzen in sechs Wochen blühen, sollten unsere Bienen Winterruhe halten. Die Winterbienen überleben den langen Winter nicht, wenn sie sich von Oktober bis Dezember abarbeiten. Bei uns waren die Winterverluste umso schlimmer, je weniger die so genannten Greeningflächen entfernt waren.«

Wer Interesse an der durchwachsenen Silphie hat, kann sich vor Ort bei der Imkerei Hensel informieren. »Es gibt auch Topfpflanzen zu verschenken, wenn jemand Platz im Garten hat«, wirbt Ulrike Hensel für die nützliche Pflanze.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5168385?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198395%2F2851041%2F